4. Dezember 2012 18:22 Frühere französische Justizministerin Rachida Dati erzwingt Vaterschaftstest

Ein bisschen "kompliziert" sei ihr Privatleben gewesen, hat Rachida Dati bisher gesagt, wenn es um den Vater ihrer Tochter ging. Doch nun will sie den Unternehmer Dominique Desseigne per Gerichtsbeschluss zum Gentest zwingen. Aber im französischen Recht ist das nicht so einfach.

Lange Zeit hat Rachida Dati beharrlich geschwiegen, wenn es um den Vater ihrer kleinen Tochter ging. Ihr Privatleben sei eben etwas "kompliziert", wimmelte Frankreichs einstige Justizministerin neugierige Fragen ab. Doch nun hat Dati die Strategie gewechselt. Sie will den Unternehmenschef und Multimillionär Dominique Desseigne, einen Freund von Ex-Präsident Nicolas Sarkozy, zur Anerkennung der Vaterschaft ihrer kleinen Tochter Zohra zwingen.

Die für ihren Hang zu Glamour und Luxusgarderoben bekannte Politikerin konnte nun einen ersten Erfolg verbuchen: Ein Gericht in Versailles ordnete für den früheren Liebhaber Datis einen Gentest an. Wenn das Ergebnis vorliegt, soll ein neuer Gerichtstermin anberaumt werden.

Der 68-jährige Desseigne ist Chef des Unternehmens Lucien Barrière (GLB), das 37 Casinos, 15 Luxushotels sowie fast 130 Restaurants und Bars betreibt und einen Jahresumsatz von fast 1,1 Milliarden Euro im Jahr 2011 erzielte. Das Vermögen seiner Familie wird nach Angaben des Wirtschaftsblattes Challenges auf derzeit 350 Millionen Euro geschätzt.

Der Unternehmer bestreitet entschieden, der Vater der im Januar 2009 geborenen Zohra zu sein. Zugleich lehnte er bisher einen Vaterschaftstest ab. Dazu kann der Unternehmer nach französischem Recht auch nicht gezwungen werden - ungeachtet der gerichtlichen Anordnung. Doch könnte seine Weigerung das Gericht dazu veranlassen, seine Vaterschaft als wahrscheinlich anzusehen.

Politischer Aufstieg und Fall der Rachida Dati

Dati, die vor einer Woche 47 Jahre alt wurde, war nach der Wahl Sarkozys zum Präsidenten im Mai 2007 einer der Stars im französischen Kabinett. Die aus einer nordafrikanischen Einwandererfamilie stammende Politikerin der konservativen ehemaligen Regierungspartei UMP machte sich aber schnell mit einem autoritären Führungsstil unbeliebt. Sie fiel bei Sarkozy in Ungnade und wurde auf dessen Initiative hin Mitte 2009 ins Europaparlament abgeschoben.

In der EU-Volksvertretung machte Dati vor allem durch einen Telefon-Mitschnitt von sich reden, in dem sie einer Freundin gestand, wie sehr sie sich in ihrem neuen Job langweile. Bei ihren seltenen Auftritten im Plenum sonnt sie sich im Blitzlichtgewitter der Fotografen. In den Ausschüssen, wo die eigentliche Arbeit anfällt, ist sie ihren Kollegen zufolge kaum zu sehen.

Für Heiterkeit sorgte Dati vor zwei Jahren mit einem peinlichen Lapsus: In einem Fernsehinterview zum Thema Börsenspekulanten verwechselte die Politikerin den Begriff "inflation" mit "fellation", was im Französischen Oralsex bedeutet.

Den Unternehmer Desseigne hatte Dati nach Angaben aus seinem Freundeskreis 2007 kennengelernt. Silvester des gleichen Jahres verbrachte das Paar in einem Luxushotel in Mauritius, wovon ein Paparazzi-Foto zeugt. Die Beziehung sei wenige Monate später zu Ende gegangen, erzählte ein Vertrauter des 68-Jährigen der Zeitung Le Monde. Desseigne habe der Politikerin damals eröffnet, dass er kein Kind mit ihr wolle.