Zahl der Erkrankungen steigt täglich Masern-Alarm in München

München und das Umland stehen möglicherweise vor dem Ausbruch einer Masern-Epidemie. Die Zahl der Erkrankungen steigt derzeit täglich. Vor allem jüngere Erwachsene sind betroffen - und für die sind Masern besonders gefährlich.

Von Katja Riedel

München und das Umland stehen möglicherweise vor dem Ausbruch einer Masern-Epidemie. Die Landeshauptstadt hat am Montag mit einem Rundschreiben alle Mitarbeiter im Gesundheitswesen dazu aufgerufen zu überprüfen, ob sie gegen Masern geimpft sind. Seit dem 11. April sind beim Referat für Gesundheit und Umwelt (RGU) 40 Fälle von erkrankten Menschen gemeldet worden - davon 21 allein in der vergangenen Woche.

Täglich stiegen die Zahlen, heißt es bei der Stadt. Dabei träten die Infektionen ungeordnet auf, ohne nachvollziehbaren Zusammenhang zueinander. Eine Entwicklung, die "bis in die Urlaubszeit hinein das RGU, die Ärzteschaft und insbesondere auch die Kliniken vor besondere Herausforderungen stellen dürfte", heißt es in dem Brief der Stadt. Auch Praxen sowie Schulen und Kitas sollen noch angeschrieben werden.

Obwohl Masern als Kinderkrankheit gelten, sind derzeit vor allem jüngere Erwachsene betroffen - 29 von ihnen wurden nach 1970 geboren. Es gebe in dieser Generation eine Impflücke, warnt Katrin Zettler, Sprecherin des RGU. Viele säßen dem Trugschluss auf, dass sie einen Masern-Stempel in ihrem Impfpass haben. Der Schutz bestehe aber nur, wenn er zwischendurch aufgefrischt wurde. Auch die ständige Impfkommission rät dieser Altersgruppe, sich impfen zu lassen.

Für Erwachsene ist die Krankheit besonders gefährlich. Schwere Verläufe können tödlich enden, weil sie mit Lungen- und Hirnhautentzündungen einhergehen können. "Wer Masern als harmlose Kinderkrankheit abtut, der begeht einen schweren Fehler", sagt Zettler.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO war eigentlich davon ausgegangen, dass die Krankheit bis 2010 in Europa ausgerottet sein würde. Das ist nicht gelungen, obwohl es schon seit den 1960er-Jahren Impfstoff gibt. Auch weil gerade in gebildeteren Schichten in reichen Ländern immer wieder Eltern skeptisch sind und ihre Kinder wegen möglicher Impfrisiken bewusst nicht immunisieren lassen, musste die WHO ein neues Datum anpeilen und setzt nun auf 2015. In Deutschland sind die Impfungen, anders als etwa in den USA, nicht Pflicht.

Infektion beginnt mit grippeähnlichen Symptomen

2011 waren in München schon einmal die Masern ausgebrochen und hatten sich schnell verbreitet: Von 400 Fällen bayernweit erkrankten mit 184 Betroffenen fast die Hälfte in der Landeshauptstadt - ein Großstadtphänomen, weil es hier häufige Begegnungen gibt, etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln. Ein Patient starb damals, eine Erkrankung verlief lebensbedrohlich.

Zuletzt sind Anfang des Jahres in Berlin die Masern ausgebrochen, auch hier vor allem unter jüngeren Erwachsenen. Dort spricht die Infektionsschutzbeauftragte des Senats bereits von einem "epidemischen Zustand", bis Ende April wurden 115 Ansteckungen gemeldet. Die Masern breiten sich auch deshalb so rasch aus, weil nahezu jeder Ungeimpfte sie bekommt, der einem Betroffenen begegnet. Deshalb müssen sich Kontaktpersonen ohne ausreichenden Schutz auch für 18 Tage isolieren, um das Virus nicht weiter zu verbreiten.

Gerade die Kliniken stellt das vor Probleme, so geht es aus dem Schreiben an das Gesundheitspersonal hervor: Aktuell müssen die meisten der Kranken stationär behandelt werden. Die typischen roten Pünktchen haben sie nicht gleich im Gesicht, wenn sie dort ankommen. Die Infektion beginnt mit grippeähnlichen Symptomen. Kranke wurden darum nicht sofort isoliert, manchmal haben auch nichtgeimpfte Pfleger und Krankenschwestern Infizierte betreut. Sie gelten als ansteckungsverdächtig und fallen dann mehr als zwei Wochen lang aus.

Das RGU warnt nun vor personellen Engpässen, die vermeidbar wären, gerade in der Urlaubszeit. Es komme in Kliniken "immer wieder vor, dass ein relevanter Anteil der Kontaktpersonen keinen ausreichenden Schutz" aufweise, bemängeln die städtischen Infektionsschützer.