Ökosystem Wald Von Nahrungsnetzen und nützlichen Zerstörern

Jede Klimazone ihre spezielle Waldform mit einem einzigartigen Ökosystem, in dem alles ineinander greift.

Von Ingrid Hügenell

Wälder bilden Ökosysteme, die so vielfältig sind wie ihre Erscheinungsformen als Nadelwald, Moorwald, Buchenwald oder Regenwald. Dabei gibt es im Wald beileibe nicht nur Bäume. Diese sind jedoch maßgeblich für die Bedingungen des Lebensraums: Sie bestimmen vor allem, wie viel Schatten es im Wald gibt. Je dichter die Kronen, desto weniger Licht kommt auf dem Waldboden an, umso kümmerlicher fällt die Krautschicht dort aus.

Grüne Pflanzen wie Farne bilden die Nahrungsgrundlage im Wald wie in allen anderen Ökosystemen auch.

(Foto: Johannes Simon)

Buchenwälder etwa sind eher dunkel. Welche Baumarten im Wald vorherrschen, hängt ab von den geografischen Gegebenheiten: Wie steil oder flach das Gelände beschaffen, wie nährstoffreich der Boden ist, wie viel Wasser zur Verfügung steht und wie warm es wird. So hat jede Klimazone ihre spezielle Waldform, solange der Mensch nicht eingreift. In Deutschland sind Buchenwälder typisch, in Gebirgslagen Nadelwälder mit der Tanne als Hauptbaum.

Nur in wenigen Lagen kann Wald entstehen, man sagt, sie sind primär waldfrei. Die meisten Standorte sind zu feucht (Moore) oder liegen zu hoch (Gebirge). Neben den Bäumen gibt es eine Vielzahl anderer Pflanzen in den Wäldern - Moose und Farne. Und Tiere, vom winzigen Insekt bis hin zu Raubtieren, die womöglich auch in Bayern wieder heimisch werden.

Die Bewohner von Ökosystemen kann man wissenschaftlich nach ihrer Funktion einteilen:

Erzeuger

Alles organische Material, und damit auch die Nahrung aller anderen Lebewesen, stammt von den Pflanzen, den Produzenten. Sie bilden in ihren Blättern aus Kohlendioxid und Wasser unter der Einwirkung von Sonnenlicht Zucker. Dieser Vorgang, die Photosynthese, bildet die Grundlage allen Lebens auf der Erde. Nur in der Tiefsee gibt es Lebensgemeinschaften, die vom Sonnenlicht unabhängig sind. Vom kleinsten Moos bis zur höchsten Tanne läuft dieser Prozess in allen Pflanzen ab. Aus dem Zucker bauen sie auch Eiweiße und Fette auf - die drei Grundbausteine der Nahrung. Dazu brauchen sie unter anderem Eisen, Stickstoff, Kupfer, Kalzium und weitere Spurenelemente. Und als Abfallprodukt entsteht bei der Photosynthese ein Zellgift, ohne das wir Menschen nicht leben könnten, weil es den Teil der Luft bildet, den wir atmen: der Sauerstoff.

Verbraucher

Was die Pflanzen an Nahrung bereitstellen, in Form von Blättern, Wurzeln und vor allem auch Samen, wird von Tieren und Menschen verzehrt. Die Konsumenten, Käfer und Blattläuse, Asseln und Raupen, Mäuse, Hasen,Rehe, Meisen, Finken oder auch Eichelhäher ernähren sich im Wald von ihnen. Tiere, die Früchte fressen, tragen zur Verbreitung der Pflanzen bei. Viele Tiere lieben Mischkost, fressen also Pflanzen und beispielsweise Insekten oder Eier.

Die meisten kleinen Tiere sind ihrerseits Beute größerer Tiere - im Wald von Vögeln wie dem Specht oder der Eule, Wieseln, Baummardern oder Füchsen. So entstehen Nahrungsnetze. Raubtiere sind wichtiger Bestandteil aller Ökosysteme: Sie verhindern, dass sich Pflanzenfresser so stark vermehren können, dass sie alles kahlfressen. Es gibt Untersuchungen, die zeigen, dass der Wald verschwindet, wenn große Räuber wie Wölfe fehlen und sich Hirsche und Rehe ungehindert vermehren können. In Deutschland haben die Jäger zumindest teilweise die Aufgabe der Wölfe übernommen.

Zersetzer und Mineralisierer

Diese Lebewesen sind viel besser als ihr destruktiv anmutender Name vermuten lässt. Sie fungieren zugleich als Müllabfuhr wie auch als Wertstoff-Recycler. Ohne die Destruenten und Reduzenten, wie sie auch genannt werden, würde jeder umgefallene Baum, jede Tierleiche, einfach liegenbleiben. Die Destruenten besiedeln die toten Körper, lösen sie auf, spalten sogar das harte Holz riesiger Bäume auf in seine Bestandteile und setzen so alle dort gebundenen wichtigen Nährstoffe wieder frei, ohne die keine Pflanze wachsen könnte. Zu den wichtigsten Reduzenten gehören die Pilze, die inzwischen von den Biologen in ein eigenes Reich verwiesen wurden und nicht mehr zu den Pflanzen gezählt werden, weil sie keine Photosynthese können.

Andere sind Regenwürmer, Mistkäfer, Schlupfwespen oder Springschwänze. Die meisten Baumarten leben in enger Symbiose mit bestimmten Pilzarten. Baumwurzel und Pilz bilden zusammen die Mykorrhiza, ein weit verzweigtes, unterirdisches System, durch das die Bäume Wasser und Nährstoffe aufnehmen. Ohne Mykorrhiza sind Bäume kaum lebensfähig. Und die Pilze profitieren, indem sie wichtige Nährstoffe vom Baum bekommen.