Kommentar Verfänglicher Applaus

Die CSU hat sich mit ihrer Reaktion auf die Rede des Dominikanerpaters Wolfgang Spindler keinen Gefallen getan.

Von Thekla Krausseneck

Es gibt Momente, in denen man einfach aufstehen und den Saal verlassen will, aus Protest. So wie auf dem politischen Aschermittwoch der Geretsrieder CSU. Unfassbar, einfach nicht zu begreifen: Da steht allen Ernstes oben auf dem Rednerpult ein Mann und fragt, ob wir denn nach der Homosexualität als nächstes die Sodomie anerkennen werden. Und keiner protestiert. Im Gegenteil, die CSU applaudiert.

Natürlich muss das nicht heißen, dass sie alle dem Pater Wolfgang Spindler zustimmten. Es könnte sein, dass sich manche dachten: Nein, Emanzipation ist mit Sicherheit nichts, was man den Frauen eingeredet hat. Nein, Mindestlöhne grenzen nicht die Schwächsten aus dem Erwerbsleben aus. Nein, wir als CSU sollten uns nicht nur auf den Mittelstand konzentrieren. Und vor allem: Doch, bei Homosexualität geht es um Gleichberechtigung und Gleichstellung, und nicht um Umerziehung und Auflösung "bipolarer Geschlechterverhältnisse", wie Spindler es nannte. Wenn sie aber nicht zustimmten, warum haben sie dann nicht den Mund aufgemacht? Die Rede ist von wohlbekannten Personen im Kreis der Zuhörer: von der Landratskandidatin Sabine Lorenz; vom Geretsrieder Bürgermeisterkandidaten Michael Müller; und vom Wolfratshauser Bürgermeisterkandidaten Peter Plößl, der ebenfalls zugegen war. Die Rede ist auch von den Stadtratskandidaten der CSU. Sie alle hoffen, am 16. März gewählt zu werden. Und keiner von ihnen hat dem Pater widersprochen. Somit bleibt leider nur die Schlussfolgerung, dass sie mit ihm einer Meinung waren. Die dringend benötigte Diskussion blieb am Ende aus.

Eine mündige Gesellschaft hat keinen Bedarf an Mandatsträgern, die glauben, es gebe "eine Inflation der Menschenrechte". Sie braucht dringend Menschen, die aufstehen und widersprechen können. Die CSU hat demonstriert, dass sie dies offenbar nicht zu bieten hat.