Farchet Welpe frisst vergiftete Wurst

Bereits zum dritten Mal wird ein Hund vergiftet. Polizei und Stadt sehen sich machtlos. Nun werden die Tierhalter selbst aktiv.

Von Birgit Lotze

Wieder sind vergiftete Hundeköder in Farchet ausgelegt worden. Bereits am Samstag hat ein Berner-Senn-Welpe ein Stück grober Jagdwurst mit bläulicher Färbung, bestreut mit einem weißlichen Pulver, auf der Rasenfläche gegenüber dem Lidl-Parkplatz gefunden und gefressen. Dem Welpen musste der Magen ausgepumpt werden. Inzwischen ist er offenbar wieder wohlauf.

Dies ist heuer der dritte Fall dieser Art. Im Januar und im Mai hatten Hundebesitzer nach dem Gassigehen im Bereich der Margeritenstraße und der Kräuterstraße ihre Tiere wegen Vergiftungserscheinungen ärztlich versorgen lassen müssen. Rund um das Sportzentrum sind in den vergangenen zwei Jahren immer wieder Wurststücke gefunden worden, meist mit Tabletten gespickt.

Die drei Hunde, die heuer von den Ködern gefressen haben, überlebten die Vergiftungen. Weniger Glück hatten andere Tiere im vorigen Jahr: Im Mai waren zwei Katzen durch Köder in der Edelweißstraße ums Leben gekommen und ein Hund mit Vergiftungserscheinungen im Tannenweg verendet. In der Edelweiß- und in der Schlesierstraße wurden mehrere vergiftete Raben gefunden.

Die Polizei sieht sich derzeit nicht in der Lage, etwas gegen die mögliche Vergiftung der Tiere zu unternehmen. "Wir sind schlichtweg hilflos", sagte Werner Resenberger, Leiter der Polizeidienststelle Wolfratshausen. Die Polizei halte "Augen und Ohren offen". Doch sie habe keine Anhaltspunkte und sei auf die Unterstützung und Mitwirkung der Bürger angewiesen. "Sie sollen jede noch so verdächtige Kleinigkeit melden."

Die Tierhalter monieren die "Trägheit" der Polizei und ergreifen nun selbst die Initiative. Eine Anliegerin hat hundert Euro ausgelobt für Hinweise, die dazu führen, dass dem Tierhasser das Handwerk gelegt wird. "Das geht einfach schon zu lange so", sagt sie. Viele der Hundebesitzer, die um das Isar-Loisach-Stadion mit ihren Tieren Gassi gehen, seien angesichts der Reaktionen der Behörden besorgt, teils erregt.

Ob die Beamten nach dem Fund eines Giftköders die Gegend nach weiteren Beweisstücken durchkämmen, wollte Resenberger nicht sagen. Dies falle unter "taktische Maßnahmen", die nicht offengelegt würden.

Auch die Stadt, die sich bekanntlich sehr gegen Vandalismus in ihrem Gebiet eingesetzt hat, sieht sich nicht imstande, etwas gegen das Auslegen des Gifts zu tun. Es gebe in der Stadt Brennpunkte, wo die Anwesenheit eines Sicherheitsdiensts oder auch der gelegentliche Besuch einer Streife vielleicht eine Wirkung erzielen könnte, sagt Franz Gehring, Leiter des Amts für Bürger und Verwaltung. Wer Hunde vergifte, sei "nicht greifbar". Es sei kaum zu erkennen, wenn jemand einen Köder auslege. "Wir können ja nicht ständig hinterherspringen, wenn jemand etwas wegwirft."

Das Landeskriminalamt hat inzwischen ein Beweisstück analysiert, das die Polizei im Mai vergangenen Jahres eingeschickt hatte. Bei den Tabletten soll es sich um für Hunde nicht lebensbedrohliche Medikamente handeln. Die Analyse eines Fundstücks vom vergangenen Januar steht noch aus. "Doch egal, wie sie ausgeht", sagt Dienststellenleiter Resenberger, "ich gehe davon aus, dass das immer der Gleiche ist."