Ergebnis des zweiten Runden Tisches  S 7-Gleistunnel wird möglich

Es geht ohne Schranke: Die heiß diskutierte Verlängerung der S 7 bis Geretsried könnte in einer für Wolfratshausen verträglichen Lösung kommen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Wenn Geretsried, Wolfratshausen und der Landkreis gemeinsam 20 Millionen aufbringen, kann die Sauerlacher Straße unterquert werden. Für den Rest kommen Bund, Bahn und Freistaat auf.

Von Matthias Köpf, Wolfratshausen/Geretsried

Wenn Wolfratshausen, Geretsried und der Landkreis gemeinsam gut 20 Millionen Euro aufbringen, dann wird es eine S 7-Verlängerung nach Geretsried mit einem Gleistunnel in Wolfratshausen geben. Dies ist das Ergebnis des zweiten runden Tischs, zu dem Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) für Mittwochabend nach München geladen hatte. Die beiden Städte und der Kreis müssen sich nun über die Aufteilung dieser Mehrkosten einig werden, ehe der Freistaat und die Deutsche Bahn das Projekt weiter vorantreiben.

Die Mehrkosten für den Gleistunnel unter der Sauerlacher Straße, wie er in Wolfratshausen seit langem ultimativ gefordert wird, beziffern die Planer auf 44 Millionen Euro. Der Bund, der Freistaat und die Bahn haben zugesagt, davon insgesamt 27 Millionen zu gleichen Teilen zu übernehmen. Auf den Kreis und die beiden Städte entfallen damit Kosten von zusammen 17 Millionen - gerechnet jeweils nach den Baupreisen aus dem Jahr 2009, mit denen auch schon die bisherigen 123 Millionen Euro für eine Verlängerung mit beschranktem Bahnübergang kalkuliert sind. Bei einer vorsichtig angesetzten Preissteigerung von 2,5 Prozent pro Jahr liegt der tatsächliche kommunale Anteil statt bei 17 Millionen schon jetzt bei 19,7 Millionen. Vor 2020 wird dieser Beitrag aber kaum fällig werden; dann wären es bei anhaltender Teuerung schon 22,3 Millionen.

Billig-Lösung scheidet aus Der S 7-Tunnel unter der Sauerlacher Straße, wie er am runden Tisch vorgestellt wurde, ähnelt einer ersten Lösung der Bahn aus dem Jahr 2007. Vor allem soll er zweigleisig sein, was die Bahn für unbedingt nötig erachtet, damit zwei Gegenzüge in Wolfratshausen aneinander vorbeifahren können. Anders ließen sich demnach der 20-Minuten-Takt für die S 7 und das gesamte großräumigere Fahrplankonzept nicht halten. Einen eingleisigen und so um etwa zehn Millionen Euro billigeren Tunnel, wie ihn der Wolfratshauser Hans Gärtner vorgeschlagen hat, haben die Bahn-Planer daher bei aller Wertschätzung für Gärtners Arbeit verworfen. Geprüft wurde abermals auch eine Tieferlegung der Straße unter die Gleise für rund 27 Millionen Euro. Allerdings müsste dazu viel Grund gekauft oder enteignet werden, drei Privathäuser müssten abgerissen werden, die Sauerlacher Straße wäre zwei Jahre lang blockiert. Zwei Fuß- und Radwegtunnel unter der Straße und den Gleisen für rund 2,6 Millionen Euro wären wegen der nötigen Rampen demnach nicht einmal für Radler gut benutzbar. Vor allem aber lösten sie das zentrale Kreuzungsproblem von Straße und Schiene nicht waren daher ebenfalls schnell vom Tisch. Beim nun geplanten Tunnel, der von Norden her etwa an der Unterführung des Mühlpointwegs beginnen und jenseits der Königsdorfer Straße wieder an die Oberfläche führen würde, bleibt jedoch auch ein Bahnübergang bestehen, denn das existierende Industriegleis soll auf dem neuen Tunnel verlaufen. Den Erhalt des Gleises hat sich Geretsried im Interesse zweier großer Firmen ausbedungen, die ihre Transporte für eine kürzere Bauphase auf die Straße verlegen könnten. Trotz dieses weiterhin oberirdischen Schienenstrangs bietet der Tunnel städtebauliche Chancen. Der jetzige Bahnhof würde als solcher nicht mehr gebraucht, weil der neue, 210 Meter lange Mittelbahnsteig zwischen den Gleisen erst südlich der Sauerlacher in Richtung Königsdorfer Straße im Untergrund liegen soll. Weil der Bahnhof während des Baus lange nutzbar bleibt, verkürzt sich die Phase mit Schienenersatzverkehr. Entscheiden sich die Städte und der Kreis wie vom Innenminister gewünscht bis Juli für diese Lösung, könnte sie dann als Änderung ins Planfeststellungsverfahren eingehen. Die Pläne müssten neu ausgelegt, Stellungnahmen eingeholt, Einwände geprüft werden. Wenn all dies nur für den neu geplanten Abschnitt nötig wird, rechnen die Planer dafür mit rund zwei Jahren bis zur Baugenehmigung "Dieser Zeitverzug relativiert sich aber, wenn die von allen Seiten gewollte Lösung zeitintensive Auseinandersetzungen vermeidet", heißt es vom Ministerium. kpf

Für dieses Geld gäbe es "die verträglichste Lösung für Wolfratshausen", wie Bürgermeister Klaus Heilinglechner (BVW) am Donnerstag bei einer Pressekonferenz im Geretsrieder Rathaus betonte. Sie werde für die Stadt nicht nur Nachteile vermeiden, sondern etwa beim Autoverkehr und beim Lärmschutz große Vorteile bringen. Er sei felsenfest davon überzeugt, dass dies der richtige Weg sei.

Ohne eine solche Tieferlegung der Gleise hätte eine überdeutliche Mehrheit in Wolfratshausen die S 7-Verlängerung bis Geretsried lieber ganz verhindert, weshalb sich auch der Geretsrieder Bürgermeister Michael Müller (CSU), Landrat Josef Niedermaier (FW) und der Landtagsabgeordnete Martin Bachhuber (CSU) froh über das Ergebnis des runden Tischs zeigten. Zugleich betonten alle vier Politiker, dass es nun an ihnen und an den Stadt- und Kreisräten sei, das Geld für die Lösung aufzubringen. Niedermaier kündigte die baldige Gründung eine Arbeitsgruppe zur Kostenaufteilung an. Hat sie ihren Vorschlag vorgelegt, soll es möglichst noch vor den Sommerferien zu einer gemeinsamen öffentlichen Sitzung beider Stadträte und des Kreistags in der Wolfratshauser Loisachhalle kommen. Endgültig abstimmen sollen danach aber alle Gremien separat.

Sie stellten das Ergebnis des zweiten Runden Tisches vor: Martin Bachhuber, Josef Niedermaier, Michael Müller und Klaus Heilinglechner.

(Foto: Hartmut Pöstges)

"Das wichtigste ist jetzt, dass sich die Region entscheidet", formulierte Bachhuber den Auftrag für die kommenden Monate. Der politische Wille sei jedenfalls da, woran die vier Politiker zumindest für sich selbst keinen Zweifel ließen. "Es ist jetzt unsere Aufgabe, das zu stemmen", bekräftigte der Landrat. Die nötige Summe sei zwar hoch, aber ein sinnvolle Investition in die Infrastruktur und damit in die Wirtschaftskraft des gesamten Region, vor der indirekt auch die Kommunen im Südlandkreis sehr profitierten. Ihm sei "aber heute schon bewusst, dass wir da noch viel diskutieren müssen", sagte Niedermaier. Der Geretsrieder Bürgermeister Müller will das in seiner Stadt "in aller Nüchternheit und Sachlichkeit" tun. Auch er sieht das Projekt auf einem guten Weg, auf dem man nun "viele Schritte vorangekommen" sei.