Winterspiele 2022 München nimmt Anlauf für Olympia

Es wird ernst mit einer erneuten Bewerbung Münchens für Olympia: CSU-Politiker Mario Schmidbauer will per Bürgerbegehren erzwingen, dass die Stadt sich für die Winterspiele 2022 bewirbt. Nun ist auch klar: Die Bewerbungsfristen des IOC sind knapper als erwartet.

Von Silke Lode und Christian Mayer

Die Olympischen Winterspiele 2022 in der Landeshauptstadt, fünfzig Jahre nach den Münchner Sommerspielen von 1972 - bisher war das eine Vision, die von Politikern in Stadt und Freistaat eher halbherzig verfolgt wurde. Doch nun kommt wieder Bewegung in die Sache: CSU-Stadtrat Mario Schmidbauer will ein Bürgerbegehren für eine Bewerbung starten. Mit dieser Initiative möchte Schmidbauer die Stadt zwingen, es nach der gescheiterter Bewerbung um die Winterspiele 2018 noch einmal zu versuchen. "Es geht da ja auch um Fristen, die eingehalten werden müssen", sagt Schmidbauer.

Seit Dienstag ist klar, dass diese Fristen noch knapper als erwartet ausfallen. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hat den 14. November 2013 als Stichtag festgelegt, bis zu dem die nationalen Verbände - in Deutschland der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) - eine Stadt als Ausrichter für die Winterspiele 2022 vorschlagen müssen. Den Gastgeber legt dann das IOC in einem aufwendigen Verfahren fest. Über eine Bewerbung Münchens will der DOSB allerdings erst nach den Landtags- und Bundestagswahlen im Herbst 2013 entscheiden. Bis dahin steht auch fest, wo die Sommerspiele 2020 stattfinden und wer der neue IOC-Präsident ist. Sollte DOSB-Präsident Thomas Bach das Rennen machen, darf Deutschland sich kaum Hoffnungen machen, bald auch Olympische Spiele auszurichten.

Zudem haben DOSB, Bund, Freistaat und Stadt vereinbart, dass eine erneute Bewerbung von München und Garmisch-Partenkirchen nur in Frage kommt, wenn in beiden Kommunen die Bürger zustimmen. Da dafür im Herbst 2013 kaum noch Zeit wäre, hält Mario Schmidbauer es für zwingend erforderlich, möglichst rasch aktiv zu werden, um die Bürger für die Idee zu mobilisieren. In der kommenden Woche will Schmidbauer die Unterstützer des Bürgerbegehrens vorstellen, darunter auch "Sportvereine und Leute aus der Industrie". Es handele sich ausdrücklich nicht um ein CSU-Begehren, vielmehr hofft Schmidbauer auf ein breites Bündnis. Jetzt komme es darauf an, möglichst viele Münchner für die Olympia-Idee zu begeistern, um die notwendigen 34.000 Unterschriften bis Januar 2013 zu sammeln.

Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) ist von Schmidbauers Initiative alles andere als begeistert. "Ein Bürgerbegehren zum jetzigen Zeitpunkt würde überhaupt nichts positiv bewirken, aber sehr wohl Schaden stiften", meint Ude. Laut Ude steht eine Unterstützung durch die Sportverbände nach wie vor nicht fest. Er geht deshalb davon aus, dass in der Bevölkerung "Skepsis und Ablehnung stärker ausgeprägt sind, als wenn zu einem späteren Zeitpunkt eine aussichtsreiche Initiative des deutschen Sports zur Abstimmung gestellt werden kann". Schmidbauer warf er indirekt Wichtigtuerei vor. Auch die Grünen sehen den Vorstoß skeptisch. Stadtrat Boris Schwartz, der die Münchner Bewerbung für die Winterspiele 2018 mit geplant hat, kritisiert, dass den Bürgern vorgegaukelt werde, ihre Meinung zähle. "Dabei hängt es von den Sportfunktionären ab", sagt Schwartz.

Einen Bürgerentscheid im Herbst 2013 hält auch er technisch kaum für machbar, doch er zieht einen anderen Schluss als Schmidbauer: "Zunächst muss ein Signal vom DOSB kommen." Grünen-Fraktionschefin Gülseren Demirel sieht die Sache noch grundsätzlicher: "Wir wollen keine weitere Olympia-Bewerbung."

Mit seiner eigenen Fraktion hat Schmidbauer das Bürgerbegehren nicht abgesprochen, auf seiner Internetseite "München Pro 2022" sind auch keine weiteren CSU-Politiker als Unterstützer aufgeführt. Fraktionschef Josef Schmid sagte, nach Bekanntwerden des Bewerbungsschlusses erwäge er, erneut ein Ratsbegehren zu beantragen. Damit war die CSU zuletzt Ende Juli im Stadtrat gescheitert.