Abriss der Buden am Wiener Platz Aufstand der Marktleute

Die Buden am Wiener Platz erfüllen nicht die Anforderungen der EU an Hygiene- und Brandschutz, Arbeits- und Gesundheitsvorschriften.

(Foto: Robert Haas)
  • Die Marktstände am Wiener Platz sollen abgerissen und durch Neubauten ersetzt werden.
  • Bislang war nur bekannt, dass die Stände saniert werden müssen. Sie sind zu klein und entsprechen nicht mehr den heutigen Vorschriften.
  • Die Marktleute sind der Stadt und den Plänen gegenüber skeptisch.
Von Franziska Gerlach und Andreas Schubert

Sabine Grede holt einmal tief Luft, ehe es aus ihr herausplatzt: "Uns hat man total übergangen." Grund für ihren Ärger: Ihr Stand am Wiener Platz soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden - wie auch die acht anderen Stände dort. Das sei den Händlern Anfang Mai in einem "angeblichen Workshop" mitgeteilt worden, sagte sie am Mittwochabend im Bezirksausschuss Au-Haidhausen.

Bürger fürchten ums Flair der Standl

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Grede war in die Sitzung gekommen, damit die Stadtteilpolitiker die Händler unterstützen im Kampf um den Erhalt der Marktstände. "Wir Händler sind gegen den Abriss und für eine Sanierung", sagt sie. Um das zu erreichen, haben sie außerdem eine Petition initiiert - in nur anderthalb Wochen hätten mehr als 600 Leute unterschrieben.

Buden entsprechen nicht mehr den Vorschriften

Der Markt am Wiener Platz gehört zu den Markthallen München, einem städtischen Eigenbetrieb. Dass die Buden saniert werden müssen, ergab bereits vor gut vier Jahren eine Untersuchung des TÜV Rheinland. Aber Abriss? "Ja", sagt Bernd Plank, Sprecher des Kommunalreferenten. "Eine Sanierung ist nicht zielführend." Die Buden am Wiener Platz erfüllten nicht mehr die von der EU vorgegeben Anforderungen an Hygiene- und Brandschutz sowie Arbeits- und Gesundheitsvorschriften. Außerdem seien die in den Nachkriegsjahren entstandenen Häuser zu klein. Ein großes Problem stellt auch der Müll dar, davon berichtet auch Grede. "Das wäre aber nicht so, wenn die Müllabfuhr einmal mehr pro Woche kommen würde", sagt sie. Gerade im Sommer sei der überlaufende Müllcontainer ein Problem - "das zieht die Ratten an."

Dass Handlungsbedarf besteht, sehen die Händler durchaus ein. Sie befürchten allerdings Einbußen während der Umbauarbeiten und dass bei größeren Neubauten kein Platz mehr für Freischankflächen bleibt, wie zum Beispiel direkt hinter dem Fisch-Häusl, wo viele Münchner gerne ihre Brotzeit- und Mittagspause verbringen. Und besonders die Haidhauser befürchteten, dass der Wiener Platz sein Flair verliert, sagt Grede. "Der Markt wird angenommen wie nie." Die gesammelten Unterschriften geben ihr Recht. Adelheid Dietz-Will, die Vorsitzende des Bezirksausschusses Au-Haidhausen, hat mit drei weiteren BA-Mitgliedern an dem Workshop teilgenommen. Dass sich Händler übervorteilt fühlen, kann sie nachvollziehen. "Das war kein Workshop, das war eine reine Präsentation", sagte die SPD-Politikerin in der Sitzung.

Skepsis der Marktleute

Vorgestellt worden sei eine kreisförmige Anordnung der Stände, die nicht nur die Händler vom Platz abgrenzen, sondern ihn auch "völlig verfremden" würde. Sie ärgere sich darüber, dass in der Vergangenheit immer von Sanierung die Rede gewesen sei, und auf einmal heiße es, die Stände müssten abgerissen werden. Der Bezirksausschuss will sich für den Erhalt der Hütten einsetzen und pocht auf Mitbestimmung. "Ein Konzept, das nicht mit uns abgestimmt wurde, sollten wir nicht akzeptieren", sagte Werner Walter (Grüne).

Kommunalreferats-Sprecher Plank hingegen weist den Vorwurf zurück, man habe die Händler nicht eingebunden. Er räumt aber ein, dass man bei "anderthalb Stunden" nicht von einem richtigen Workshop sprechen könne - "das sehen wir genauso." Man wolle sich demnächst noch einmal mit Architekten und Händlern zusammensetzen und diskutieren. Was die Marktleute seinerzeit gesehen hätten, sei eine Machbarkeitsstudie gewesen, in die auch die Bedürfnisse der Händler eingeflossen seien. "Das waren keine konkrete Planung oder ein Entwurf, sondern schematische Zeichnungen." Im Übrigen sollten auf dem Markt keine "modernen Bauten" errichtet werden. Womöglich sähen die neuen Stände sogar recht ähnlich aus wie heute, nur größer.

Am Wiener Platz herrscht Skepsis: Marion Faass, Betreiberin des Standes "Wein trifft Schokolade", hält von den Neubauplänen überhaupt nichts. Erst vor sechs Jahren hat sie in Eigenregie und vor allem auf eigene Kosten eine völlig heruntergekommene Bude renoviert und unter anderem eine neue Heizung und Elektrik installieren lassen. Dass die alten Stände weichen sollen und die Marktleute so überrumpelt werden, ist für sie, wie sie sagt, "eine bodenlose Sauerei".