Ein neidischer Angestellter entdeckt das Geheimnis seines Vorgesetzen. Auf einer Betriebsfeier kommt es zur Katastrophe. Davon erzählt der Siegertext von Andreas Kurz, den Sie hier lesen können.
Ein neidischer Angestellter entdeckt das Geheimnis seines Vorgesetzen. Auf einer Betriebsfeier kommt es zur Katastrophe. Davon erzählt der Siegertext Grünwald des Münchner Autors Andreas Kurz, dem Gewinner des Kurzgeschichten-Wettbewerbs im Postpalast.
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In einer solchen Villa mit Garten könnte der Chef aus der Geschichte von Andreas Kurz leben. (© Foto: Robert Haas)
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Ich suchte das Klo. In diesen Angebervillen mit ihren hundert Türen kann das manchmal dauern. Hinter einer Tür, in der ein Schlüssel steckte, führte eine Treppe in den Keller. Wütend wollte ich sie wieder schließen, doch ein fremdartiges Geräusch weckte meine Neugierde. Es summte sehr hell und intensiv, aber das war keine Waschmaschine oder der Tiefkühlschrank, das war etwas ganz anderes. Neugierig geworden ging die Treppe runter.
So stand ich plötzlich vor dem Kasten und obwohl ich so ein schwarzglänzendes Ding noch niemals in echt gesehen hatte, wusste ich sofort, was es war. Eine Nirwana 3.0 mit Turbokühlung. Solche Dinger sah man sonst höchstens mal in ner Illustrierten. Sie kosten mehr als ein Vermögen, es sind hochkomplexe Einzelanfertigungen, die auf die individuellen Vorlieben ihres Besitzers maßgeschneidert werden. Der Raum war sehr stickig, obwohl mächtige, silbrig glänzende Kühlrohre für Durchzug sorgten.
Ehrfürchtig legte ich meine Hand auf die äußere Chromblende. Eine sehr starke Vibration übertrug sich auf mich, Wärme flutete durch den Arm in meinen Körper, es kribbelte wie tausend fleißige Ameisen. Ich fühlte Rührung in mir, tiefe Ergriffenheit, der Anblick dieser Maschine war überwältigend. Auf dem bläulich leuchtenden Monitor an seiner Rückseite schimmerten die Grundeinstellungen und gewählten Parameter. Ein Name leuchtete hervor, Söderbohm. Der ganze Apparat widmete all seine gewaltigen Terawatt einzig und allein dieser Sippschaft.
Als ich wieder raus in den Garten kam, tanzte meine Frau gerade mit Kraftvogel vom Controlling. Ihrem leeren Grinsen nach zu schließen, hatte sie schon ziemlich einen sitzen.
"Muss dir was sagen", raunzte ich ihr zu.
"Kann das nicht warten?"
Ich schüttelte den Kopf und ließ mir von einem dieser livrierten Sackgesichter vom Partyservice ein Bier geben. Damit setzte ich mich abseits auf eine Bank. Anders als sie, fühlte ich mich hier nicht wohl.
"Himmel, was ist denn schon wieder?", fuhr sie mich an, als sie es in ihren hochhackigen Schuhen endlich zu mir geschafft hatte, ohne hinzufallen.
"Hab gerade was entdeckt", tat ich geheimnisvoll.
Sie ließ sich neben mich auf die Bank fallen, schüttelte sich die Schuhe von den Füßen und massierte sich die Fußsohlen.
"Und was? Den Porsche in der Garage?"
"Ich weiß jetzt, wie Söderbohm es macht."
Söderbohm war unser Chef und wir saßen in seinem königlichen Protzgarten am Isarhochufer in Grünwald auf dem jährlichen Mitarbeiterfest.
"Was macht?", fauchte sie mich an.
"Dass er so gut ankommt. Dass ihn alle lieben. Dass ihm alles gelingt im Leben und ihm alle Sympathien zufliegen."
Tinchen verkniff den Mund, als würde sie sich vor was ekeln. "Dein Neid wird dich noch mal auffressen, wirst sehen."
"Ich bin nicht neidig, das ist es nicht."
"Natürlich nicht ..." Sie tätschelte mitleidig meinen Arm. "Ich geh wieder tanzen."
"Warte doch mal, das ist nicht nur Gerede jetzt ..."
Ich hielt sie am Handgelenk fest, und sie riss sich los. Mit dem Finger deutete sie auf mich.
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