Weitere Briefe Geburtshilfe in Not und Dobrindts Desaster

Schamlos statt menschlich

Unsere sich gerade neu formierende Regierung ist jetzt in der Pflicht, die immer schlechtere Versorgung rund um die Geburt zu beenden ("Ganz andere Umstände", 20. September). Von Quartal zu Quartal werden sie zahlreicher, die Berichte von Eltern, die unter der Geburt am Kreißsaal abgewiesen wurden, von abenteuerlichen Verlegungen im Krankenwagen oder im eigenen Auto, von total überlasteten Kreißsälen, von Wöchnerinnen ohne Wochenbetthebamme, von Babys ohne medizinische Betreuung nach Entlassung aus dem Krankenhaus.

Die Ausstattung und die Personalschlüssel der Kliniken sind fatalerweise an die Krankenhausbetreiber abgegeben worden. Und die wollen Geld verdienen, eben auch mit der Geburtshilfe. Da werden dann Geburten wie am Fließband abgefertigt, die Kaiserschnitte - mit denen lässt sich noch Geld verdienen - werden immer mehr. In Bayern wird jedes dritte Kind in die Welt hineinoperiert. Und wenn es denn eine normale Geburt sein soll, dann bitte möglichst schnell und mit wenig Personal.

Wo bleibt der politische Wille, den jungen Familien beizustehen? Können wir es uns wirklich nicht leisten, eine einigermaßen anständige Geburtshilfe bereitzuhalten? Auch auf dem Land und nah bei den Familien? Armes Deutschland, wenn das so weitergeht. Unsere Nachbarn in der Schweiz, Holland, Schweden, Dänemark, England, machen uns schon lange vor, wie unseren Problemen beizukommen ist.

Die Ökonomisierung des Gesundheitswesens wird schamlos fortgesetzt, wehe dem, der krank, alt, oder unter der Geburt ist. Claudia Lowitz, Hebamme, München

Dobrindts Katastrophen

Alexander Dobrindt entwickelt sich immer mehr zum Master of Desaster ("Kostenexplosion beim A94-Bau" vom 14. September). Obwohl aktuell zwei Autobahnprojekte, die in öffentlich-privater Partnerschaft gebaut werden beziehungsweise wurden, in großen finanziellen Schwierigkeiten sind, trommelt er weiter für diese Form der Finanzierung.

In der Dieselaffäre stellt er sich klar auf die Seite der Industrie - und damit gegen die betrogenen Kunden. Das Mautunternehmen "Toll collect" erhält seit 2016 zu viel Geld, weil schlampig verhandelt wurde.

Bleibt nur zu hoffen, dass der nächste Verkehrsminister nicht wieder eine bayrische Nulllösung wird. Fritz Winkelbauer, Stadtbergen