Unmut im Erzbistum München-Freising Priester drängen Kardinal Marx zu mehr Dialog

"Wir machen uns Sorgen um die Situation in unserer Kirche": 24 Seelsorger kritisieren offen die Kommunikation im Erzbistum München-Freising. Ihre Erklärung richtet sich vor allem gegen Erzbischof Reinhard Marx.

Von Christian Krügel

24 Geistliche fordern den Münchner Erzbischof Reinhard Marx zu mehr Dialog auf.

(Foto: dpa)

Erstmals haben sich Pfarrer im Erzbistum München und Freising zusammengetan, um Kritik an Kardinal Reinhard Marx und der Bistumsleitung zu üben. 24 Seelsorger schlossen sich dafür in einem "Münchner Kreis" zusammen. "Wir machen uns Sorgen um die Situation in unserer Kirche, insbesondere auch in der Erzdiözese", heißt es in einer Erklärung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde. Darin fordern die Unterzeichner einen offeneren Dialog und die Weiterarbeit an Empfehlungen des Diözesanrats für eine zukunftsfähige Kirche.

Zu den Mitgliedern des "Münchner Kreises" gehören mehrere Pfarrer im Ruhestand und Diakone, aber auch prominente Geistliche aus der ganzen Region. Unter anderem unterschrieben Rainer Schiessler, Pfarrer von St. Maximilian und Heilig Geist, und der Fürstenfeldbrucker Dekan Albert Bauernfeind. Als Kontaktmann fungiert Christoph Nobs, Leiter des Pfarrverbands "Vier Brunnen" mit Sitz in Ottobrunn.

Nach Informationen der SZ arbeiteten die Geistlichen bereits seit mehreren Wochen an der Erklärung, die jetzt bewusst eine Woche vor dem 50. Jahrestag der Eröffnung des Zweiten Vatikanischen Konzils veröffentlicht wurde. "Angesichts eines nicht zu übersehenden wachsenden Klerikalismus" sei es notwendig, dass die Gläubigen als "Volk Gottes weiterhin in die Überlegungen um eine menschennahe seelsorgerliche Praxis einbezogen" werden, heißt es in der Erklärung.

Konkret fordern sie, dass die Bistumsleitung die 61 Empfehlungen weiter verfolge, die ein Zukunftsforum des Diözesanrats erarbeitet hat. Darunter waren auch Forderungen nach einer stärkeren Rolle von Frauen in der Kirche und mehr Rechte für Laien.

Kardinal Marx und seine Bischöfe hatten im vergangenen Jahr angekündigt, dass zunächst nur drei Themen aufgegriffen werden sollten, darunter der Umgang mit Wiederverheirateten und Geschiedenen. "Wir sind der Meinung, dass viele dieser Empfehlungen nicht nur durch die Antwort des Herrn Kardinal Bedeutung bekommen sollen", schreiben die 24 Geistlichen.

Christoph Nobs sieht den "Münchner Kreis" auch als Reaktion auf die Reforminitiativen von Geistlichen in ganz Deutschland und Österreich. "Uns stellte sich die Frage, ob München-Freising da einfach schweigen kann", sagte er der SZ. Hauptanliegen sei, "dass die Ergebnisse des Dialogprozesses nicht einfach in der Schublade verschwinden", sagt Dekan Albert Bauernfeind. Aus den Ergebnissen seien viel zu wenig Konsequenzen gezogen worden.

Zudem treibe den "Münchner Kreis" die Situation der Priester um. "Viele sind angeschlagen, frustriert und haben resigniert, weil das nicht mehr die Kirche des Konzils ist", so Christoph Nobs. Der Verweis auf das Kirchenrecht ersetze oft den echten Dialog. Dekan Bauernfeind betont, dass die Erklärung "kein Aufruf zum Ungehorsam" sei: "Wir wollen den Diözesanrat und andere Gruppen dazu aufrufen, den beschrittenen Weg mutig fortzusetzen."

Das Erzbischöfliche Ordinariat reagierte zurückhaltend auf die Erklärung. Pressesprecher Bernhard Kellner verwies darauf, dass der Kardinal drei Themen des Zukunftsforums aufgegriffen habe, die nun in Arbeitskreisen weiterentwickelt würden. Außerdem gebe es zahlreiche Gesprächsangebote bei Priestertagen und Dekankonferenzen. "Die Türen sind weit offen, wir sind bereit zu jedem Gespräch", sagte Kellner der SZ.

Disziplinarische Konsequenzen für die Unterzeichner der Erklärung erwartet er nicht: "Ich wüsste nicht, was man ihnen zur Last legen sollte." Dekan Bauernfeind warnt vor Sanktionen: "Dann wäre der Dialog in der Diözese tot."