SZenario Endlich abheben

Luftsprünge und Lachanfälle: die Münchner Premiere des Skispringer-Films "Eddie the Eagle" mit Hugh Jackman

Von Josef Grübl

Dabei sein ist alles. Das gilt am Sonntagabend im Mathäser Kino nicht nur für die Gäste auf dem roten Teppich, sondern auch für die davor: Wer hier stundenlang (wirklich) an den Absperrungen ausharrt und dann statt eines Selfies mit Hugh Jackman nur ein verwackeltes Handyfoto mit dem Kopf des Vordermanns ergattert, beweist olympischen Sportsgeist. Um an diesen Jackman heranzukommen, muss man an diesem Tag schon etwas sportlicher sein: Am Morgen sprang der Hollywoodschauspieler angeblich in den Eisbach, zur Premiere am Abend fährt er mit dem Radl vor. Der Mann weiß, was in München ankommt. Noch passender wären natürlich Skier gewesen, da hat ihm das Münchner Frühlingswetter aber einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Jackman und sein britischer Kollege Taron Egerton spielen die Hauptrollen in der Wintersportkomödie "Eddie the Eagle", darin geht es um die wahre Geschichte eines äußerst menschlichen Pechvogels. Der britische Maurer Michael Edwards nahm im Jahr 1988 als einziger Skispringer seines Landes an den Olympischen Winterspielen in Calgary teil, so richtig abheben konnte er aber nicht: Er landete abgeschlagen auf dem letzten Platz, seine nie um einen Witz verlegenen Landsleute nannten ihn danach "Eddie the Eagle". Wie der König der Lüfte sah der pummelige Brillenträger nun wirklich nicht aus, berühmt wurde er trotzdem.

"Eddie ist eine herausragende Figur in der Skisprung-Geschichte, er war mutig und hatte ein Ziel", sagt der deutsche Ex-Skispringer und Olympiasieger Jens Weißflog, der sich am Sonntag auf den Film und auf das Wiedersehen mit Kollegen wie Dieter Thoma freut. Der echte Edwards nahm Ende der Achtzigerjahre Singles auf, veröffentlichte ein Buch und hatte mehrere Werbeverträge. In den Neunzigerjahren meldete er dann jedoch Privatinsolvenz an, seitdem arbeitet er wieder auf dem Bau.

Bereits vor siebzehn Jahren habe man ihn gefragt, ob man sein Leben verfilmen dürfe, erzählt er auf dem roten Teppich in München. Der Filmverleih hat den 52-Jährigen eingeladen, mit dem Eddie von damals hat er nicht mehr viel gemeinsam: Die Brillengläser wurden dünner, die Haare weniger. Nach dem ersten Kontakt mit den Filmleuten habe er lange Zeit nichts mehr von ihnen gehört, erzählt er weiter. Bis zum letzten Jahr: Als das Studio Babelsberg als Koproduktionspartner einstieg und deutsche Fördergelder flossen, konnten die Dreharbeiten beginnen. Aus Bayern gab es keine Fördermittel, gedreht wurde trotzdem hier. Schließlich benötigte Regisseur Dexter Fletcher den passenden Rahmen für seine Geschichte, in Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen wurde er fündig. "Wir hätten nur etwas mehr Schnee brauchen können", seufzt der Brite. Im Garmischer "Olympiahaus" drehte er Gasthausszenen, als Wirtin besetzte er Iris Berben.

Es ist eine schöne (und gar nicht so kleine) Rolle, die Berben hier spielt - wie stolz sie darauf ist, sieht man auf dem roten Teppich. Da strahlt Berben ihren Filmpartner Hugh Jackman an, sie schmachtet gar so, dass dieser sich gleich mit einem dicken Lob revanchiert: "Iris, du bist umwerfend!" Der Australier wird mehrfach von Lachanfällen geschüttelt. Es ist aber auch zum Teil irre komisch, wie Gäste wie Willy Bogner auf dem Teppich rumhüpfen und die Skispringer-Pose geben. Jackman spielt den versoffenen Trainer von Eddie (Taron Egerton), dementsprechend oft steht er an Berbens Tresen. Auch er darf stolz sein auf diesen Part, kennen ihn doch die meisten Zuschauer nur als Comic-Helden Wolverine aus den "X-Men"-Filmen. Siebenmal hat er den Mann mit den Stahlklauen schon gespielt, für nächstes Jahr ist ein weiterer "Wolverine"-Film angekündigt. Doch Jackman weiß, dass es nicht ewig so weitergehen kann: In zwei Jahren wird er fünfzig, höchste Zeit also, sein Rollenprofil ein wenig zu erweitern.

Jackman ist ein ausgezeichneter Sänger und Tänzer, ist in Musicals aufgetreten und hat die Oscar-Verleihung moderiert, er kann als Darsteller Pointen setzen und zu Tränen rühren, das Publikum verlangt aber nach seinen Kampfkünsten und seinem muskulösen Oberkörper. Dieser sieht in München jedoch deutlich schmaler aus als erwartet. Er habe selbst einmal springen wollen, erzählt er am roten Teppich: "Aber in dem Moment, als ich oben auf der Schanze stand, dachte ich nur: Oh nein . . ." Ein kneifender Star, ein sympathischer Held und eine zu Herzen gehende Geschichte: Die Zutaten einer Wohlfühlkomödie, die das Premierenpublikum begeistert und die am 31. März anläuft. Wo in den Kinocharts "Eddie the Eagle" dann landet? Bei dem Star-Trainer reicht es vielleicht sogar für die vorderen Ränge.