Subventionen für Kulturbetriebe Mit freundlicher Unterstützung

Tierpark, Stadtmuseum, Stadtbibliothek: So werden die Institutionen subventioniert.

Einmal Stadtmuseum für Erwachsene? 111,60 Euro! Stadt und Freistaat investieren Millionen in ihre Kulturbetriebe, denn ohne die Zuschüsse könnten sich nur wenige Münchner einen Besuch im Volkstheater leisten. Wer wie viel bekommt - und was die Karten ohne Subventionen kosten würden.

Von Dominik Hutter

Einmal Stadtmuseum für Erwachsene? 111,60 Euro! Es gäbe wohl jede Menge Ärger an der Kasse, wenn München für seine Kultureinrichtungen kostendeckende Preise verlangen würde. Die billigste Eintrittskarte für die Münchner Philharmoniker würde nicht mehr acht, sondern 75,95 Euro kosten. Die Jahresgebühren für die Sing- und Musikschule wären um 577,15 Euro höher, und die Besucher des Volkstheaters müssten je nach Preisgruppe zwischen 68,06 und 94,06 Euro hinlegen.

München aber lässt sich seine Attraktionen jedes Jahr viele hundert Millionen Euro kosten - gut investiertes Geld, wie Kämmerer Ernst Wolowicz findet. Ohne diese Subventionen, so betont der eigentlich als sparsam bekannte SPD-Mann, wäre Bayerns Landeshauptstadt sehr schnell eine Stadt für die oberen Zehntausend.

Philharmoniker, Olympiapark, Nationaltheater: So viel schießt die öffentliche Hand dazu.

(Foto: SZ-Montage/imago)

Wer schlechter verdient, wäre ohne den alljährlichen Beitrag aus der Kämmerei nicht nur von zahlreichen kulturellen Ereignissen abgeschnitten. Viele Leute könnten auch ihre Kinder nicht mehr in eine Kindertagesstätte oder zur Ferienfreizeit schicken.

Zu den Zuschüssen aus dem Rathaus kommen auch noch die aus den Kassen des Freistaats, der unter anderem für die Pinakotheken sowie das National- und Residenztheater zuständig ist. Um die Oper auch für Nicht-Millionäre zugänglich zu halten, lässt das Land Bayern jährlich 54,3 Millionen Euro springen. 109,63 Euro pro Karte. Das staatliche Residenztheater bekam in der Spielzeit 2011/12 gut 25 Millionen Euro überwiesen, 4,8 Millionen Euro nahm die Bühne selbst ein.

Die Stadtbibliothek kostet den Steuerzahler 37,1 Millionen im Jahr

Spitzenreiter im städtischen Subventionszirkus ist die Stadtbibliothek, die dafür laut Wolowicz aber das dichteste Filialnetz unter allen deutschen Großstädten aufweisen kann. Das hat sich die Stadt im Jahr 2012 - neuere Zahlen liegen noch nicht vor - 37,1 Millionen Euro kosten lassen. Ohne dieses Geld sähe es traurig aus in den Regalen der mehr als 30 (teilweise mobilen) Filialen: Die Nutzergebühren reichen gerade einmal aus, um acht Prozent des Etats zu decken. Müssten die Lese-Fans das Angebot allein finanzieren, wären bei jeder Ausleihe zusätzlich 2,86 Euro fällig.

Auch die Münchner Kammerspiele, die bekanntlich zu den besten deutschen Sprechtheatern gehören, sind nicht zum Dumpingpreis zu haben: Fast 31,9 Millionen hat Wolowicz 2012 an den Kulturtempel überwiesen. Mit dem Geld wird neben den drei Bühnen rund um die Maximilianstraße auch die Schauburg am Elisabethplatz und die Otto-Falckenberg-Schule betrieben (weshalb eine Aufschlüsselung der Subvention je Zuschauer nicht möglich ist).

Die Sing- und Musikschule kostet den Steuerzahler viel Geld - zumindest, wenn man die Subventionen auf den Schüler umrechnet.

(Foto: SZ-Montage)

Die eigenen Einnahmen decken bei den Kammerspielen lediglich 14,6 Prozent der jährlichen Kosten - während das ebenfalls städtische Volkstheater auf immerhin 25,7 Prozent kommt. "Ein im bundesweiten Vergleich sehr hoher Deckungsgrad", lobt Wolowicz. Bezuschusst wurde die Bühne an der Brienner Straße mit 6,7 Millionen Euro. Weitere Subventionsempfänger sind das Jüdische Museum mit 2,2 Millionen Euro, die Sing- und Musikschule mit 4,6 Millionen und die Villa Stuck mit vier Millionen. "Es geht um Transparenz", sagte Wolowicz bei der Vorstellung der Zahlen. Nicht darum, die Betriebe an den Pranger zu stellen.

Die Philharmoniker, die immerhin auf eine Deckungsquote von 33,7 Prozent kommen, kosteten die Stadt rund 14 Millionen Euro. Was deutlich weniger ist als noch 2011: Damals waren fast 20 Millionen notwendig. Laut Wolowicz ist die Größenordnung von 2011 allerdings die langfristig realistischere, "leider": 2012 gab es monatelang keinen Chefdirigenten und entsprechend weniger personalaufwendige Konzertreisen.

Alleine die Sanierung des Deutschen Theaters hat 90 Millionen gekostet

Das Deutsche Theater erhielt 2012 knapp vier Millionen Euro, das Lenbachhaus fast zehn Millionen. Diese Summen sind allerdings für beide Kulturstätten nicht wirklich repräsentativ: Denn das Deutsche Theater spielte wegen der Sanierung seines Stammhauses in einem Zelt, das Lenbachhaus war (mit Ausnahme des Kunstbaus im U-Bahnhof Königsplatz) ebenfalls nicht zugänglich.

So viel bekommen die städtischen Theater in München.

(Foto: SZ-Montage)

Die Investitionen in die Gebäude finanziert die Stadt noch extra - diese (zumeist sehr hohen Summen) sind in den Betriebskostenzuschüssen nicht enthalten. Allein die Sanierung des Deutschen Theaters, das in zwei Wochen wiedereröffnet wird, hat 90 Millionen Euro gekostet. Sanierung und Erweiterung des Lenbachhauses kamen auf 60 Millionen. Noch teurer wird die vom Stadtrat bereits beschlossene Sanierung des Stadtmuseums, für die Wolowicz 100 bis 150 Millionen Euro einplant. Was wiederum locker getoppt wird von den dreistelligen Millionensummen, die in den kommenden Jahren in die Olympia-Bauten von 1972 gesteckt werden müssen. Der Kultur- und Sport-Betrieb wird ebenfalls von der Stadt bezuschusst: mit knapp 20 Millionen Euro im Jahr.

Investitionen sind auch beim Tierpark Hellabrunn notwendig, an dem die Stadt 93,3 Prozent der Aktien hält. Wolowicz rechnet allein für das Elefantenhaus mit 622.000 Euro. Dafür arbeitet der Tierpark sonst vergleichsweise kostendeckend: 92,8 Prozent werden durch die Einnahmen aus dem Ticket-Verkauf gedeckt, 2011 waren es sogar über 100 Prozent.