Streit um Planung Schmalspur-Plädoyer

Für ausreichend breit hält SPD-Fraktionschef Alexander Reissl die vorgeschlagene Radspur.

(Foto: Stephan Rumpf)

SPD verteidigt Radweg-Kompromiss für Rosenheimer Straße

Von Dominik Hutter

Der Streit um neue Radwege in der Rosenheimer Straße spitzt sich zu - und entwickelt sich immer mehr zur verkehrspolitischen Grundsatzdebatte. Die Haidhauser Bürgerversammlung hat die Pläne der großen Rathauskoalition bereits in Bausch und Bogen abgelehnt. Und auch die grüne Stadtratsfraktion sowie diverse Münchner Umwelt- und Verkehrsverbände lassen nicht locker: Münchens Autofahrer sollen mehr Platz für Radler herausrücken. Für Dienstag, 14. April, ist eine Podiumsdiskussion im Münchner Hofbräukeller geplant (19.30 Uhr), bei der - davon ist fest auszugehen - die von CSU und SPD vorgeschlagene Kompromisslösung einhellig verdammt wird. SPD-Fraktionschef Alexander Reissl sieht jedoch keinerlei Grund für einen Rückzieher. Die Situation an der Rosenheimer Straße sei vergleichbar mit der in der Kapuzinerstraße, wo seit 2013 Radstreifen abmarkiert sind. "Warum soll hier etwas funktionieren, was an der Rosenheimer Straße angeblich auf keinen Fall funktionieren kann?", fragt Reissl.

Die Pläne der Rathausmehrheit sehen vor, die vier Fahrspuren der Rosenheimer Straße auf jeweils 2,85 Meter zu verschmälern und dafür die Gehwege großzügiger zu gestalten sowie zwei jeweils 1,50 Meter breite Radlerstreifen abzumarkieren. So kämen sowohl Rad- als auch Autofahrer zu ihrem Recht, argumentieren die Großkoalitionäre. Die Rosenheimer Straße zählt zu den Sorgenkindern der Verkehrsplaner: Sie ist mit bis zu 29 000 Fahrzeugen täglich eine der wichtigsten Einfallstraßen von Osten her - und für Radfahrer besonders gefährlich, weil es dort gar keine Radwege gibt.

Viel zu schmal sei das alles geplant, wettern Grüne und Verbände, und rechtswidrig obendrein - auf den neuen Radwegen befinde man sich in höchster Gefahr. Eine Einschätzung, die SPD-Mann Reissl in Rage bringt. Dann hätte es die gleiche Kritik ja auch an der Kapuzinerstraße geben müssen, so der Fraktionschef. Deren Radspuren - genau genommen: Schutzstreifen, auf denen auch Autos fahren dürfen - seien an der schmalsten Stelle ebenfalls 1,50 Meter, die Fahrspuren jeweils 2,75 Meter breit. "Nach unserem Dafürhalten funktioniert das", erklärte Reissl am Freitag bei einem Ortstermin in der Isarvorstadt. Zwar sei die Kapuzinerstraße nicht gar so stark befahren wie die große Magistrale durch Haidhausen. Sie zähle aber mit bis zu 22 000 Autos täglich auch nicht gerade zu den kleinen Nebenstraßen. Und anders als in der Kapuziner-, solle in der Rosenheimer Straße ja auch kein Schutzstreifen, sondern ein echter Radfahrstreifen ausgewiesen werden. Der ist mit einer durchgehenden Linie gekennzeichnet und für Autos tabu. Reissl hält die Kritik für "organisiert", letztlich gehe es darum, einen Konflikt zu schüren.

Tatsächlich lauert im Hintergrund eine Grundsatzfrage der Verkehrspolitik: Wie lässt sich der Straßenraum möglichst gerecht auf die verschiedenen Verkehrsteilnehmer aufteilen? Die Breite der Spuren spielt dabei nur eine untergeordnete Rolle. Vielmehr wollen Grüne und Verbände den Autoverkehr einschränken und die Rosenheimer Straße auf nur noch zwei Spuren zurückbauen. Dann wäre genug Platz für großzügige Radwege. CSU und SPD hingegen fürchten lange Staus und wollen den fließenden Autoverkehr möglichst wenig ausbremsen. Die Folge ist der jetzige Schmalspur-Kompromiss.

Paul Bickelbacher, der Verkehrssprecher der Grünen, hält Reissls Kapuzinerstraßen-Vergleich denn auch für verfehlt. "Ein Ei ist kein Apfel - nur weil beide rund sind", erklärte er. Das Problem an der Rosenheimer Straße seien die Parker. Und die gebe es im schmalen Teil der Kapuzinerstraße nicht.