Kempfenhausen Göttliche Komödie im Bunker

Elisabeth Carr und Gerd Holzheimer stellen das Programm ihres Literarischen Herbstes vor

Von Gerhard Fischer, Kempfenhausen

Gerd Holzheimer einen Bildungsbürger zu nennen, wäre untertrieben und würde ihm auch nicht gerecht. Denn oft wird ein Bildungsbürger als Karikatur eines beflissenen Kunst- und Literaturkenners dargestellt - das beste Beispiel ist "der Herr Schönfärber" aus der Dietl-Serie Monaco Franze. Der humanistisch gebildete Holzheimer ist eher ein "Finder der Worte", einer, der herausbekommen will, woher die Vokabeln kommen, die wir heute ganz selbstverständlich benutzen. Woher kommt also das Wort Kultur? Vom lateinischen "colere", das erstaunlicherweise "den Acker bestellen" bedeutet.

Gerd Holzheimer und Elisabeth Carr, die beiden Organisatoren des Literarischen Herbstes, werden passend dazu eine Veranstaltung auf dem Assenhauser Hof in Berg-Farchach abhalten. Biobauer Steffe Mair wird dort neue und alte Assenhauser Geschichten vorlesen, die er selbst verfasst hat. Mair ist Kult, vielleicht noch nicht als Schriftsteller, aber als Persönlichkeit: Vor 45 Jahren hat er den ersten Biobauernhof der Gegend gegründet.

Steffe Mair war am Montagnachmittag anwesend, als Carr und Holzheimer im Schloss Kempfenhausen ihr Programm für den Literischen Herbst vorstellten, der von 20. September bis 24. Oktober stattfinden wird. Es wird acht Veranstaltungen geben, sie werden wie immer an Orten abgehalten, die für die Öffentlichkeit gewöhnlich nicht zugänglich sind: in einem Atombunker, im Studio von Peter Maffay - oder eben auf dem Hof von Steffe Mair. Der Biobauer beruhigte potenzielle Besucher: "Ihr miassts ned arbeitn, kommts mitm scheena Gwand."

Der Literarische Herbst beginnt aber am Samstag, 20. September, um 15 Uhr, im Spiegelsaal des Schlosses Garatshausen. Schloss Garatshausen? Dort hat doch gerade Maria Theresia, die Tochter von Gloria von Thurn und Taxis, ihre Hochzeit mit dem Briten Hugo Wilson gefeiert? Yes! Doch am nächsten Samstag geht es um Lola Montez, und die ist eher noch bunter und interessanter als die Gloria-Adeligen. Bekannt wurde Montez als Geliebte des bayerischen Königs Ludwig I. "Darum kümmern wir uns aber nicht", so Holzheimer, "das weiß ja jeder." Nein, es geht um die Biografie, die Montez geschrieben hat, und die sie als emanzipierte Frau ausweist. "Eine Weltenbürgerin" sei sie gewesen, und am Starnberger See habe sie mal ein Stelldichein gehabt, sagte Holzheimer. Die Schauspielerin Angelika Krautzberger wird aus dieser Biografie lesen.

In der Auftaktveranstaltung des Literarischen Herbstes geht es am nächsten Samstag um Lola Montez.

(Foto: Schellnegger)

Der Literarische Herbst steht ja diesmal auch unter dem Moto "Kult", und deshalb darf eine Aufführung im Atombunker im Kerschlacher Forst nicht fehlen. Mehr als 100 Veranstaltungen habe man seit der Gründung des Literarischen Herbstes im Jahr 2002 gemacht, sagte Holzheimer, aber niemals werde er vergessen, wie er den Bunker entdeckt und wie dort die erste Veranstaltung stattgefunden hat. Eigentlich suchte Holzheimer damals eine Jägerhütte für eine Ganghofer-Lesung, und als er sie gefunden hatte, erfuhr er, dass unter der Hütte ein Bunker war. Ganghofer passte da nicht dazu, die düsteren, gespenstischen Texte von Franz Kafka schon eher. Kalt ist es dort, ein bisschen gruselig auch, und es gab schon Besucher, die den Ort vorzeitig verließen. Andere waren begeistert.

Diesmal wird in dieser Unterwelt aus Dantes Göttlicher Komödie gelesen. Und aus Texten des Psychoanalytikers C. G. Jung. Denn der Gang in unser Inneres ist manchmal auch eine Reise in die Unterwelt.

Das komplette Programm des Literarischen Herbstes findet man unter folgender Internetadresse: literarischer-herbst.info.