Berger Windräder Das Flügel-Malheur

Was wie abgeknickt aussieht, gehört so. Der eigentliche Schaden ist weniger auffällig, er befindet sich an der unteren Flügelkante und ist abgeklebt.

(Foto: Ulfers)

Bei einem Fahrfehler auf der Strecke durch den Wald wird das 25 Tonnen schwere Windradbauteil stark beschädigt. Nun muss Ersatz aus Niedersachsen geliefert werden. Trotzdem sollen die Anlagen noch heuer Strom liefern

Von Sabine Bader, Berg

Auf einem Waldweg zur östlichsten Windradbaustelle in den Wadlhauser Gäben bei Berg ist am Mittwoch ein Malheur passiert. Als die Arbeiter das dritte Windrad mit Flügeln versehen wollten, ist das Transportfahrzeug mit einem der Flügel gegen einen Baum geschrammt. "Ein dummer Fahrfehler", sagt Robert Sing, Chef des gleichnamigen Ingenieurbüros, das den Anlagenbau koordiniert und leitet. Der Schaden an dem 25 Tonnen schweren Bauteil ist so groß, dass es nicht mehr repariert werden kann. Ein neuer Flügel muss herantransportiert werden. Am Baum hingegen sieht man wenig; die Rinde soll nur ganz leicht abgeschabt sein.

Wenn Sing und seine Leute Glück im Unglück haben, dann kann der neue Flügel schon Anfang nächster Woche geliefert werden. In dem Fall könnte wie geplant weitergebaut werden. Wenn nicht, dann lässt Sing den großen Kran neben der östlichen Anlage abbauen und zum nördlichsten Windrad versetzen. Dieses soll dann zuerst mit Flügeln bestückt werden. Sing, der auch Geschäftsführer der Betreibergesellschaft der Anteilseigner, "Bürgerwind Berg GmbH & Co. KG", ist, will möglichst wenig Zeit verlieren.

Wie schnell es geht, das Bauteil von Niedersachsen an den Starnberger See zu bringen, hängt jetzt noch von einer Transportgenehmigung ab. Einen geeigneten Flügel hat die Firma vorrätig, und der Transport durch Niedersachsen ist dort bereits von den Behörden bewilligt. Was noch aussteht, ist die Genehmigung für die Fahrt mit dem Schwertransporter durch München. Beantragt ist das Ganze bereits. Bei einem Transport dieser Größenordnung müssen einige Vorkehrungen getroffen werden. So muss man zum Beispiel in der Stadt einige Ampeln abmontieren, denn der Flügel ist 57 Meter lang.

Der Laie fragt sich überhaupt, warum man einstweilen nicht einfach einen anderen Flügel verwenden kann, der bei Wangen auf dem Lagerplatz bereit liegt, während man auf das neue Bauteil aus Niedersachsen wartet. Doch das geht nicht so einfach, denn die Flügel sind laut Sing leicht unterschiedlich und genau aufeinander abgestimmt. "Immer die drei Flügel eines Windrads bilden eine Einheit und sind auch aufeinander geeicht." Nach den genauen Angaben des beschädigten Flügels wird in Niedersachsen jetzt der neue eingestellt.

Finanzielle Auswirkungen auf die Betreibergesellschaft hat der Unfall allerdings nicht. Bei einem Häuslebauer würde man jetzt den Terminus "schlüsselfertig" verwenden. Ähnlich läuft das bei den Windrädern. Die Gesellschafter haben die Anlagen praktisch betriebsfertig gekauft. Den nun entstandenen Schaden muss der Anlagenhersteller tragen.

Trotz der Verzögerung ist sich Sing sicher, dass er seinen ehrgeizigen Zeitplan einhalten kann. "Ich bin fester Überzeugung, dass alle vier Windräder noch im Jahr 2015 ans Netz gehen werden", sagte er am Donnerstag der SZ. Das hofft auch Bergs Bürgermeister Rupert Monn. Er nannte das Ganze zwar einen "bedauerlicher Vorfall", aber auf einer Baustelle sei so etwas nie ganz auszuschließen, zumal auf einer so großen. Monn: "So lange es um Materialschaden geht und keine Menschen betroffen sind, ist es zu verschmerzen."

Der Transporter mit dem zerschrammten Flügel war einem Spaziergänger am Mittwoch aufgefallen. Die Windradbaustellen sind derzeit im Landkreis ein großer Anziehungspunkt für Ausflügler. Vor allem an den Wochenenden kommen zahlreiche Familien, die den Lagerplatz mit den Teilen und die Baustellen zumeist aus der gebotenen Distanz beäugen. Als die Betreibergesellschaft im Oktober zu einer offiziellen Besichtigung der Windräder eingeladen hatten, kamen mehr als 500 Interessenten, um sich ein Bild vom Baufortschritt der Anlagen zu machen. Wegen des Andrangs mussten zusätzlich zu den vier ursprünglichen Terminen noch zwei weitere eingeschoben werden. Und das, obwohl das Regenwetter an dem besagten Sonntag alles andere als geeignet für Familienausflüge war.