Staatsregierung schließt Amerika-Haus "Unermüdlich für den transatlantischen Dialog"

Der Botschafter der USA, Philip D. Murphy, über den Beschluss der Staatsregierung, das Gebäude zu schließen.

Von Phil Murphy

Am 21. August 2009 bin ich als designierter US-Botschafter in Deutschland angekommen. Gleich mein erster dienstlicher Besuch in Bayern führte mich einen Monat später in das Münchner Amerika-Haus. Ich erinnere mich genau: Der Theatersaal platzte aus allen Nähten.

Bald Geschichte: Das Amerika-Haus am Münchner Karolinenplatz.

(Foto: Stephan Rumpf)

500 Schülerinnen und Schüler waren aus Amberg, Bamberg, Freising, Landshut, Mühldorf am Inn, München, Prien am Chiemsee und Waldkraiburg angereist - im Gepäck zahlreiche kluge Fragen und durchdachte Kommentare zu den bayerisch-amerikanischen Beziehungen. Diese Erfahrung zeigte mir auf eindrucksvolle Weise, wie bedeutsam dieses Haus auch in der heutigen Zeit ist.

Das Amerika-Haus, in den 1950er Jahren im Geiste der Offenheit konzipiert, lädt geradezu zum Dialog ein. Die verglaste Kuppel, das lichtdurchflutete Foyer, die von außen einzusehende Bibliothek - all dies setzte in der Nachkriegszeit einen Kontrapunkt zur betondominierten Machtarchitektur des Nationalsozialismus. An seinem jetzigen Standort engagiert sich das Haus seit 1957 unermüdlich für den transatlantischen Dialog.

Dies geschah in den ersten 40 Jahren unter der Ägide der amerikanischen Regierung. 1998 wurde das Haus mit der Gründung des Bayerisch-Amerikanischen Zentrums im Amerika-Haus München e. V. zur bayerischen Institution. Beim Freistaat Bayern möchten wir uns ausdrücklich für deren jahrelange Förderung bedanken. Großer Dank gebührt auch den engagierten Mitarbeitern des Amerika-Hauses und den vielen ehrenamtlichen Unterstützern.

Für uns bleibt diese Begegnungsstätte von zentraler Bedeutung für die Pflege und den Ausbau der bayerisch-amerikanischen Beziehungen. Woche für Woche findet dort eine Fülle von Veranstaltungen zu wichtigen transatlantischen Themen statt. Der Besucherstrom von jährlich 50 000 Gästen aus ganz Bayern, darunter 15 000 Schülern und Studenten, verdeutlicht dessen anhaltende Relevanz und Popularität.

Die junge Generation besucht die beliebten Theateraufführungen und Schülervorträge zu aktuellen Themen, Austauschmessen sowie Vorbereitungsseminare für den USA-Aufenthalt. Auch Führungskräfte und Meinungsbildner, darunter 450 Lehrer, frequentieren das lebendige Haus und geben ihre Erkenntnisse vielfach weiter.

Gemeinsam mit dem Bayerisch-Amerikanischen Zentrum (BAZ) und der Bayerischen Amerika-Akademie (BAA) realisiert das US-Generalkonsulat München zahlreiche Veranstaltungen, die ohne dieses Haus nicht zu verwirklichen wären. Deswegen investiert das US-Außenministerium weiter in erheblichem Maße in das Amerika-Haus. So trugen wir im Jahr 2010 Geld- und Sachleistungen bei, die der Hälfte des Programmbudgets des BAZ entsprachen.

Neben der engen Partnerschaft mit den amerikanischen Vertretungen ist das Haus fest im Münchner Kulturleben verwurzelt. Seine kulturelle Expertise, zentrale Lage und sein Zuschnitt machen es bereits jetzt zu einem integralen Bestandteil des aufstrebenden Münchener Kunstareals. Langfristig angelegte Kooperationsabsprachen mit den Pinakotheken und dem künftigen NS-Dokumentationszentrum belegen dies. In den letzten Jahren sind die bayerisch-amerikanischen Beziehungen, insbesondere im Wirtschaftsbereich, noch intensiver geworden.