Songwriter Jake Bugg in München Souveräner Retromix

Jake Bugg bei einem Auftritt in Texas.

(Foto: AP/dpa)

Er mischt den Popzirkus auf und wirkt dabei, als wären eine Gitarre und ein YouTube-Kanal die Garantie für eine Weltkarriere: Im ausverkauften Strom beweist der Songwriter-Wunderknabe Jake Bugg, dass seine Stücke auch live funktionieren.

Von Bernhard Blöchl

Und dann gibt Jake Bugg Johnny Cash, wofür man ihm am liebsten ein Fleißbildchen ins schwarze Hemd stecken möchte. Etwas mehr als eine Stunde lang hat der Songwriterwunderknabe aus Nottingham die Stücke seiner Debütplatte dargeboten, bevor er mit Cashs "Folsom Prison Blues" sein erstes München-Gastspiel beendet. Ausgerechnet das rau-reife Musikidol aus Arkansas; ausgerechnet der Gefängnis-Stampfer, geschrieben vor fast 60 Jahren in Landsberg am Lech.

Jake Bugg, der eigentlich Jacob Edwin Kennedy heißt, ist kürzlich 19 geworden. Er ist einer dieser pubertätsnahen Überflieger, die den Popzirkus dieser Tage aufmischen, als wären eine Gitarre und ein YouTube-Kanal Garanten für eine Weltkarriere - man denke etwa an den Kollegen Ed Sheeran. Bugg sieht ein bisschen aus wie ein Zitat der Gallagher-Brüder, die Gitarre schlägt er im Westernstil wie Cash, wenn er nicht gerade an der E-Gitarre einen auf Jimmy Hendrix macht.

Der Brite ist fleischgewordenes Mashup, das Cash-Cover das konsequente i-Tüpfelchen. Der Bursche weiß, dass man der Popmusik im Jahr 2013 kaum Neues hinzufügen kann, also arbeitet er das Alte auf, um das Beste aus Allem herauszuholen. Das Beste ist in seinem Fall eine ziemlich rohe Mischung aus Country, Folk, Blues und Rock, aus Bob Dylan, Buddy Holly und den Arctic Monkeys. Ein Retromix, der so altmodisch daherkommt, dass lediglich die Farben das Gefühl dämpfen, man befinde sich in einem Schwarz-Weiß-Film aus ruppigen vergangenen Tagen.

Ein erschreckend souveräner Auftritt

Wie Bugg im ausverkauften Strom ins Publikum leidet, jault und drängt, die Nase hoch in die Luft gereckt, verdient Respekt. Seine Stimme ist so markant wie sicher und schenkt der Sehnsucht eine Hoffnung. Der Sehnsucht nach Irgendwas.

Die Songs jener Platte, die nie schwächelt und in England auf Platz 1 stand, bestehen auch den Live-Test im kleinen Club im fremden Land. Ein erschreckend souveränes Konzert mit einem furiosen Finale geht hier über die Bühne ("Two Fingers", "Lightning Bolt" und das herzergreifende "Broken").

Es mag sein, dass sich der Hauptdarsteller und sein Kollege am Bass im Trantütenwettblicken gegenseitig überbieten (womöglich liegt es am späten Konzertbeginn um halb elf). Aber bitte, Bugg ist einen Tag älter als Justin Bieber. Er dürfte alle Zeit der Welt haben, noch besser zu werden, als er ohnehin schon ist.