Schulen leiden unter Raumnot Unterricht im Keller

Viele Münchner Schulen leiden unter Platzmangel, vor allem die Gymnasien. Im Oskar-von-Miller-Gymnasium in Schwabing wird nun im Keller unterrichtet - dort gibt es weder Tageslicht noch Frischluft. Von Stadt und Kultusministerium fühlt sich die Schule im Stich gelassen.

Von Philipp Alvares de S. Soares

Das Klassenzimmer liegt im Keller, weder Tageslicht noch Frischluft dringen nach unten. Ob man unter solchen Bedingungen gut lernen kann? Am Oskar-von-Miller-Gymnasium in Schwabing hatte die Schulleitung keine andere Wahl: Eine Klasse musste in den Keller, weil das alte Gymnasium nicht genug Platz für seine Schüler hat. Drei zehnte Klassen wurden zu so genannten "Wanderklassen" - ganz ohne eigenen Raum.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Schülerzahl von 660 im Schuljahr 2002/2003 auf aktuell 994 gestiegen. Die Anzahl der Räume dagegen blieb konstant. "Wir platzen aus allen Nähten. Ich bete für neue Räume", klagt die Schulbibliothekarin Ulrike Karg. Auch für neue Bücher ist kaum noch Platz.

Viele Münchner Schulen leiden unter Platzmangel, vor allem die Gymnasien. Die Schülerzahlen steigen und steigen. 53 Prozent der Viertklässler wechselten dieses Jahr aufs Gymnasium, vor zwölf Jahren waren es noch 46 Prozent. Die Stadt rechnet im kommenden Schuljahr mit einer weiteren Steigerung um rund 500 auf dann insgesamt 32500 Gymnasiasten.

Doch wohin mit ihnen? 770 Millionen Euro gibt München in den nächsten vier Jahren für den Neu- und Umbau von Schulen aus. Freiham, Trudering und Milbertshofen bekommen neue Gymnasien. Aber bis die Gebäude fertig sind, werden noch Jahre vergehen.

Es bleibt vorerst eng

Schulleitung und Elternbeirat des Oskar-von-Miller-Gymnasiums wollten sich selbst helfen und das Dachgeschoss der Schule ausbauen. Von Stadt und Ministerium fühlen sie sich jedoch hingehalten. Die Stadt ist als Sachaufwandsträger zwar für das Gebäude zuständig, das staatliche Gymnasium liegt aber ansonsten in der Verantwortung des Kultusministeriums. Stadt und Land würden sich gegenseitig die Schuld zuschieben, klagt der Elternbeiratsvorsitzende Walther Mantel.

Er glaubt, dass die Stadt die Entscheidung hinauszögere, bis die neuen Schulen fertig seien. Schulleiter Peter Schwarze ist ebenfalls unzufrieden, die Stadt halte ihre Zusagen nicht ein. Schon mehrmals seien vereinbarte Termine verschoben worden. Ende 2012 sollte das nötige Geld eigentlich bereits freigegeben sein. "Es gab Verzögerungen, aber der Wille ist da", sagt Eva-Maria Volland, Sprecherin des Bildungsreferats. Im Frühjahr 2014 soll nun der Ausbau beginnen, der ein Jahr dauern werde.

Es bleibt also vorerst eng. Die fünf fünften Klassen, die nach den Sommerferien eingeschult wurden, bestehen aus jeweils 33 Schülern. Damit wird fast die Obergrenze erreicht, die das Kultusministerium für die Klassengröße in Bayern gesetzt hat. "Alles über 34 Schüler braucht eine Sondergenehmigung", sagt Ministeriumssprecher Henning Gießen. 26,6 Schüler sind es im bayernweiten Durchschnitt.

Mitverantwortlich für das Platzproblem ist die Trennung zwischen städtischen und staatlichen Gymnasien. Die Schulen der Stadt haben ihre Schülerzahlen gedeckelt, also müssen die landeseigenen Schulen wie das Oskar-von-Miller-Gymnasien mit den steigenden Schülerzahlen allein klar kommen. Die Klassengröße an städtischen Gymnasien beträgt im Schnitt nur 25,1 Schüler.