Duo misshandelt 22-Jährigen Martyrium nach Mitternacht

Über mehrere Stunden haben zwei junge Männer aus dem Oberland einen 22-Jährigen verprügelt, getreten und mit einem Bügeleisen verbrannt. Mit blutverschmierter Kleidung hockten sie sich anschließend in eine Bar im Münchner Bahnhofsviertel, um das geraubte Geld durchzubringen.

Von Susi Wimmer

"Widerwärtig, sadistisch, brutal." Kriminaloberrat Werner Lauterbach ringt nach Worten und zuckt dann hilflos mit den Schultern. Als Kommissariatsleiter sei er ja "einiges gewöhnt, aber dieser Fall . . . ". Über mehrere Stunden haben zwei junge Männer einen 22-Jährigen auf der Straße und in seiner eigenen Wohnung schwer misshandelt, verprügelt, getreten, geschnitten, mit einem Bügeleisen verbrannt und gedroht, ihn umzubringen.

Mit blutverschmierter Kleidung hockten sie sich anschließend in eine Bar im Bahnhofsviertel, um das geraubte Geld durchzubringen. Dass sie dort eine halbe Stunde später festgenommen wurden, hatte mit der brutalen Tat zunächst nichts zu tun.

Gut zwei Stunden lang dauerten die Qualen und Todesängste des jungen Mannes aus München: Sein Martyrium begann am 3. Dezember um kurz nach Mitternacht, als er auf dem Heimweg von der Arbeit durch das Bahnhofsviertel kam. Dort bauten sich in der Schillerstraße zwei junge Männer vor ihm auf: Ein 17-jähriger Schüler und sein 19-jähriger Freund, dunkelhäutig und "ein Schrank von einem Kerl", wie Lauterbach sagt.

Beide stammen aus dem Oberland und sind hinreichend polizeibekannt. Sie zückten ihre Klappmesser und forderten ihn auf, mitzugehen. Sie lotsten den Münchner in einen Hinterhof. Dort verprügelten sie ihn mit Fäusten und Füßen und zwangen ihn, seinen Wohnort preiszugeben.

In der Wohnung trieben die beiden mutmaßlichen Täter ihre Quälereien weiter. Sie fügten dem Wehrlosen Schnitte und Brandwunden zu, sie schaukelten sich gegenseitig auf in Horrorszenarien, welche Knochen sie dem 22-Jährigen als nächsten brechen oder was sie ihm sonst antun könnten. Am Ende musste der junge Mann am Bankomaten mehrere hundert Euro abheben, schließlich ließen sie ihn laufen. Allerdings mit der Drohung, dass sie ihn umbringen werden, sollte er zur Polizei gehen.

Die Männer schweigen bislang

Der 22-Jährige war derart eingeschüchtert, dass er tatsächlich nichts unternahm. Tags darauf ging er, trotz massiver Verletzungen im Gesicht und am Oberkörper, zur Arbeit. Erst sein Chef konnte ihn überreden, einen Arzt aufzusuchen und schließlich drei Tage später Anzeige zu erstatten.

Zu diesem Zeitpunkt saßen die beiden Tatverdächtigen aber schon hinter Gittern. Und zwar wegen eines Raubes am 30. November am Hauptbahnhof. Damals hatten sie zwei Jugendliche überfallen, sie gegen eine Glaswand gedrückt und ihnen die Handys geraubt. Außerdem musste eines der Opfer am Bankomaten Geld abheben. Die Kameraauswertung am Hauptbahnhof lieferte den Ermittlern Fotos der Täter. Und mit diesen Bildern klapperten sie Etablissements im Bahnhofsviertel ab, bis sie am 3. Dezember gegen 2.30 Uhr auf die beiden mit der blutverschmierten Kleidung trafen.

Die Männer schweigen bislang. Lauterbach geht davon aus, dass sie mit dem Zug aus dem Oberland nach München reisten - und dass es weitere Opfer gibt, die aus Scham schweigen. "So wie die Täter agiert haben, das Zusammenspiel, einer weiß, was der andere macht. Da fällt es mir schwer, diesen erpresserischen Menschenraub als singuläres Ereignis zu sehen." Lauterbach glaubt, dass noch mehr Münchner dem sadistischen Duo zum Opfer gefallen sind.