Registratur Ende einer DJ-Ruhmeshalle

Nach langem Hin und Her macht die Registratur dieses Wochenende dicht. Der Club mit dem Hinterhof-Charme verlässt die Bühne des Münchner Nachtlebens aber nicht sang- und klanglos.

Von S. Gietzelt

Jetzt ist es also wirklich soweit. Nach langem Hin und Her, mehrfach ankündigten Abschieden und Schwanengesängen macht die Registratur an diesem Wochenende dicht. Fast scheint es, als hätte es diesen Club im Zentrum Münchens schon seit Urzeiten gegeben, so präsent war die Registratur für die, deren Herz zum Takt der gepitchten Beats per Minute schlägt. Doch eigentlich gab es sie erst seit sechs Jahren im Erdgeschoss eines ehemaligen Bürogebäudes in der Blumenstraße.

Für viele Münchner Nachtschwärmer ein Grund zur Trauer: Die Registratur schließt dieses Wochenende ihre Pforten. Fortsetzung ungewiss.

(Foto: Foto: Hess)

Gebäude mit Hinterhof-Charme Das Münchner Nachtleben wird um einen wichtigen Club ärmer: Major Lazer und Grandmaster Flash waren hier, The Bug, LTJ Bukem, DJ Hell natürlich und House- und Technolegenden Theo Parrish und Carl Craig. Und nicht vergessen darf man, dass in der Registratur auch legendäre Rock- und Popkonzerte stattgefunden haben: die Kultband The Fall trat hier auf mit einem selten so gut gelaunten Mark E.Smith, Coco Rosie gaben hier ihr erstes größeres Konzert. Kleinere Bands wie Okkervile River und The Black Seeds und auch Funny van Dannen sind hier aufgetreten.

Es gab Filmvorführungen, Lesungen und Hörspielabende, aber in die Annalen wird die Registratur in der Blumenstraße 28 wohl trotzdem als DJ-Ruhmeshalle eingehen, die dieses riesige Gebäude mit seinem - ganz unmünchnerisch - leicht angeranzten Hinterhof-Charme mehr definierte als sämtliche dort eingemieteten Künstler und Firmen. Ob und an welchem Ort die Registratur demnächst wiederauferstehen wird, darüber gibt es keine Informationen.

Nach dem Wochenende ist Schluss Ein paar einzelne, größere "Regi-Veranstaltungen" werden wohl demnächst in der Alten Kongresshalle stattfinden. Doch zunächst wird erst einmal Abschied gefeiert: Für den Donnerstag wurde der schweizerisch-chilenische DJ Luciano gebucht. Er ist ein seltener Gast, der viel Zeit mit seinem Label Cadenza verbringt und den Rest an Plattenspielern in den Clubs dieser Welt, vor allem als Resident-DJ in Ibiza. House, Techno, Minimal sind die Preisschilder, die seiner Musik angeheftet werden.

Angefangen hat er in Chile, danach ging er in die Schweiz. Seine Auftritte unterscheiden sich von denen vieler anderer DJs dadurch, dass Luciano nicht nur Platten ineinandermischt, sondern sie mit Effekten anreichert, loopt und dann weiter beackert. Luciano ist ein Arbeiter, nicht nur ein Plattenaufleger. Seine Sets fallen mitunter poppiger aus als der übliche Minimalgeplucker-Teppich in den Clubs, denn natürlich lässt er oft seine eigenen Tracks in den Mix einfließen.

Aus seiner eigenen neuen CD "Tribute To The Sun" aber sprudelt soviel lateinamerikanische Leichtigkeit heraus , das man sich nur noch wundert, wie sexy und heißblütig Minimal-Techno auch klingen kann. Ein vorletzter Abend in der Registratur heute mit Luciano, bevor am Wochenende dann definitiv die letzten Beats an der Blumenstraße wummern.