Rechtsradikale Neonazi-Treffen gestoppt

Die Polizei konnte ein Treffen Münchner Neonazis in Erding in letzter Minute verhindern. Auch der vorbestrafte Martin Wiese wollte teilnehmen.

Der vor etwa einem halben Jahr aus der Haft entlassene Neonazi Martin Wiese hat am Samstagabend in Erding an einer Zusammenkunft der Münchner rechten Szene teilgenommen. Die Polizei verhinderte allerdings das Treffen, das deklariert war als "1. Großveranstaltung aller rechten Gruppierungen der rechten Szene Münchens" - eine Art "Aufbruch-Treffen", wie Polizeisprecher Hans-Peter Kammerer sagt.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Nord hatte eine Frau eine Erdinger Sportgaststätte angemietet, angeblich für eine "Marketingveranstaltung" für "Nordic-Sportbekleidung". Dem Wirt wurde es jedoch mulmig, als die ersten 15 Gäste eintrafen - alle waren erkennbar dem rechten Spektrum zuzuordnen. Als der Gastwirt erfuhr, dass noch 80 weitere Neonazis erwartet werden, verständigte er die Polizei.

Die Beamten vom Staatsschutz waren vorgewarnt, dass sich die Münchner Szene am Samstag "an einem geheimen Ort", so die Polizei, treffen wolle. Vom Erdinger Bahnhof hatten die Neonazis sogar einen Shuttle-Service zur Gaststätte organisiert. Beamte der Polizei aus Erding und Fürstenfeldbruck, unterstützt durch eine Einsatzhundertschaft, kontrollierten 67 Neonazis. Drei Personen müssen mit Anzeigen rechnen: Sie tragen Tätowierungen mit SS-Totenkopfrunen. Ein weiterer Neonazi hatte ein Messer dabei.

Möglich ist, dass Martin Wiese das Treffen mit organisiert hat. Wiese ist ein Bekannter der Frau, die die Gaststätte für die Veranstaltung angemietet hatte. Die Polizei spricht von einem 37-Jährigen, der versucht hatte, dem Wirt mit zivilrechtlichen Konsequenzen zu drohen und ihn so unter Druck zu setzen. Martin Wiese, heute 37, hatte 2003 gemeinsam mit Komplizen einen Bombenanschlag bei der Grundsteinlegung für das Jüdische Zentrum geplant. Nach Verbüßung seiner Haftstrafe ist er seit August 2010 auf freiem Fuß.