Prozess um nachträgliche Sicherungsverwahrung Eklat im Gerichtssaal

Er schrie "Halt's Maul" und "Hure": Der sogenannte Westpark-Mörder ist im Verfahren um die nachträgliche Sicherungsverwahrung ausgerastet und hat eine Richterin beschimpft.

Von Andreas Salch

In dem Verfahren um die nachträgliche Sicherungsverwahrung des sogenannten Westpark-Mörders Gorazd B. vor dem Landgericht München I ist es am Dienstag zu einem Eklat gekommen. Der 35-jährige schrie eine Richterin mit den Worten "Halt's Maul an" und nannte sie "Hure", als diese damit begann, Briefe zu verlesen, die Gorazd B. Ende der neunziger Jahre an seine ehemalige Freundin in Garching geschickt hatte.

Der gebürtige Slowene war 2001 dafür verurteilt worden, weil er 1993 laut Urteil "aus Mordlust" einen Jogger nachts im Westpark mit einem Butterflymesser ermordet haben soll.

Als der Vorsitzende Richter Stephan Hock fragte, was er für ein Problem damit habe, dass seine Briefe verlesen werden, schrie der 35-Jährige erneut und bezeichnete die Verhandlung als "Show". Das Gericht will sich anhand der Briefe einen Eindruck von der Person des 35-Jährigen verschaffen. Seit Beginn des Verfahrens Ende März hat B. bislang keinerlei Angaben gemacht.

Natürlich sei das Gericht viel mehr daran interessiert, wie es in dem Herrn B. von heute aussehe, sagte Richter Hock zu dem 35-Jährigen. Doch wenn er nichts sage, müsse man eben auf seine Briefe aus den Jahren 1997 und 1998 zurückgreifen. Die Schreiben hatte B.s frühere Freundin dem Gericht erst kürzlich zur Verfügung gestellt. Sie hat seit keinen Kontakt mehr zu dem 35-Jährigen.

Gorazd B. konnte erst 1997 wegen des Mordes im Westpark festgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt lebte er bei seinem Vater in Kroatien. Viele der knapp zwanzig Briefe, die er seiner früheren Freundin schickte, schrieb er, als er in Auslieferungshaft nach Deutschland saß. Darin versicherte er ihr, nichts mit dem Mord im Westpark zu tun haben. "Ich bin eingesperrt für etwas, was ich nicht getan habe."

In einem der verlesenen Schreiben beteuert B., dass er sich geändert habe und gesteht seiner früheren Partnerin, dass er es inzwischen bereue, sie geschlagen zu haben. "Ich habe mich gut verändert. Ich lasse die Menschen reden."

Während die drei Berufsrichter der 10. Strafkammer die Briefe abwechselnd verlasen, saß Gorazd B. in seiner blauen Gefängniskleidung regungslos und mit aufeinander gepressten Lippen auf der Anklagebank. Entweder blickte er zu Boden oder fixierte mit eisiger Miene den Vertreter der Staatsanwaltschaft, der ihm einige Meter gegenüber saß.

Als Gorazd B. in Abschiebehaft saß, hatte seine Partnerin die Beziehung längst beendet. Dennoch sandte der damals 23-Jährige ihr einen Brief nach dem anderen. Einmal bat er sie, ihm ein Foto von ihr zu schicken. Ein andermal schrieb er ihr: "Du bist schlimmer als eine Droge für mich. Du hast mir mein Herz gebrochen. Ich lieb' dich noch immer - mir kommen die Tränen."

Die Verhandlung wird am Mittwoch fortgesetzt, ein Urteil gibt es frühestens im Oktober.