Projektpartnerschaft Deutsch-israelische E-Taxis

Alle Ideen wird man wohl nicht umsetzen können, räumt Roland Hösl (re.), Mitarbeiter der städtischen Wirtschaftsförderung, ein.

(Foto: Florian Peljak)

Uni-Absolventen entwickeln ein Konzept, wie München Elektroautos fördern könnte

Von Stephanie Probst, München/Tel Aviv

Ein Team, vier Menschen, zwei Kontinente. Vier Monate lang haben Moshe Ushpiz und Hans-Peter Huber gemeinsam mit ihren Kollegen die knapp 2700 Kilometer zwischen München und Tel Aviv überwunden. Ganz im Sinne der Globalisierung mit Videotelefonaten, E-Mails und Chats. Ihre Aufgabe: ein Konzept für die Stadt München zu entwickeln, das die Taxibranche dazu bringt, auf Elektrofahrzeuge umzusteigen. Denn Feinstaub wird zum immer größeren Problem deutscher Großstädte - in München ist mit fast zwei Dritteln der Verkehr auf Straße und Schiene die Hauptquelle für Feinstaub. Doch Elektrofahrzeuge können sich bislang kaum etablieren. Laut Roland Hösl, Mitarbeiter der Wirtschaftsförderung der Landeshauptstadt und inhaltlicher Berater des Teams um Huber und Ushpiz, ist die Taxibranche ein guter Anknüpfpunkt dafür. "Taxifahrer sind Mobilitätsbotschafter und zeigen, dass auch eine lange und intensive Nutzung von E-Fahrzeugen möglich ist", erläutert Hösl.

Das Konzept "Texi" beinhaltet nicht nur finanzielle Anreize für Taxifahrer. Auch sollte die Fahrt in einem Elektrotaxi komfortabler gestaltet werden: Das Handy laden oder ein kostenloses Getränk bekommen - das soll die Kunden in die E-Taxis locken. "Wir sind begeistert vom Konzept, doch alle Vorschläge wird die Stadt München nicht umsetzen können. Dafür müssten erhebliche Mittel eingesetzt werden", sagt Hösl. Dennoch seien Teile des Konzepts eine gute Grundlage für eine Weiterentwicklung.

Im "Bavaria Israel Partnership Accelerator" (BIPA) arbeiteten seit September 2015 erstmals insgesamt 28 Teilnehmer aus Deutschland und Israel mit deutschen Firmen zusammen. Der BIPA soll dazu beitragen, nachhaltige Wirtschaftsbeziehungen zwischen Bayern und Israel aufzubauen. Teams aus Uni-Absolventen beider Länder entwickeln gemeinsam mit Unternehmen Lösungen für bestimmte Fragestellungen. Jede Firma kooperiert dabei mit einem vierköpfigen Team. Die Besonderheit ist die Distanz: Zwei Teammitglieder arbeiten von Israel aus am Projekt mit, die anderen beiden sitzen in München.

Der Israeli Ushpiz vertritt mit Huber den deutschen Teil seines Teams, er lebt seit 13 Jahren in Deutschland und kennt die deutschen und israelischen Eigenheiten gut. "Am Anfang des Projekts war es amüsant. Wie die beiden Kulturen arbeiten, unterscheidet sich sehr. Die Israelis arbeiten eher intuitiv, sie wollen schnell Ergebnisse sehen und haben weniger Geduld. Die Deutschen arbeiten genauer und weniger intuitiv", sagt er. Um die Eigenheiten der anderen kennenzulernen, trafen sich Anfang September alle Teams in München zu einem Workshop.

Neun Tage lang erarbeiteten sie eine Strategie, danach reiste die eine Hälfte des Teams zurück nach Israel. Nach dem Workshop begann die virtuelle Phase, in der die Teams alle Möglichkeiten der modernen Kommunikation nutzten, um ihr Projekt weiterzubringen. Roland Hösl unterstütze für die Stadt München Ushpiz und Huber bei inhaltlichen Fragen. "Manchmal musste ich der Spielverderber sein", sagt Hösl. Er half dem Team dabei, sich zu fokussieren, und sortierte so manchen Ideenvorschlag aus.

Der zweite BIPA findet dieses Jahr in Tel Aviv statt. Diesmal werden israelische Firmen den neuen Teams die Aufgaben stellen.