Pläne für 100. Jahrestag der Revolution Zur Erinnerung an einen Anarchisten

Gustav Landauer wurde im Jahr 1919 ermordet.

(Foto: SZ-Foto)

Eine Initiative will am Waldfriedhof einen Gedenkort für Gustav Landauer schaffen - bis 2019 soll er fertig sein

Von Jakob Wetzel

Er wurde nicht nur ermordet, auch sein Andenken wurde beseitigt. Der Pazifist und Anarchist Gustav Landauer gehörte zu den führenden Köpfen der Münchner Räterepublik. Am 2. Mai 1919 wurde er deshalb von Freikorps-Soldaten erst misshandelt und dann erschossen. 14 Jahre später ließ der nationalsozialistische Stadtrat das Grabdenkmal des Toten auf dem Münchner Waldfriedhof schleifen. Landauers Spuren dort wurden verwischt, sie sind es bis heute. Doch jetzt möchte das eine Gruppe um den Frankfurter Historiker und Landauer-Herausgeber Siegbert Wolf und den Liedermacher Peter Kühn gerne ändern.

Ginge es nach ihnen, das Denkmal Landauers würde bis 2019, zu seinem 100. Todestag, neu erstehen. Zumindest soll es einen Gedenkstein geben. "Es geht darum, ein Stück weit das von den Nazis begangene Unrecht zu korrigieren", sagt Wolf. Die Idee gebe es schon lange, jetzt sei eine konkrete Perspektive dazugekommen: Eine Arbeitsgruppe in München bereite derzeit das Gedenken an den 100. Jahrestag von Revolution und Räterepublik vor. Hier soll der Plan diskutiert werden, dann will die Gruppe an den Stadtrat herantreten. Von ihm erhofft sich Wolf noch in diesem Jahr ein Signal, um rechtzeitig planen zu können. Finanziert werden soll das Denkmal zum Teil auch über Spenden, wenn es nötig ist. Einstweilen sammeln Wolf und Kühn Unterschriften. Seit Februar hätten sich bereits 60 bis 80 Unterstützer gefunden, sagt Wolf - darunter Privatpersonen ebenso wie Vereine und Institute.

Gustav Landauer war im April 1919 "Beauftragter für Volksaufklärung" in der Räteregierung gewesen. Nachdem die Republik gescheitert war, wurde er denunziert, verhaftet und im Gefängnis Stadelheim getötet. Er wurde 49 Jahre alt. Der Mord wurde strafrechtlich nie umfassend geahndet.

Landauer landete zunächst in einem Massengrab, wurde dann auf Betreiben seiner Tochter Charlotte exhumiert und eingeäschert, wie es seinem letzten Willen entsprach. Die Urne wurde 1923 in einem eineinhalb Meter hohen Betonsockel auf dem Münchner Waldfriedhof beigesetzt. 1925 erhielt dieser Sockel einen fünf Meter hohen Obelisken: das "Landauerdenkmal", finanziert durch Anarchisten sowie durch Verwandte und Freunde des Toten. Immer im Mai gab es hier Gedenkveranstaltungen - bis 1933. Kurz nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten fasste der Stadtrat Münchens einen Beschluss zur "Zerstörung der Grabdenkmäler marxistischer Revolutionäre". Das Denkmal wurde nun zerstört, Landauers Urne ging an die Jüdische Gemeinde - gegen Rechnung. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg fanden die sterblichen Reste des Toten wieder ein reguläres Grab. Landauer teilt sich heute seine letzte Ruhestätte auf dem Neuen Israelitischen Friedhof mit Bayerns erstem Ministerpräsidenten Kurt Eisner, der 1919 von einem rechtsextremen Grafen ermordet worden war. Ein Fragment des "Landauerdenkmals" dient beiden als Grabstein.

Dieses Grab solle auch erhalten bleiben, sagt Siegbert Wolf. Der Tote soll bleiben, wo er ist. Der Initiative geht es nur um einen Stein am Waldfriedhof - um dort die 1933 verwischten Spuren wieder sichtbar zu machen.