Ordinariat: Umfrage  Im Guten wie im Schlechten

Die katholische Kirche will wissen, wie ihre Strukturreform ankommt

Von Jakob Wetzel

Die katholische Kirche stellt ihre Strukturreform auf den Prüfstand: Wie das Erzbischöfliche Ordinariat am Mittwoch mitteilte, sollen Forscher der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen in Paderborn in den kommenden Monaten etwa 3000 Frauen und Männer aus mehreren kirchlichen Zielgruppen darüber befragen, was sich durch den 2010 in München verabschiedeten "Struktur- und Personalplan 2020" zum Guten und zum Schlechten hin verändert hat. Mit der Reform hatte das Erzbistum München und Freising damals vor allem auf den Mangel an Priestern reagiert; das Papier sieht vor, die meisten der einst mehr als 700 Einzelpfarreien in der Erzdiözese zu Pfarrverbänden zusammenzulegen. Einzeln für sich bestehen sollen künftig nur noch 43 Pfarreien.

Die Reform hat in der Vergangenheit für erheblichen Unmut gesorgt. Viele Gemeinden und Pfarrer haben sich arrangiert, doch mit dem "Münchner Kreis" von Priestern und Diakonen sowie der "Gemeindeinitiative" engagierter Laien gründeten sich eigens zwei Reformgruppen, zu deren Forderungen ein Nein zur Zusammenlegung von Pfarreien gehört: Die Pfarrer würden dabei mit Management-Aufgaben überladen, darunter leide die Seelsorge. Vor einem Jahr reagierte die Kirche bereits; sie kündigte an, Verwaltungsleiter einzustellen, um die Pfarrer zu entlasten.

Jetzt sollen die Forscher des "Instituts für pastorale Praxisforschung und bibelorientierte Praxisbegleitung" in Paderborn unter anderem klären, wie die Zusammenarbeit in den neu geschaffenen Pfarrverbänden funktioniert, wie sich Pastoralkonzepte und gemeinsame Gottesdienstordnungen bewähren, wie gut Ehrenamtliche bereits in die kirchlichen Strukturen eingebunden werden oder auch wie eng die einzelnen Pfarreien zum Beispiel mit anderen katholischen und evangelischen Gemeinden sowie mit Klöstern, Schulen und Bildungshäusern vernetzt sind. Befragt werden sollen etwa 1000 Priester, Diakone, Pastoralreferenten und Gemeindereferenten sowie außerdem etwa 1000 Katholiken, die sich ehrenamtlich für die Kirche engagieren und ebenso viele andere Gläubige. Darüber hinaus sollen 20 vertiefende Einzelgespräche mit einzelnen im Losverfahren bestimmten Katholiken aus dem Umfeld der Kirche geführt werden. Bereits zum Ende dieses Jahres sollen die Forscher ihre Ergebnisse an die Bischofsvikare des Erzbistums übergeben.