Oberregierungsrat gefeuert "Selbsttherapie" mit Pornos

Kinderpornos auf dem Zweit-PC: Das Münchner Verwaltungsgericht feuert den stellvertretenden Referatsleiter beim Landesamt für Umwelt.

Von E. Müller-Jentsch

Zu "Therapiezwecken" hat sich ein Oberregierungsrat während der Dienstzeit neben der normalen Arbeit von einem Zweit-PC mit Porno-Bildern berieseln lassen. Da sich der 53-jährige Familienvater dazu auch viele Darstellungen von missbrauchten und vergewaltigten kleinen Mädchen im Internet beschafft hatte, verfügte das Verwaltungsgericht München am Montag die Entfernung des Beamten aus dem Dienst - die Landesanwaltschaft hatte lediglich die Degradierung des Mannes gefordert.

Der leitende Beamte aus dem Landesamt für Umwelt stellte sich der Disziplinarkammer als eigentlich zutiefst moralischer Mensch vor, der in Folge eines Schlaganfalls und einer Gehirnoperation auf völlig abstruse Ideen und damit in den Sog abartiger Pornografie geraten sei. Eigentlich habe ihn nach Beendigung seiner ersten Ehe Sex nicht mehr interessiert. Und er sei auch ein entschiedener Gegner des Internets - "die Menschheit braucht das nicht".

Nach einer schweren Kopf-OP, bei der Teile des Gehirn entfernt wurden, habe er wieder lernen müssen, Silben zu Wörtern zusammenzusetzen. "Und mir fehlte auch etwas für den sexuellen Bereich." Da er aber bei seiner Therapie eine jüngere Frau kennen gelernt hatte, sei ihm die Idee gekommen, sich nun selbst mit Pornos zu therapieren. Mit der Betrachtung junger Frauen, die oben ohne beim Oktoberfest auf den Biertischen tanzen, habe alles angefangen. Dann sei er immer tiefer hinein gezogen worden - große Faszination hätten Bilder von gefolterten und gedemütigten Frauen auf ihn ausgeübt.

Um sich für seine Wochenendbeziehung zu stimulieren, habe er auf dem einen Dienst-PC Pornos "unscharf vorbeilaufen" lassen, während er auf dem anderen Computer komplizierte Berechnungen ausführte, erklärte der Diplom-Physiker dem Gericht.

Schwere Schuldgefühle

In dieser Zeit habe er jedoch gleichzeitig schwere Schuldgefühle entwickelt und sich gesagt: "Das bin ich nicht". Er habe jedoch nicht davon lassen können. Gezielt nach Kinderpornos will der Beamte nie gesucht haben - das sei ihm von Außen in den Rechner geschickt worden: "Heute weiß ich, dass es so etwas gibt."

In ihm sei der Wunsch gewachsen, all diese Bilder zu vernichten. "Aber das Internet löschen kann ich doch nicht." Also habe er Speichersticks gekauft, etwa alle zwei Wochen die Online-Pornos darauf geladen und die Sticks dann daheim mit einer Kneifzange zerstört. Weil das Landesamt für Statistik inzwischen bessere Kontrollfilter für die bayerischen Beamten-PCs eingesetzt hatte, war der Mann dabei aufgeflogen. Ein Strafgericht verurteilte ihn daraufhin ohne öffentliche Verhandlung durch Strafbefehl zu einer Geldstrafe von 60 Tagessätzen zu je 100 Euro.

Der Oberregierungsrat lässt sich seither therapieren. Vor Gericht bat er, anders beurteilt zu werden als jemand, der aus pädophilen Gründen Befriedigung sucht: In seinem Fall sei es um den Versuch gegangen, eine gesundheitliche Störung zu beseitigen - "auch, wenn ich darüber eine völlig verquere Auffassung hatte". Und er beteuerte: "Ich wollte die Kinderpornografie nicht betrachten, sondern vernichten."

Die Oberlandesanwältin beantragte zwar nur die Degradierung zum Regierungsrat. Das Gericht sah jedoch ein schweres Dienstvergehen und verkündete als "Höchstmaßnahme" die Entfernung des Beamten aus dem Dienst (Az.:M19DK09.82).

Ob der Mann Berufung beim Verwaltungsgerichtshof einlegt, ist noch offen.