Neuer Express-Bus Schneller, weiter, teurer

Für die Expresslinie werden die normalen Gelenkbusse eingesetzt. Erkennen wird man sie vermutlich an einem lilafarbenen "X".

(Foto: Alessandra Schellnegger)

In München wird ab Dezember erstmals eine Express-Bus-Linie X30 an den Start gehen. Sie soll die Stadtteile Sendling, Giesing und Haidhausen miteinander verbinden. Damit die Busse flott vorankommen, dürfen sie aber nicht überall halten.

Von Marco Völklein

Jedes Jahr im Dezember steht im Nahverkehr der Fahrplanwechsel an. In München wird heuer erstmals eine Express-Bus-Linie X30 an den Start gehen. Sie soll die Stadtteile Sendling, Giesing und Haidhausen miteinander verbinden. In Berlin gibt es solche Express-Busse bereits seit Langem, in München werden sich die Fahrgäste erst an einige Neuerungen gewöhnen müssen. Ein Überblick.

Die Idee: Bisher ist der Münchner Nahverkehr auf das Zentrum hin ausgerichtet. Leistungsfähige Querverbindungen, die die Stadtviertel in der Peripherie miteinander verbinden, gibt es kaum. Die X30-Busse sollen solche schnellen Querverbindungen ermöglichen. Wer etwa von der Brudermühlstraße zum Ostfriedhof will, benötigt bislang mit U-Bahn und Tram laut Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) 20 Minuten. Mit dem Express-Bus dauert die Fahrt künftig nur noch zehn Minuten. Außerdem hofft MVG-Chef Herbert König, mit dem Zusatzangebot im Osten und Süden die oft bis zum Bersten gefüllten U-Bahnen in der Innenstadt zu entlasten.

Die Überraschung: An eines werden sich die Münchner Fahrgäste erst gewöhnen müssen: dass künftig Busse einfach an einer Haltestelle vorbeirauschen. Denn damit die Express-Fahrzeuge flott vorankommen, halten sie nur an wenigen Haltestellen. "Da wird es am Anfang sicher verdutzte Gesichter geben", sagt MVG-Chef König. So beträgt beim X30 der durchschnittliche Haltestellenabstand 960 Meter - und entspricht damit in etwa dem Wert der U-Bahn. Bei den Trambahnlinien und den normalen Buslinien liegen die Haltestellen dagegen im Schnitt nur knapp 500 Meter auseinander.

Die Debatte: König bittet schon mal vorsorglich, das Express-Konzept "auf keinen Fall zu verwässern". Insbesondere in den Stadtvierteln könnten rasch Rufe laut werden, dass die Express-Busse bitte doch auch an der ein oder anderen Haltestelle im jeweiligen Quartier stoppen könnten. "Bleiben Sie da standhaft", appellierte König bereits im Juli an die Stadträte. Jeder zusätzliche Halt bremse die Schnell-Busse aus - und mache das Konzept unattraktiv.

Die Kurzstrecke: Auch der MVV muss seine Tarifregeln der neuen Linie anpassen. Bislang kann man im normalen Bus mit einem Kurzstrecken-Fahrschein bis zu vier Haltestellen weit fahren; in U- und S-Bahn nur zwei. Da der Express-Bus eher mit den Schnellbahnen vergleichbar ist, gilt diese Regel künftig auch in den X30-Bussen.

Die Taktzeiten: Fahren werden die Express-Busse Montag bis Freitag jeweils von 6 bis 21 Uhr, samstags von 7 bis 21 Uhr. An Sonn- und Feiertagen machen sie Pause. Zu den Hauptverkehrszeiten sollen die Busse alle fünf Minuten rollen, außerhalb davon im Abstand von sechs oder sieben Minuten. Der Fahrgastverband Pro Bahn hatte gefordert, den Fünf-Minuten-Takt durchgehend anzubieten - auch weil sich die Passagiere so die Abfahrtszeiten besser einprägen könnten. Laut MVG wäre das aber aufgrund der "deutlich geringeren Nachfrage außerhalb der Hauptverkehrszeiten" nicht wirtschaftlich.

Die Fahrzeuge: Außen will die MVG die neuen Express-Busse mit einem großen, vermutlich lila-farbenen X auf gelbem Grund kennzeichnen. Ansonsten werden sich die Fahrzeuge nicht von normalen MVG-Bussen unterscheiden. Mitte Juli hatte die MVG beim Hersteller MAN 14 neue Gelenkbusse bestellt, die unter anderem für die neue Linie vorgesehen sind. Zudem haben Partnerfirmen weitere 16 Busse bestellt. Unterm Strich hat der Auftrag ein Volumen von sechs Millionen Euro. MAN will die Fahrzeuge bis November liefern - genau rechtzeitig zum Start der neuen Linie Mitte Dezember.

Die Aussichten: Bewährt sich das Konzept, wollen König und seine Linienplaner die Idee ausbauen und weitere Tangentiallinien anbieten. Wo genau diese verlaufen könnten, ist noch unklar. Denkbar wären Express-Busse außerdem im Münchner Umland, um dort ebenfalls größere Gemeinden über Landkreisgrenzen hinweg zu verbinden. Zuständig dafür ist der MVV. Die Planer hätten dazu erste Überlegungen auch schon angestellt, sagt MVV-Chef Alexander Freitag. Konkrete Pläne oder Ausschreibungen für solche Angebote gebe es derzeit aber nicht.