Neue Nummern Von Raubtieren und Dackeln

In seinem Innersten sei Löwe Baluga eigentlich davon überzeugt, ein Tiger zu sein, sagt Martin Lacey.

(Foto: Florian Peljak)

Mit 26 Löwen und Tigern tritt Dompteur Martin Lacey jr. bei der dritten Winterpremiere des Circus Krone auf - auch King Tonga mit dem weißen Fell ist auf Verlangen des Publikums zurück in der Show. 21 Artisten aus zehn Nationen zeigen ein vielseitiges Programm

Von Barbara Hordych

Auch wenn man hoch hinaus will, empfiehlt es sich, erst einmal unten anzufangen. Nach dieser Devise tanzt sich Lisa Rinne akrobatisch perfekt an ihrer Strickleiter hoch ans Schwungtrapez. "Fallen" nennt die junge Oldenburgerin ihren Auftritt in luftigen Höhen. In der Tat zeigt sie bei der dritten Winterpremiere im Circus Krone am Trapez Varianten des Fallens, die das Publikum mehrmals hörbar aufschrecken lassen, auch wenn die Artistin gesichert ist. Ausgebildet an der Zirkusschule im niederländischen Tilburg, brilliert sie am Schwungtrapez mit temporeichen Drehschwüngen, spektakulären Salti-"Abfallern" sowie Sprüngen in den Fuß- und Fersenhang. Frenetischen Applaus aber gibt es für ihren Schlusstrick, bei dem sie aus dem Fersenhang kommend einen Vorwärts-Salto schlägt und auf der Trapezstange landet. Nicht von ungefähr wurde die deutsche Ausnahme-Artistin bereits mit Gold auf dem European Youth Festival in Wiesbaden ausgezeichnet sowie mit Silber auf dem Cirque de Demain in Paris und dem internationalen Jugendfestival in Moskau.

Einen Nervenkitzel ganz anderer Art ruft der englische Meister-Dompteur Martin Lacey jr. mit 26 weißen und goldfarbenen Tigern und Löwen hervor. Sie betätigen sich als Hochsitzer, steigen auf zur großen Pyramide, formieren sich zu zwei großen Teppichen, gefallen in wilden Scheinangriffen und legen sich in den Schoß ihres Tierlehrers. Als Höhepunkt gibt es ein Wiedersehen mit dem weißen Löwen King Tonga, der 2004 sein Manegendebüt gab und sich zu so etwas wie einem Trendsetter in der Branche entwickelte, sagt Krone-Sprecherin Susanne Matzenau. "Er wurde schnell so populär, dass die Konkurrenz nachzog; heute haben viele europäische Zirkusunternehmen Löwen mit der raren weißen Fellfarbe in ihrem Tierbestand."

Eigentlich hat im Krone-Circus längst ein Generationenwechsel stattgefunden, da King Tongas Sohn, der weiße Löwe Baluga, gemeinsam mit seinen vierzehn Geschwistern die Nachfolge des Vaters angetreten hat. "Doch die Besucher schrieben uns immer wieder an, sie wollten unbedingt King Tonga wiedersehen", sagt Matzenau. Also beschloss der mit höchsten Zirkusauszeichnungen bedachte Lacey (Goldener "Zirkus-Oscar" in Monte Carlo), ihn noch einmal in der Show auftreten zu lassen. Dabei plaudert er aus dem Leben "Seiner Majestät": King Tonga esse nur argentinisches Steakfleisch und sei auch schon mit ihm Auto gefahren. Prompt habe ihn die Polizei angehalten und darauf hingewiesen, dass Hunde auf dem Beifahrersitz nicht erlaubt seien. Laceys Entgegnung: "Das ist kein Hund, das ist ein Löwe!"

Possierlicher hingegen geht es in der Darbietung der Russin Diana Vedjaschkina zu. Dackel sind eigentlich nicht oder nur sehr schwer zu dressieren. Sechs bestens trainierte Zamperl beweisen bei der Premiere aber das Gegenteil. In einer quirligen Freiheitsdressur wälzen, klettern und balancieren sie um ihre Dompteuse herum, die als Hommage an München im Dirndl auftritt. Kurz ist das selbstverständlich, denn ihre langen Beine benötigt sie, um den Hunden den Takt vorzugeben.