Namensliste der Neonazis Spekulation um eine Münchner Spur

Hatten die Thüringer Neonazis Verbindungen nach Bayern? Der CSU-Politiker Uhl, der auf einer Liste der Zwickauer Zelle steht, hält das für möglich: In den Daten der Rechtsradikalen finden sich weitere Namen aus München.

Von Peter Fahrenholz, Susi Wimmer und Bernd Kastner

Der Münchner CSU-Bundestagsabgeordnete Hans-Peter Uhl vermutet eine Verbindung des Neonazi-Trios aus Thüringen in den Raum München. Denn in der Datensammlung der Rechtsradikalen, die in der ausgebrannten Wohnung im sächsischen Zwickau sichergestellt worden war, seien noch weitere Namen aus München. Sein Grünen-Kollege Jerzy Montag und er seien "nicht die einzigen Münchner, die auf der Liste stehen", sagte Uhl der SZ. Das sei ihm von den Ermittlungsbehörden mitgeteilt worden. Die komplette Datei kennt Uhl aber nicht - und das Landeskriminalamt (LKA) warnt vor voreiligen Schlüssen.

Der Name des Politiker Hans-Peter Uhl stand auf einer Liste der Zwickauer Rechtsradikalen. Gibt es eine Verbindung nach Bayern? Der CSU-Bundestagsabgeordnete geht davon aus.

(Foto: dpa)

Der CSU-Politiker geht allerdings fest davon aus, dass es eine konkrete Verbindung nach München gibt. "Ich will dieses Missing-Link", sagte Uhl. Es müsse "einen persönlichen Bezug der Täter" geben, anders könne er sich nicht erklären, warum sein Name in der Datei auftauche. Uhl glaubt, dass diese Verbindung in seine Zeit als Münchner Kreisverwaltungsreferent 1987 bis 1998 zurückreicht. Er lässt deshalb anhand alter Unterlagen derzeit alle Personen aus dem rechtsradikalen Milieu zusammenstellen, mit denen er damals dienstlich befasst war.

Die Namen dieser Kontaktpersonen wolle er dem LKA zuleiten. Denn "der eine oder andere" der Münchner Neonazis von damals sei später nach Sachsen-Anhalt gegangen. Uhl hält es nicht für abwegig, dass solche persönlichen Bezüge auch bei der Auswahl der Mordopfer aus Ramersdorf und dem Westend eine Rolle gespielt haben könnten. Er könne sich nicht vorstellen, dass ein Neonazi aus Thüringen einfach so nach München gefahren sei, um in der Bad-Schachener-Straße einen Ausländer zu erschießen, sagt Uhl zur SZ. Sein Kollege Montag hält diese Vermutung für "plausibel". Es liege nahe zu glauben, dass die Täter hier einen "Anker" hatten. Dies müsse überprüft werden.

Welche Relevanz die bei den Neonazis gefundene Datensammlung hat, ist indes noch völlig unklar. Dass Namenslisten politischer Gegner in rechtsextremen Kreisen kursieren, ist nichts Neues. Marcus Buschmüller, Vorsitzender des Antifaschistischen Informationsarchivs Aida, kennt einige solcher Listen. Meist stelle sich die Frage, ob die Namen einfach aus dem Telefonbuch oder Internet abgeschrieben wurden. Es sei nur schwer einzuschätzen, ob eine Gefahr gegeben sei oder ob es sich um Unsinn handele.

Zahlreiche Namen, aber keine Hinweise

In Polizeikreisen neigt man eher zu letzterer These: Eine Liste mit scheinbar wahllos zusammengestellten, bunt durcheinandergewürfelten Fragmenten solle man nicht hochspielen, heißt es. Dass auf der Liste 88 Namen stehen, kann das Bundeskriminalamt (BKA) "nicht bestätigen". Es gebe zwar eine Liste mit "zahlreichen" Namen, aber keine Hinweise, dass diese in Verbindung mit den Anschlägen stehen könnten. Das Landeskriminalamt hat die vom BKA aufbereiteten Daten am Dienstag erhalten.

"Das ist sicher keine Anschlags- oder Todesliste, wir würden es als Stoffsammlung bezeichnen", sagt LKA-Sprecher Detlev Puchelt. Es hätten sich beispielsweise Namen von Personen darauf befunden, die längst verstorben seien. Der Verfassungsschutz jedenfalls geht nicht davon aus, dass es zu Zeiten der Morde von München und Nürnberg ein Netzwerk zwischen Thüringen und Bayern gegeben hat. Der Verfassungsschutz sei nach den ersten Morden an Ausländern sehr wohl in die Ermittlungen der Soko Bosporus mit eingebunden gewesen. "Aber wir haben nie den geringsten Hinweis auf rechtsextremistische Täter gefunden", sagte Sprecher Michael Feiler."

Offenbar wollen die Münchner Rechtsextremen um Roland Wuttke, NPD-Bezirkschef in Oberbayern, und die "Bürgerinitiative Ausländerstopp" die Debatte für ihre Zwecke nutzen. Für diesen Samstag hat Wuttke beim Kreisverwaltungsreferat eine Kundgebung angemeldet. Sie soll am Heimeranplatz stattfinden. Unweit davon geschah einer der Morde: In der Trappentreustraße wurde 2005 ein Grieche erschossen.