Bundestagswahlkampf Münchner SPD wählt Axel Berg ab

"Hinrichtung erster Klasse": Lange galt er als Hoffnung der SPD, doch nun hat die Partei Axel Berg abgesägt. Drei Mal zog er als direkt gewählter Abgeordneter in den Bundestag ein - für die SPD in Bayern eine Sensation. Doch nun darf Berg im Wahlkreis München-Nord nicht mehr antreten. Dafür ein 20 Jahre jüngerer Unbekannter.

Von Anna Fischhaber

Als alles vorbei ist, will Axel Berg erst einmal an die frische Luft. "Das war eine Hinrichtung erster Klasse", sagt er. Dass das Votum so klar ausfällt, damit hat niemand gerechnet. Berg nicht, der das Mandat bei drei Bundestagswahlen direkt gewonnen hat, zweimal als einziger bayerischer SPD-Kandidat überhaupt. Die Delegierten im Münchner Norden nicht, die ihn an diesem Donnerstagabend in einem Moosacher Hinterzimmer abwählen. Und Florian Post nicht, der Herausforderer, mehr als 20 Jahre jünger und beim Wähler quasi unbekannt.

Als schließlich das Ergebnis verkündet wird, herrscht kurz Stille. Dann wird geklatscht. Selbst der 31-Jährige Post kann seine Überraschung nicht verbergen. "Ich kann es noch gar nicht fassen", sagt er schließlich.

Die Münchner Sozialdemokraten wollten noch vor den Sommerferien Klarheit, wer für sie in den Bundestagswahlkampf zieht - derzeit sitzt von der Münchner SPD niemand im Parlament in Berlin. Das soll sich 2013 ändern. Das Duell Berg gegen Post galt als Höhepunkt der Nominierungsphase. Nicht nur, weil sich die Partei im Wahlkreis 218 die größten Chancen auf ein Direktmandat ausrechnet, sondern auch weil die Entscheidung Berg oder nicht Berg viel über den Zustand der Partei verrät. Einer Partei, der man nachsagt, ihr sei ihr Gremienleben heiliger als das echte Leben.

1998 hatte Berg im Windschatten von Gerhard Schröder erstmals überraschend das Direktmandat gewonnen. Noch zweimal ging das gut, 2009 scheiterte er dann knapp an seinem CSU-Herausforderer Johannes Singhammer - und wurde zum Symbol für den Niedergang der Sozialdemokraten in Deutschland. Die rote Boje im schwarzen Meer, wie viele den Wahlkreis nannten, sie ging damals unter.

Selbst im Ausland wurde über ihn berichtet

Doch Berg verlor nicht nur gegen die CSU, er verlor vor allem gegen die eigenen Genossen. Die hatten ihn nicht auf der Liste abgesichert. 16 Sozialdemokraten aus Bayern zogen nach Berlin, der Mann auf Platz 17 musste gehen. Selbst im Ausland gab es Artikel über die kaputte SPD am Beispiel Bergs.

"Wenn es in der SPD eine Personalpolitik gäbe, dann müsste man Leute pflegen, die beim Volk ankommen", hatte er danach gesagt, "und dürfte ihnen nicht einen Tritt in den Arsch verpassen." Diesen Tritt hat der 53-Jährige nun erneut bekommen. Und das Ergebnis ist deutlich. 50 von 76 Delegierten, fast zwei Drittel, sprechen sich für Post - und damit gegen Berg - aus. "Rache" nennt es Berg. Vielleicht sei er doch zu vielen auf die Füße getreten. Man könnte auch sagen, die Gremien haben sich durchgesetzt im Hinterzimmer des Alten Wirts, das mit Bayernfahnen und einer Diskokugel dekoriert ist.

Berg, Politologe, Jurist, Energieexperte, ist ein Mann der Politik auf der Straße macht. Seinem Berg-Bus konnte man zeitweise im Münchner Norden nicht entkommen. Auf einem seiner Wahlplakate war nur ein Smiley zu sehen. Dazu der Slogan: "Axel Berg verschont Sie mit einem Politikerfoto." Auf einem anderen hieß es nur: "Axel wählen", von der SPD war nicht die Rede. Bei den Menschen im Münchner Norden kam das offenbar gut an, bei den Genossen weniger. Sie haben noch immer ihre Schwierigkeiten mit einem, der sich auf Parteiveranstaltungen nur ungern blicken lässt, das ist auch an diesem Abend zu spüren.