Millionärsmesse München Jets, Yachten und ein Sklavenmarkt

Ärger für die Reichen: Das Münchner Sozialforum will die Millionärsmesse in Riem mit Protestaktionen stören.

Von Lisa Sonnabend

Ärger haben derzeit sogar die Reichen: Die Finanzkrise lässt ihre Konten schrumpfen und macht die Zukunft unsicherer. Nun wird auch noch die Vorfreude auf die Millionärsmesse, die am Donnerstag in der Messestadt Riem in München beginnt, getrübt. Das Münchner Sozialforum will die Reichen mit Protestaktionen stören.

Mit einem "Sklavenmarkt" soll auf die Armut aufmerksam gemacht werden. "Reichtum wird auf der Messe zur Schau gestellt", kritisiert Walter Listl, der Sprecher des Sozialforums. "Armut dagegen kommt nur in Statistiken vor, die obendrein auch noch geschönt sind."

Das Motto der Protestveranstaltung lautet: "Euer Reich-Tun kotzt uns an." Der übermäßige Wohlstand weniger sei die Ursache wachsender Armut von vielen. Auf dem "Sklavenmarkt" am U-Bahn-Ausgang Willy-Brandt-Platz sollen billige Arbeitskräfte versteigert werden - nur wenige Meter von den einkaufenden Reichen entfernt.

Auf der Millionärsmesse präsentieren 100 Aussteller ihre Luxusprodukte auf 16.000 Quadratmetern. Jets, Yachten und Luxusautos warten auf neue Besitzer. Ein Diamantenschleifer stellt eine neue Methode vor, die Diamanten noch mehr funkeln lässt, ein Uhrenhersteller bringt seine limitierte FC-Bayern-Uhr auf den Markt und in einem Restaurant wird Kaviar serviert. Die Veranstalter erwarten 20.000 Reiche, Prominente, CEOs, Unternehmer, Netzwerker und Bons Vivants. Der Eintritt zur Messe beträgt 39 Euro.

Die Millionaire Fair gibt es bereits seit 2002 und fand bislang in Städten wie Moskau, Amsterdam oder Shanghai statt. Vom 16. bis 19. Oktober nun zum ersten Mal in München. Einen ersten Vorgeschmack, wie es auf einer Millionärsmesse zugehen könnte, haben die Münchner aber bereits bekommen. Im Frühjahr wurde die Stadt von der Luxusmesse "Luxury Fair" heimgesucht. Die Millionärsmesse brüstet sich: Was zähle, sei das Original - und das sei nun mal die Millionärsmesse.

Auch der Fotograf Martin Parr übte sich bis vor kurzem im Münchner Haus der Kunst als Kritiker des Luxus. In der Ausstellung "Luxury" waren Bilder von der Millionärsmesse in Moskau zu sehen, auf denen Parr die Porträtierten in eine irrwitzige Skurrilität erhebt. Oder wie Parr es beschreibt: Auf den Bildern verdunkelt der "Schatten menschlicher Schwäche" den Glamour.

Das Münchner Sozialforum will während der Protestaktion auch Flugblätter verteilen, mit einer Ausstellung auf die Armut in Deutschland aufmerksam machen und der Attac-Chor wird dazu das Rationalisierungs-Lied singen.

"Wir wollen aber nicht einzelne Personen angreifen", sagt Listl. "Klar ist, die Verhältnisse sind schuld." Auch die Caritas kommentiert die Messe. "Man darf die Millionäre nicht über einen Kamm scheren", sagt Sprecherin Maria-Jolanda Boselli der Süddeutschen Zeitung. "Es gibt viele Wohlhabende, die sich sozial engagieren. Aber Geld zu haben bedeutet auch, soziale Verantwortung zu übernehmen."

Die Millionärsmesse wird am Donnerstagabend vom Magier Hans Klok eröffnet. Ob es ihm gelingt, die die Millionäre störenden Randerscheinungen wegzuzaubern? Wahrscheinlich nicht, Geld macht schließlich nicht alles möglich.