Leitlinien für pastorales Handeln Reformer enttäuscht vom Erzbistum

Katholische Reforminitiativen zeigen sich enttäuscht von den "Leitlinien für das pastorale Handeln", mit denen das Erzbistum München und Freising die einzelnen Kirchengemeinden dazu aufgerufen hat, in der Seelsorge und bei der Leitung von Pfarrgemeinden zu experimentieren. Dass neue Modelle erprobt werden sollen, lasse zwar "vorsichtig hoffen", teilten die Münchner Gruppen "Wir sind Kirche", "Gemeindeinitiative" und "Münchner Kreis" mit. Die Leitlinien kämen aber sehr spät und würden noch dazu von oben vorgegeben. Dass alle Katholiken Verantwortung für ihre Kirche tragen, wäre deutlicher geworden, wenn Gläubige und Kirchenleitung gemeinsam an ihnen gearbeitet hätten. So nähmen die Leitlinien auch keinen Bezug zu den von repräsentativ ausgewählten Priestern und Laien ausgearbeiteten Reformvorschlägen des Diözesanforums "Dem Glauben Zukunft geben". Auch im Begleitschreiben wende sich der Kardinal nur an Priester und pastorale Mitarbeiter; das erwecke den Eindruck, einfache Gemeindemitglieder seien bloße Objekte von Seelsorge. Nun werde sich erweisen, wie groß die Experimentierfreude der Kirche sei, in Fragen wie dem Diakonat der Frau, der Mitsprache der Gläubigen bei der Personalauswahl oder beim kirchenrechtlichen Verbot für Laien, in Eucharistiefeiern zu predigen.