Raus aufs Rad Radlbus statt Roadster

Im Landkreis Starnberg muss sich der Radlbus noch etablieren.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

Ob in Starnberg oder am Chiemsee: Vielerorts machen sich Verkehrsplaner Gedanken darüber, wie sie mehr Menschen dazu bewegen können, vom Auto auf das Fahrrad umzusteigen. Zum Beispiel mit einem gut ausgebauten Routennetz. Oder auch mit neuen Transportangeboten.

Von Christiane Bracht, Starnberg

Wer was auf sich hält, zeigt sich im reichen Landkreis Starnberg zwar immer noch am liebsten im flotten Cabrio oder fährt mit einem stattlichen SUV vor. Aber auch hier ändern sich die Zeiten, wenn auch langsam: Radfahren liegt im Trend - nicht nur in der Freizeit, auch im Alltag. Immer mehr Leute haben in den vergangenen Jahren ihre verstaubten Räder aus dem Keller geholt oder sich schicke neue gekauft. Manche haben sogar tief in die Tasche gegriffen und sich ein angenehm leichtgängiges E-Bike angeschafft, anfangs nur um schöne Ausflüge zu machen, etwa rund um die Seen oder zum Kloster Andechs.

Doch zunehmend haben viele Menschen das Rad als Alternative im Alltag entdeckt: keine aufwendige Parkplatzsuche, keine Staus - Vorteile, von denen Autofahrer nur träumen können. Die Verkehrsmanagerin des Landkreises Starnberg, Susanne Münster, hat den neuen Trend erkannt. Und sie will ihn vorantreiben - nicht nur ein bisschen, sondern richtig. Umweltschutz und Energiewende beginnen schließlich schon bei der Mobilität. Und so setzt sie sich dafür ein, dass statt breiter Straßen und Parkplätzen direkt vor der Tür, auch Radwege und -ständer bei den Planungen mit berücksichtigt werden; sie kümmert sich um Beschilderungen und vieles mehr. Ihr Credo: "Wir müssen Angebote schaffen." Münster ist überzeugt: Nur wenn es gute Möglichkeiten gibt, lassen die Leute ihr Auto stehen und schwingen sich stattdessen in den Sattel oder steigen in den Bus. Und so arbeitet sie zusammen mit einem Ingenieurbüro, dem Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) und den Gemeinden an einem großen Alltagsradroutennetz für den gesamten Landkreis. Es soll bei allen künftigen Straßenplanungen Berücksichtigung finden.

Bei der Eröffnung der Radlbus-Linie von Tutzing nach Andechs war neben Busfahrer Peter Fischer auch MVV-Geschäftsführer Alexander Freitag (re.) dabei.

(Foto: Franz Xaver Fuchs)

In Bayern ist dies ein Pilotprojekt. Innenminister Joachim Herrmann (CSU) will, dass bis in neun Jahren 20 Prozent der Verkehrsteilnehmer mit dem Fahrrad unterwegs sind. Verkehrsmanagerin Susanne Münster ist sogar noch ehrgeiziger. Sie will in der Hälfte der Zeit den Anteil der Radler im Fünfseenland auf 21 Prozent steigern. Und so ergreift sie jede Gelegenheit, um den Radverkehr auszubauen. Ihr neuester Coup: Der Radlbus.

Seit Ostern hat die Linie 958, die von Tutzing nach Andechs und wieder zurück fährt, einen Anhänger, in dem 18 Fahrräder transportiert werden können. Für diejenigen, die Steigungen eher meiden oder für diejenigen, die in der Klosteranlage gerne mehr als eine Maß trinken wollen, dürfte der Radlbus eine gute Option für einen entspannten Ausflug mit dem Rad sein. Genutzt hat ihn bisher noch niemand, aber die Starnberger Verkehrsmanagerin ist zuversichtlich: "Das ist dem Wetter geschuldet", sagt sie. "Es gab aber schon mehrere Anfragen. Die Leute wollten wissen, wie der Radl-Bus funktioniert."

Rund um den Chiemsee gibt es schon seit fast zehn Jahren einen derartigen Bus. Vor allem bei Touristen ist er sehr beliebt, weiß Michael Schmidt, der dortige Niederlassungsleiter der Regionalverkehr Oberbayern GmbH (RVO). Fünf Mal am Tag fahren die Busse rund um den See. An allen 30 Stationen können Räder eingeladen werden. Inzwischen hat das Busunternehmen schon die zweite Generation Radanhänger in Betrieb, damit auch E-Bikes leicht aufgeladen werden können. 2650 Räder hat der RVO am Chiemsee im vergangenen Jahr transportiert. "Wir haben aber auch alle Gastgeber informiert und 100 000 Flyer ausgelegt", erklärt Schmidt den Erfolg. "Der Chiemgau will sich eben als Radl-Region profilieren." Der Anhänger wird dort übrigens erst Pfingsten wieder mitfahren.

Im Landkreis Starnberg muss sich der Radlbus indes erst noch etablieren. Bis Ende Oktober wird der Anhänger zunächst hinter dem Bus hergezogen. Dann wird man sehen, wie viele ihn genutzt haben und ob er sich rentiert. Es ist der erste Bus dieser Art im Netz des Münchner Verkehrsverbunds (MVV). Anders als am Chiemsee dürfen die Räder aber nur an den Endstationen in Tutzing und Andechs eingeladen werden - und das wird sich wohl auch nicht ändern, selbst wenn die Nachfrage da wäre. Der Grund: Der Bus kann sonst seinen eng getakteten Fahrplan nicht einhalten. Die Linie 958 ist nicht nur für Ausflügler und Touristen konzipiert, sondern unter der Woche vor allem für Pendler. Die haben ein großes Interesse daran, die S-Bahn oder die Regionalbahn nach München rechtzeitig zu erreichen. Viel Zeit zum Einladen haben die Radler aber weder in Tutzing noch in Andechs. Der Bus hält maximal zehn Minuten und das Aufhängen und Sichern der Räder an den dafür vorgesehenen Schienen im Anhänger ist nicht ganz leicht. Bei der Vorstellung des neuen Radlbusses vor einer Woche mussten mehrere Nutzer mit verhakten Speichen, wegrutschenden Hinterreifen oder am Rahmen festgekralltem Sicherheitsexpander kämpfen. Die gute Nachricht: Der Busfahrer hilft den Radlern.

Ganz billig ist die Nutzung des Anhängers allerdings nicht: 2,60 Euro kostet das Ticket, zusätzlich braucht man aber noch einen Fahrschein für die Busfahrt. Wer von weit herkommt, kann mit der Fahrradkarte aber noch weiterfahren. Sie gilt den ganzen Tag im gesamten MVV-Gebiet.

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