Mitten in Grünwald Buch für Buch bis an die Spitze

Wer liest mehr? Die Gemeindebücherei animiert Kinder und Eltern, zum Buch zu greifen. Wobei die Kinder bei dem Wettstreit sogar im Vorteil sind

Kolumne Von Claudia Wessel

Der Maibaum in Grünwald ist 38,5 Meter hoch, ein Buch vielleicht zwei bis drei Zentimeter dick. Man kann sich also ausrechnen, wie viele Bücher man übereinander legen müsste, um die Spitze des Maibaums zu erreichen. Die Gemeindebibliothek Grünwald peilt genau dieses Ziel an in ihrem alljährlichen "Sommerleseclub". Alle Jahre wieder ist diese Aktion eine gute Werbemaßnahme, um Kinder zum Lesen zu animieren. Mal sollten sie so viel lesen, dass die Bücher übereinander gestapelt so hoch wie die Gemeindebibliothek würden, nämlich 12,55 Meter. Mal galt es, den Uhrturm der Martin-Kneidl-Grundschule mit 24 Metern zu erreichen. Und heuer ist eben der Maibaum dran.

Es gibt aber diesmal noch einen zusätzlichen Anreiz: Es wird ein Kampf Kinder gegen Erwachsene. Denn auch letztere dürfen heuer mitmachen, den Buchrücken jedes gelesenen Buches messen, zusammenrechnen und sich die Inhalte merken. Es wird nämlich eine Kontrolle geben, ob die angegebenen Werke auch wirklich ausgelesen wurden. Ob bis September dann Kinder oder Erwachsene den längeren Teil des Maibaums erlesen haben, ist die spannende Frage.

Gemein ist nur, dass die Kinder im digitalen Zeitalter entscheidende Vorteile haben. Sie müssen anders als die Erwachsenen nicht nur still dasitzen und ein Wort nach dem anderen in sich aufnehmen. Denn es gibt inzwischen zahlreiche Bücher, die ihre Inhalte auch anders vermitteln. "Die kleine Brilleneule" etwa sieht auf den ersten Blick aus wie ein ganz klassisches Buch, verfügt aber über eine App, die auf dem Handy ganz schnell alles in kleinen Filmchen erzählt. Oder die Tiptoi-Lesebücher, die mit einem dazugehörigen Stift zum Sprechen gebracht werden.

Wer es seinen Kindern nicht so leicht machen möchte, kann in den nächsten Wochen noch eine andere Anregung zum Lesen ausnutzen: die WM. Denn passend dazu hat die Bibliothek zwei frisch erschienene Kinderbücher angeschafft: "Marios großer Traum" von Mario Götze und "Mein Weg zum Traumverein" von Thomas Müller, die ersten Kinderbücher geschrieben von Profi-Fußballern. Die Bücher sind jeweils allerdings höchstens einen Zentimeter dick.