Carsharing-Initiative Geteilter Meinung

Vier Mann in einem Wagen (von links): Jean Marcel Prasser, die Bürgermeister Günter Heyland und Thomas Loderer sowie Autohändler Jürgen Gott

(Foto: Claus Schunk)

Neubiberg will am Projekt mitwirken, Ottobrunn zögert noch

Von Stefan Galler, Neubiberg/Ottobrunn

Die Idee finden erst mal alle gut: Eine Genossenschaft, die interkommunal Fahrzeuge anbietet - sowohl Benziner als auch Elektroautos -, von denen die Bürger mit einem Carsharing-Modell profitieren können. Wer sich kein eigenes Auto leisten kann oder will, kann Mitglied werden und gegen Kaution und monatlichem Beitrag Fahrzeuge gemeinsam mit anderen nutzen.

Diesen Plan will Jean Marcel Prasser in den Gemeinden Ottobrunn und Neubiberg schon bald realisieren. Ursprünglich hatte der Ottobrunner vor, einen Verein zu gründen, analog zum Vaterstettener Verein "Autoteiler". Doch mittlerweile ist er davon ein Stück weit abgerückt: "Ich bin zu der Einsicht gekommen, dass Carsharing als rein gemeinnützige Sache nicht funktionieren kann", sagt Prasser. "Natürlich müssen wir uns an den Bedürfnissen der potenziellen Nutzer orientieren", sagt der Gründer der Initiative. Aber ein solches Modell müsse unbedingt wirtschaftlich orientiert sein, ein Businessplan sei nötig. "Nur dann kann man auf die Zukunft ausgerichtet erfolgreich sein", sagt Prasser.

Schon im März soll das Projekt starten, am Freitag stellten Prasser sowie die Bürgermeister von Ottobrunn, Thomas Loderer (CSU), und Neubiberg, Günter Heyland (Freie Wähler.N@U), einige Eckpunkte vor. Der Termin fand bei einem Autohändler in Hohenbrunn-Riemerling statt, der selbst zwei Fahrzeuge für "Immer Mobil eG", so der Name der Initiative, zur Verfügung stellt; ein zusätzliches Elektroauto steuert eine Firma aus Hohenbrunn bei. Prasser hat Großes vor: "Wir wollen wachsen, um Leute in Lohn und Brot zu bringen, die sich um die Autos kümmern, die zur Nutzung angeboten werden", sagt er. Und dass er sich im Laufe des Jahres auch an Landrat Christoph Göbel wenden will, um ihn für das Modell zu begeistern.

Ottobrunns Rathauschef Loderer äußert sich zurückhaltend: Er betonte immer wieder, dass er für seine Gemeinde eine aktive Beteiligung an dem Projekt noch nicht endgültig zusagen kann. "Wir müssen erst alle rechtlichen Fragen klären, etwa, ob wir als Gemeinde Teil einer gewinnorientierten Genossenschaft werden dürfen. Bei der ursprünglichen Idee, einen gemeinnützigen Verein zu gründen, hätte ich keine Probleme gesehen", sagt Loderer. Der Bürgermeister sieht dennoch Potenzial in Prassers Initiative: "Konkret wäre etwa denkbar, das Dienstauto unseres Amtsboten werktags nach 17 Uhr und am Wochenende zur Verfügung zu stellen." Der erste Schritt sei aber, das Projekt bekannt zu machen und somit potenzielle Nutzer zu generieren.

Neubibergs Bürgermeister Heyland ist schon einen Schritt weiter, er will einen Beitrag mindestens in Form eines Hybrid-Autos aus dem gemeindeeigenen Fuhrpark leisten. Das Fahrzeug solle zentral am Rathausplatz geparkt werden, dorthin will Heyland auch die Stromtankstelle vom Floriansanger verlegen lassen. Denn beim Hybridwagen soll es nicht bleiben, womöglich stellt Neubiberg auch noch ein Elektroauto zur Verfügung. "Finanziell ist das Risiko gering, ich werde das demnächst im Gemeinderat besprechen", sagt der Bürgermeister und betont: "Carsharing gehört zum Neubiberger Klimaschutzkonzept."