Konzertsaal-Debatte Umbauplan für Deutsches Museum in Gefahr

Rückschlag für die Konzertsaalpläne auf der Museumsinsel: Eine gemeinsame Nutzung des Kongressgebäudes als Konzertsaal und Foyer scheidet wegen Platzmangels aus - das sagen zumindest die Experten.

Von Martina Scherf und Ulrich Schäfer

Konzertsaal und Museumsfoyer - diese beiden Wünsche lassen sich gemeinsam im bestehenden Kongresssaal-Gebäude des Deutschen Museums nicht unterbringen. Auch bei einem Neubau an dieser Stelle müsste das Deutsche Museum sein groß angelegtes Zukunftskonzept verändern. Zu diesem Ergebnis ist die Arbeitsgruppe gekommen, die sich mit dem Thema befasst und eine Ortsbesichtigung vorgenommen hat.

Zu klein für alle Wünsche ist das Gebäude des Kongresssaals.

(Foto: dpa)

Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP), der die Museumsinsel als idealen Ort für einen neuen Konzertsaal auserkoren hat, will die Details in einer Machbarkeitsstudie klären lassen.

Der Arbeitsgruppe gehören Vertreter seines Hauses, der Stadt, der Obersten Baubehörde, des Museums, des BR-Symphonieorchesters und des privaten "Verein Konzertsaal München" an. Im Masterplan zur Sanierung des Deutschen Museums, der zwischen Bund und Freistaat im vergangenen Jahr beschlossen wurde, ist das Kongresssaal-Gebäude an der Ludwigsbrücke als neuer Eingangsbereich vorgesehen, mit Service, wissenschaftlichem Forum und Planetarium.

Zehn Prozent der insgesamt 400 Millionen Euro für die Sanierung sind hierfür eingeplant. Das Museum hat zu diesem Zweck das Gebäude bereits zurückgekauft. Doch wegen der Debatte um den Konzertsaal werden die Planungen vorerst nicht weiter verfolgt.

Aus dem Sitzungsprotokoll der Arbeitsgruppe "Raumprogramm Konzertsaal München/Kongresssaal Deutsches Museum" vom 15. März, das der Süddeutschen Zeitung vorliegt, geht hervor, dass im bestehenden Gebäude 13.800 Quadratmeter Fläche vorhanden sind.

Doch allein der Bayerische Rundfunk, der sich einen neuen Konzertsaal für sein Symphonieorchester wünscht, hat in seiner kleinsten Variante ein Raumprogramm von 13.146 Quadratmetern, in einer großen Variante mehr als 17.000 Quadratmeter gefordert. Das Deutsche Museum geht für sein Foyer von bis zu 15.000 Quadratmetern aus. Auch ein Abriss des denkmalgeschützten Baus und ein Neubau, für den sich Heubisch ausgesprochen hatte, würde beiden Anforderungen nicht gerecht, man käme damit auf 20.000 Quadratmeter. Dafür müsste der Neubau höher ausfallen und tiefer in die Erde reichen als der alte Kongresssaal. Auch die Grundfläche ließe sich größer planen. Ein Neubau würde allerdings auch deutlich mehr kosten.

Aus dem Sitzungsprotokoll geht ferner hervor, dass es denkbar wäre, den Kongresssaal in seiner ursprünglichen Form wieder herzustellen und darin dann den Konzertsaal unterzubringen. In diesem Fall müsste das Museum sein Foyer woanders hin verlagern, etwa in einen "Neubau im Süden der Museumsinsel". Dazu müsste aber ein Bebauungsplan erstellt werden, der "voraussichtlich zu enormen zeitlichen Verzögerungen für die Planungen des Deutschen Museums führen würde", heißt es im Protokoll. Dieses sähe damit auch die Vereinbarung Bayerns mit dem Bund tangiert.

Kunstminister Heubisch sagte dazu, der Masterplan für das Deutsche Museum sei nicht so weit konkretisiert, "wie sich das viele vorstellen". Er enthalte "keine Quadratmeterzahlen für den Raumbedarf, keine endgültigen Festlegungen, was an welcher Stelle untergebracht werden solle, und noch keine konkreten Architekturpläne". Es gelte eine Menge schwieriger Fragen zu klären, auch zum Denkmalschutz. "Exakt deshalb brauchen wir die Machbarkeitsstudie", sagte Heubisch.

In Kreisen des BR-Symphonieorchesters, das derzeit beim Musikfestival in Luzern gastiert, wurde ebenfalls auf die Machbarkeitsstudie verwiesen. Diese diene auch dazu, mögliche Raumvarianten durchzuspielen. Gemeinsam müsse man über kreative Lösungen nachdenken und zum Beispiel überlegen, wie sich Räume, die bei der Raumplanung getrennt angemeldet wurden, gemeinsam nutzen lassen.

Die Arbeitsgruppe werde sich aber auch mit der Frage beschäftigen, ob sich bestimmte Räume, die das Museum brauche, an anderer Stelle auf der Museumsinsel unterbringen lassen.