Kommentar Wille zur Wucht

Die Jury krönte drei spektakuläre Architekturentwürfe für den Gasteig. Das ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines klaren politischen Willens

von Frank Müller

Wer sich beim in die Jahre gekommenen Gasteig-Kulturzentrum fragte, wie man eigentlich für eine bloße Sanierung dreistellige Millionenbeträge ausgeben kann, der hat die Antwort nun vor sich. So unterschiedlich die drei von der Wettbewerbsjury prämierten Umbauentwürfe mit dem Haus auch umgehen - eines haben sie gemeinsam: Sie kleckern nicht, sondern sie klotzen, sie bringen den Gasteig nicht nur innen auf den aktuellen Stand, sie verschaffen ihm auch nach außen einen völlig neuen Auftritt. Auch wenn die Jury vorerst offen ließ, welcher der drei gleichberechtigten Sieger am Ende das Rennen machen wird, der Wille zur Wucht ist klar erkennbar. Die Frage ist nur, ob er sich in einer spektakulären Freitreppe Richtung Isar äußert (der Entwurf der Architekten Auer Weber), in einem Ring aus Glas um das Haus (Modell Henn) oder gleich mit einer Krone auf dem Gebäude (Variante Wulf).

Dass die Jury keinen der unspektakulären Beiträge krönte, die es auch gegeben hat, ist kein Zufall, sondern Ausdruck eines klaren politischen Willens. Nach dem Konzertsaal hinter dem Ostbahnhof ist das Projekt am Isarhochufer die zweite riesige Kulturinvestition in ganz kurzer Zeit. Projekt eins errichtet der Freistaat, da ist die Stadt als Bauherr von Projekt zwei ganz offensichtlich nicht gewillt, sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Sondern eher noch eins draufzusetzen. Oberbürgermeister Dieter Reiter brachte diese Haltung in seiner Bewertung des Juryergebnisses (in der er selbst saß) sehr schön auf den Punkt: "Diese Weiterentwicklung soll und darf dabei auch deutlich sichtbar sein", sagte Reiter.

Man kann das großmannssüchtig finden und denken, dass München dringendere Baustellen hat. Andererseits suchen die Großaufschläge in der Münchner Kultur europaweit ihresgleichen. Zu ihnen zählen auch das neue Volkstheater, das Stadtmuseum und das Sendlinger Übergangsquartier für den Gasteig, Projekte also, von denen man ohne Pathos feststellen kann, dass sie das München des 21. Jahrhundert prägen werden. München baut zwar keine Elbphilharmonie, aber eine Parallele zeichnet sich schon ab: Am Ende wird es kein Gejammer über das viele verbaute Geld geben, sondern Stolz aufs Erreichte.