Hohe Kosten für Pendler Teure Flucht ins Umland

Ein Haus auf dem Land, für viele ein Traum. Doch oft werden die Kosten der Mobilität unterschätzt, die ein Umzug mit sich bringt. Was man durch günstigere Mieten einspart, geht durch hohe Fahrkosten wieder flöten.

Von Bernhard Lohr

Der Vater arbeitet im Münchner Zentrum an der Ottostraße, die Mutter in Teilzeit am Kapuzinerplatz. Die Wohnung in Haidhausen hat eine gute Anbindung an Bus, U-Bahn und Tram. Beide fahren öffentlich in die Arbeit, die Kinder bringen sie zu Fuß in den Kindergarten und in die Schule. Um flexibel zu sein hat sich die Familie trotzdem einen Zweitwagen angeschafft, mit dem die Mutter größere Einkäufe erledigt. Die Kinder bringt sie mit dem Auto zum Arzt und zum Kindergeburtstag. Aber die Wohnung ist beengt. Die Vier zieht es raus ins Grüne.

Doch womöglich bereuen sie es schon bald. Denn die Flucht ins Umland kommt viele Wohnungssuchende in der Region teuer zu stehen. Die Kosten für Mobilität werden meist unterschätzt und fressen mögliche Einsparungen durch günstigere Mieten und Kaufpreise für Immobilien weitgehend auf. Was auf Familien zukommt und bei steigenden Spritpreisen noch zukommen kann, die von München aus nach Fürstenfeldbruck, Haar oder Kirchdorf an der Amper im Landkreis Freising ziehen, demonstriert jetzt eine Studie der TU München. Sie beleuchtet an durchgerechneten Fällen, wie sich der Umzug nach Kirchdorf etwa auswirkt.

Bei einem Einkommen von 3750 Euro müsste die vierköpfige Familie dort in dem Ort ohne S-Bahn-Anschluss bei einem Benzinpreis von 1,55 Euro alleine 1185 Euro für Benzin und Fahrkarten aufbringen. Bei einem bewusst als "Schockszenario" bezeichneten Benzinpreis von 2,11 Euro oder gar 4,65 Euro wären noch einmal 140 Euro oder gar 800 Euro weg.

Die Stadt München hat die Untersuchung "Mobility and Residential Costs" (Moreco) in Auftrag gegeben, und die drei beispielhaft beleuchteten Kommunen haben sich beteiligt. Benjamin Büttner, der die Studie am Fachgebiet für Siedlungsstruktur und Verkehrsplanung der TU leitete, sagt, "viele Haushalte lügen sich sehr oft in die eigene Tasche", wenn es um die Kosten fürs Auto gehe.

Dabei habe die Untersuchung auch gezeigt, dass es verkürzt wäre, nur über die Folgen von weiten Wegen zur Arbeit zu reden. Private Autofahrten fielen stark ins Gewicht. Bei den durchexerzierten Fällen zeigte sich, dass die Familie in Haar am besten zurecht käme, am schlechtesten in Kirchdorf. Entscheidend ist die Erreichbarkeit der Arbeitsstelle, aber auch von Einrichtungen wie Kino, Musikschule oder Einkaufszentren; am besten direkt mit der S-Bahn.

Die TU-Forscher stützen ihre Erkenntnisse auf eine breite Datenbasis und für die Beispielkommunen typische Mobilitätsmuster. Der durchschnittliche Haarer fährt täglich knapp 40 Kilometer mit dem Auto, in Kirchdorf sind es 88 Kilometer. Die Untersuchung soll dazu beitragen, dass in der aktuellen Debatte über hohe Mieten und Immobilienpreise die womöglich kräftig steigenden Kosten für Mobilität nicht vergessen werden. Dafür müsse man das Bewusstsein schärfen, sagt Büttner. In einer zweiten Stufe untersucht die TU nun, was die Kommunen für Lehren aus den Mobilitätskosten ziehen können. Büttner wirbt dafür, die Siedlungsentwicklung stärker auf die S-Bahn-Haltepunkte auszurichten.