Haus-Verlosung 19 Euro für ein Haus im Grünen

Weil Volker Stiny keinen Käufer findet, will er seine Doppelhaushälfte in Baldham verlosen.

Von Lars Brunckhorst

Seit er seine Idee ins Internet gestellt hat, ist Volker Stiny ein viel gefragter Mann: Zeitungen, Radiosender und Fernsehanstalten wollen über den Münchner berichten. Denn der 52-Jährige hat eine ungewöhnliche Methode gefunden, um sein Haus im Vorort Baldham gewinnbringend zu veräußern: eine Verlosung.

"Es ist eine Verzweiflungstat"

Es ist die erste Hausverlosung in Deutschland und dem Gewinner winkt eine Doppelhaushälfte mit 156 Quadratmetern Wohnfläche und fast fünfhundert Quadratmetern Grundstück - das alles für nur 19 Euro. So viel kostet ein Los. 48.000 davon will der Münchner insgesamt verkaufen.

Auf die Idee ist Volker Stiny gekommen, nachdem er ein Jahr lang vergeblich einen Käufer gesucht hatte. "Es ist eine Verzweiflungstat", sagt der Bankkaufmann. Seine Mutter, die nach dem Tod ihres Mannes allein in dem Haus lebt, wolle mit ihren 86 Jahren in ein Pflegeheim umziehen, erklärt der Münchner, der selbst zur Miete wohnt.

Da er sich die Hypothekenraten nicht leisten könne, habe er sich "schweren Herzens" entschlossen, das Haus zu verkaufen. Doch weder durch Anzeigen noch mit Hilfe von Maklern ist die 35 Jahre alte Immobilie samt dem großen eingewachsenen Garten bisher an den Mann zu bringen gewesen. "Es gab zwar Interessenten, vor allem junge Familien, aber wegen der zurückhaltenden Kreditvergabe der Banken hat keiner eine Finanzierung zustande bekommen."

Hürde: Staatliches Glücksspielmonopol

Ein Zeitungsartikel brachte Volker Stiny schließlich auf die ungewöhnliche Idee: In der SZ hatte er gelesen, dass immer mehr Amerikaner versuchen, ihre Häuser über Glücksspiele zu Geld zu machen, um ihre Schulden zu tilgen. Auch in England und Österreich werden mittlerweile Häuser verlost. Doch anders als im Nachbarland, wo die Behörden ein Auge zudrücken, braucht man hierzulande für eine Lotterie wegen des staatlichen Glücksspielmonopols eine Erlaubnis. Die erteilen die Behörden aber nur, wenn eine Ausspielung gemeinnützig ist und keinen wirtschaftlichen Zweck erfüllt. Einem Passauer wurde daher unlängst die Verlosung seines Hauses untersagt.

Stiny lässt sich davon jedoch nicht beirren. Zwei Anwälte hat er nach eigenen Worten "verschlissen", erst der dritte habe ihm "einen Weg aufgezeigt": So wurde die Verlosung als Quiz konzipiert (www.winyourhome.de). Auf diese Weise glaubt der Hausbesitzer das Gesetz umgehen zu können: Denn anders als beim verbotenen Glücksspiel können Spieler dabei den Spielausgang beeinflussen und ihre Gewinnchancen erhöhen. Das ist dann im Grunde nichts anderes wie die bekannten Quizsendungen im Fernsehen. Nur wer die Fragen zum Allgemeinwissen richtig beantwortet, nimmt an der Verlosung teil.

Risiko für Loskäufer

Dennoch: Wer ein Los kauft, geht das Risiko ein, an einem möglicherweise verbotenen Gewinnspiel teilzunehmen. Denn die Behörden haben der Verlosung bisher keine Erlaubnis erteilt.

Der Fall werde noch geprüft, sagt Ruth Kronau-Neef von der zuständigen Bezirksregierung. Auch der Gewinner geht Risiken ein, bekommt er doch quasi die Katze im Sack: Ist das Haus lastenfrei oder sind Grundschulden auf dem Grundstück? Wie macht der Gewinner seinen Anspruch geltend? Wie erfolgt der Eigentumsübertrag? Werden Steuern fällig? "Da sind viele Unbekannte", gibt der Ebersberger Notar Hubert Frauhammer zu bedenken. Er hält die Verlosung zumindest für "rechtlich problematisch".

Für Stiny jedenfalls dürfte sie sich lohnen. Auch wenn er neben dem Haus nach eigenen Angaben 99 weitere Preise verlost und verspricht, Grunderwerbssteuer, Notar- und Eintragungskosten zu übernehmen, so könnte ihm am Ende doch eine schöne Summe Geld bleiben: Bei 48.000 Losen zu je 19 Euro würde er 912.000 Euro einnehmen - deutlich mehr, als das Haus aus dem Jahr 1974 wert ist.