Haasenburg-Heime Münchner Jugendliche in umstrittenen Einrichtungen

Spätestens Ende September sollen in den umstrittenen Heimen der Firma Haasenburg keine Jugendlichen aus München mehr untergebracht sein.

(Foto: dpa)

Die Heime der Firma Haasenburg in Brandenburg sind wegen unmenschlicher Methoden ins Visier der Staatsanwaltschaft geraten. Nun stellt sich heraus: Auch das Münchner Sozialreferat hat dort derzeit sieben schwererziehbare Minderjährige untergebracht. Daran will die Stadt vorerst auch nichts ändern.

Von Dominik Hutter

In den umstrittenen Brandenburger Heimen der Firma Haasenburg sind auch sieben Jugendliche aus München untergebracht. Das geht aus der Antwort von Sozialreferentin Brigitte Meier (SPD) auf eine Anfrage der Stadträtin Dagmar Henn (Linke) hervor. Demnach schickt das Münchner Stadtjugendamt schon seit längerem zwischen fünf und zehn Jugendliche pro Jahr in die geschlossenen Einrichtungen, die wegen ihrer rigiden Erziehungsmethoden ins Visier der Staatsanwaltschaft Cottbus geraten sind. Inzwischen habe man bis zur Klärung der Vorwürfe einen Belegungsstopp ausgesprochen, versichert Meier. Henn reicht das nicht aus. Die Politikerin fordert, die Jugendlichen sofort zurückzuholen und intensiv bei der Aufarbeitung des Erlebten zu betreuen.

In den Augen Henns ist nach der Antwort der Sozialreferentin klar, dass der Haasenburg-Skandal auch ein Münchner Problem ist. Die zahlreichen Presseberichte über die Ereignisse in den Heimen, die auf Schilderungen von Jugendlichen und Erziehern zurückgehen, ließen "einem schlicht die Haare zu Berge stehen". Henn sieht die Stadt in der Pflicht, sofort zu handeln. Immerhin stamme jedes zehnte Kind in den Heimen aus München.

Der Firma Haasenburg wird vorgeworfen, schwer erziehbare Jugendliche mit unmenschlichen Methoden diszipliniert zu haben. So sollen nach Informationen der Berliner taz Heranwachsende isoliert und teilweise stundenlang auf einer Liege fixiert worden sein. Eine Art militärischer Drill soll an der Tagesordnung gewesen sein, und auch von Knochenbrüchen und Demütigungen ist die Rede.

Aktuell "keine Hinweise auf kindeswohlgefährdende Zustände"

Die drei Heime wurden inzwischen von Ermittlern der Staatsanwaltschaft durchsucht. Brandenburgs Jugendministerin Martina Münch (SPD) hat eine Untersuchungskommission eingesetzt und spricht von "Vorwürfen massiver Menschenrechtsverletzungen". Die Betreiber der Jugendeinrichtungen haben die Anschuldigungen bislang stets zurückgewiesen und auf die besonderen Herausforderungen mit einer schwierigen Klientel verwiesen.

Die Heime waren Anfang Juli in die Schlagzeilen gekommen, als drei Jugendliche entkommen konnten und schwerwiegende Vorwürfe gegen Einrichtung und Erzieher vorbrachten. Der auch vom Land Brandenburg verhängte Belegungstopp beschäftigt inzwischen das Verwaltungsgericht Cottbus.

Das Münchner Sozialreferat hält dennoch vorerst keine weitergehenden Schritte für notwendig. Laut Rückmeldung der zuständigen Heimaufsicht gebe es "entgegen der Presseberichterstattung, die sich im Wesentlichen auf Vorgänge in der Vergangenheit bezieht, keine Hinweise auf kindeswohlgefährdende Zustände in den Einrichtungen der Haasenburg GmbH", steht in der Antwort auf den Vorstoß Henns. Die Behörde räumt aber ein, dass "weiterreichende umfassende Prüfverfahren durch die entsprechenden Behörden in Planung sind".

Meier verweist zudem auf engmaschige Überprüfungen des Münchner Stadtjugendamts bei allen geschlossenen Einrichtungen. Dafür stehe man in regelmäßigem Kontakt mit der zuständigen Heimaufsicht. Die allerdings befindet sich in Brandenburg - und ist inzwischen selbst wegen angeblich laxer Kontrollen in die Kritik geraten. Die Sozialreferentin ist dennoch überzeugt, dass mit den vorhandenen Strukturen der Schutz von Kindern und Jugendlichen gewährleistet ist. Auch vor möglichem Machtmissbrauch in geschlossenen Einrichtungen.