Gymnasien in München Gute Noten im Süden

"Bildungschancen hängen vom Wohnort ab": Die Schüler im reichen Süden des Großraums München schaffen es eher auf das Gymnasium als Kinder im Norden.

Von Tina Baier und Martin Thurau

Wer auf das Gymnasium kommt, das bestimmt nicht nur die Leistung, sondern auch die Herkunft, in Bayern weit mehr als anderswo. Doch schon innerhalb des Großraums München sind die Chancen auf eine höhere Schulbildung regional recht unterschiedlich verteilt. Das zeigen die voraussichtlichen Übertrittsquoten aus der Grundschule zum kommenden Schuljahr.

Während in der Stadt und dem Landkreis München mehr als die Hälfte der Viertklässler den Sprung aufs Gymnasium schaffen, im Landkreis Starnberg wohl gar 72 Prozent, rangieren die Anmeldungszahlen für die Gymnasien in den Landkreisen Dachau bei 36, Erding bei 37 und Freising bei 39 Prozent - ein Gefälle also von Süden nach Norden.

Für Bildungspolitiker wie Hans-Ulrich Pfaffmann von der Landtags-SPD beweist das, dass "Bildungschancen noch immer vom Wohnort abhängen". Und vom "Geldbeutel der Eltern". Der bayerische Sozialbericht, den Sozialministerin Christine Haderthauer am Donnerstag dieser Woche präsentiert hat, weist beispielsweise die Bewohner des Landkreises Starnberg im Schnitt als die mit Abstand wohlhabendsten in ganz Bayern aus.

Auch im Landkreis München fallen die verfügbaren Einkommen der Statistik zufolge vergleichsweise hoch aus, die Regionen Dachau, Erding und Freising liegen weiter hinten.

Wie viele Kinder es auf das Gymnasium schaffen, ist auch in der Stadt München von Viertel zu Viertel sehr unterschiedlich. Dem neuen Bildungsbericht der Stadt zufolge schwanken die Zahlen je nach Grundschule zwischen 16 Prozent und 97 Prozent. Die meisten Kinder wechseln demnach in den wohlhabenden Quartieren Bogenhausen, Solln und Schwabing-Zentrum aufs Gymnasium, am niedrigsten ist die Zahl der Übertritte in Freimann, Harthof und Milbertshofen am Hart.

Eine der wenigen positiven Nachrichten

"Es gibt einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Übertrittsquote aufs Gymnasium und den drei Faktoren Einkommenssituation der Eltern, Bildungsaffinität der Eltern und Anzahl der Schüler mit Migrationshintergrund", sagt die scheidende Stadtschulrätin Elisabeth Weiß-Söllner. Schon der erste Münchner Bildungsbericht 2006 und der zweite aus dem Jahr 2008 sind zu diesem erschreckenden Ergebnis gekommen. Geändert hat sich seitdem so gut wie nichts.

Eine der wenigen positiven Nachrichten: Die Zahl der Jugendlichen eines Jahrgangs, die keinen Abschluss schaffen, ist in München um zwei Prozent zurückgegangen. Allerdings liegt sie nach wie vor bei mehr als sieben Prozent.

Von Herbst an soll das zur Verfügung stehende Geld in München jetzt bedarfsgerechter verteilt werden. Schulen in Problemvierteln bekommen dann mehr Geld, als Schulen in den wohlhabenden Stadtbezirken.

Zudem sollen im Hasenbergl, auf der Schwanthaler Höhe und in Neuperlach so genannte Bildungslokale eingerichtet werden. Die Mitarbeiter werden Schulen und Kindertagesstätten besuchen, um herauszufinden, was die Einrichtungen am nötigsten brauchen.

Erst in dieser Woche hatte ein nationaler Bildungstest gezeigt, dass für die Schulkarriere der Kinder Bildungsgrad und Geldbeutel der Eltern eine entscheidende Rolle spielen.

Ein Arbeiterkind habe es in Bayern gut sechs Mal schwerer, den Sprung auf das Gymnasium zu schaffen als eines von Akademikern - der schlechteste Wert in Deutschland. Das ist eine der nicht so schönen Nachrichten - eines Tests, bei dem die bayerischen Schüler ansonsten besonders gut abgeschnitten haben.