Gutes Pflaster für Gründer "Hier sitzt das Kapital"

Kristina Notz berät Sozialunternehmer an der Social Entrepreneurship Akademie.

(Foto: oh)

Kristina Notz kennt als Beraterin die Bedürfnisse genau

Interview von Jessica Schober

Kristina Notz arbeitet an der Social Entrepreneurship Akademie, einem Weiterbildungsangebot der Münchner Hochschulen, als Netzwerk-Verantwortliche. Sie kennt die Gründerszene, ihre Motive, Bedürfnisse und Sorgen.

SZ: Warum gründen Sozialunternehmer in München?

Kristina Notz: Weil hier Organisationen sitzen, die für die Finanzierung von Sozialunternehmen wichtig sind, wie z.B. Bonventure und der Social Venture Fund. Hier sitzt das Kapital. Es gibt Stiftungen wie die Hans-Sauer-Stiftung, die in dem Themenfeld aktiv sind. Wenn ich was machen will und motiviert bin, dann finde ich hier sowohl Qualifizierung, ein Netzwerk aus Gleichgesinnten und Räumlichkeiten fürs Co-Working und Büroplätze.

Wie viele solcher Projekte gibt es in München überhaupt?

Geschätzt gibt gut 80 junge sozialunternehmerische Start-Ups. Wenn man etablierte Unternehmen mit dazu zählt, sind wir bestimmt im dreistelligen Bereich. Thematisch beackern die ganz unterschiedliche Felder: Umwelt, Bildung, Kinderbetreuung, Pflege, Technologieeinsatz zum guten Zweck, Integration.

Und sie alle wollen die Welt verbessern?

Social Entrepreneurs haben auf jeden Fall eine starke Motivation, sonst würden sie das nicht machen. Die wollen die Welt verbessern - sind aber keine Träumer. Die meisten haben ganz klare Vorstellungen und kennen das Problem, das sie lösen wollen, aus eigener Erfahrung. Das sind Leute, die sagen: Ich kann das nicht akzeptieren und ich will etwas tun. Und das tun sie auf unternehmerische Weise. Sie wählen also klassische Mittel der sozialen Marktwirtschaft, um dieses Ziel zu erreichen. In Abgrenzung zu: Ich gründe einen Verein und engagiere mich ehrenamtlich in meiner Freizeit nebenher. Ein Sozialunternehmer versucht quasi auch seinen Lebensunterhalt damit zu verdienen.

Was fehlt den Münchner Sozialunternehmern zu ihrem Glück?

Eine Herausforderung sind die hohen Lebenshaltungskosten und Mieten. Das macht die Anfangsphase für ein Team schwieriger. Wer eine gute Idee hat, hat nicht automatisch sofort ein gutes Geschäftsmodell. Gerade als Sozialunternehmer versucht man ja vorrangig ein gesellschaftliches Problem zu lösen, das Geld ist oft knapp. Und auch die Finanziers, die hier in München sitzen, steigen natürlich auch nicht in Stunde Null der Projektidee ein, sondern erst im zweiten oder dritten Jahr, wenn man Erfolge sieht.

Wie erfolgreich sind diese Unternehmen?

Das klassische Messkriterium des Umsatzes oder des Gewinns in Euro ist bei einem Sozialunternehmen nur bedingt aussagekräftig. Ob es ein Mentoringprogramm für Hauptschüler wie "Rock Your Life" ist oder ein interkulturelles Fußballprojekt wie "buntkicktgut", das 50 000 Kinder erreicht hat - all diese Projekte definieren ihre eigenen Erfolgsgrößen.