Betrunkene, lüsterne Männer, aber auch die Anstrengungen an der Stange lassen Marie hin und wieder am Leben als Go-go-Girl verzweifeln. "Im Grunde genommen ist das ein Scheißjob - aber ich liebe ihn", sagt Marie und fügt aufrichtig an: "Man hat ein paar Minuten Ruhm ganz für sich alleine." Und: Das Tanzen bringe in erster Linie gutes Geld.
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Zwischen 22 Uhr und 4 Uhr steht Marie viermal 15 Minuten auf der Bühne - und bekommt dafür zwischen 120 und 300 Euro. Das Geld braucht Marie, um ihr Studium zu finanzieren, aber auch, um sich ihren aufwendigen Lebensstil leisten zu können: "Ich bin ein echtes Konsumopfer und kaufe ständig neuen Schmuck. Die Gucci-Sonnenbrille war auch nicht billig."
Heimlichkeiten vor den Eltern
Eine professionelle Tanzausbildung hat Marie nicht. Aber das braucht man als Go-go-Tänzerin auch nicht - wenn man genügend Begeisterung zeigt. Bereits in ihrer Jugend ging sie regelmäßig mit Freundinnen in die Disco und tanzte dort ausgelassen auf den Lautsprecherboxen.
Als eines Tages der Veranstalter auf sie zukam und die Mädchen fragte, ob sie nicht professionell tanzen wollten, waren alle sofort dabei - der Stolz, vor vielen Menschen aufzutreten, war größer als die Nervosität und das eigene Schamgefühl. Und doch: Vor ihren ersten Auftritten rebellierte Maries Körper: Ihr war übel, hinter der Bühne übergab sie sich mehrmals. Mittlerweile ist sie abgestumpft, alles ist Routine.
Wichtig am Go-go-Job ist die Oberfläche, der schöne Schein. Der herrscht auch unter den Tänzerinnen. Party machen könne sie mit ihren Kolleginnen super, "aber tiefe Freundschaften entwickeln sich in der Szene nicht", sagt Marie: "Wenn ich fett werden oder mir ein Bein brechen würde - niemand von denen würde mich noch kennen."
Ihre echten Freunde kann Marie mittlerweile an einer Hand abzählen. Sie wissen von ihrem Doppelleben und akzeptieren Marie so, wie sie ist. Das machen Maries Eltern mittlerweile auch. Anfangs verheimlichte Marie ihnen ihr geheimes Leben. Sie verließ in Turnschuhen und mit Jeans das Haus, sagte, sie gehe zu einer Freundin. Später warf Marie sich in ihr Go-go-Outfit und ging zum Arbeiten in die Disco.
"Alles ging gut, bis zu diesem Foto von mir. Ich hatte mal wieder direkt in die Kamera gepost - aber nicht gedacht, dass das Bild in der Zeitung landen würde." Das Foto zeigte Marie halbnackt, in Krankenschwestermontur, direkt an der Go-go-Stange. Die Eltern: geschockt, brüskiert. Erst als Marie ihnen erklärte, dass Go-go nichts mit Prostitution zu tun habe, zeigten sie sich verständiger.
Trotzdem: In der Familie wird nicht über Maries Nebenjob gesprochen. Im Internet wirbt sie dennoch auf einer eigenen Homepage für ihre Dienste, namentlich genannt werden will sie dennoch nicht. Sie kann nachvollziehen, dass andere sich für sie schämen. Deshalb versteckt Marie ihre Augenringe weiterhin hinter großen, dunklen Gucci-Sonnenbrillen.
Der Text ist erschienen auf der Jugendseite der Süddeutschen Zeitung. Weitere Texte der Jugendseite finden Sie unter www.sz-jugendseite.de.
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(SZ vom 19.05.2009)
Sorgerechtsverfahren in der Kritik
Die neueste Antwort
Perfekt!
Es ist schon eine unglaubliche Dreistigkeit, wenn Damen dieser Art sich dann auch noch als eine Art Opfer der Männer darstellen.
So vertauscht man Ursache und Wirkung!
Oder?
... und brauchte das Geld.
Es gibt schlimmeres im Leben.
Genug Sport.
Studienkompatible Arbeitszeiten.
Guter Stundenlohn.
....und es gibt genügend andere Jobs, die schlecht bezahlt werden, entwürdigend sind, aber sonderbarerweise keinen irgendwie schockieren. Frag mal eine Angestellte bei Schlecker, ob ihr der Job Spass macht. Und sie wird als erstes in die Überwachungskamera schielen, bevor sei keine Antwort gibt....
"Maries Einstellung zu Männern hat sich seit ihrem Job als Go-go-Tänzerin grundlegend zum Negativen geändert. Immer wieder begegnet Marie im Nachtleben Männern, die Frauen einzig als Objekt sehen." ...
Mir ist egal, was jemand macht (wenns halt Spaß macht). Aber bitte doch nicht das Verhalten von Männern beweinen, was man selbst vorher mit fördert um des Geldes willen. tststssss