Gedenken an Olympiaattentat Knobloch lehnt Pläne ab

Auf einer Anhöhe im Olympiapark soll ein Ort des Gedenkens entstehen. Doch nun kommt Kritik von der Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde: Für sie komme nur das Haus an der Connollystraße infrage, sagt Charlotte Knobloch.

Von Erich C. Setzwein

Die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern, Charlotte Knobloch, hält den geplanten Gedenkort für die Opfer des Olympiaattentats von 1972 für ungeeignet."Es widerspricht dem, was ich mir gewünscht habe", sagte Knobloch bei einer Sitzung in Fürstenfeldbruck, auf der über eine Gedenkstätte auf dem dortigen Fliegerhorst Fürstenfeldbruck gesprochen wurde. Sie zeigte sich überrascht von dem Konzept des bayerischen Kultusministers Ludwig Spaenle (CSU), wonach der Gedenkort auf einer Anhöhe im Olympiapark entstehen soll. Knobloch verlangte einen Erinnerungsort in jenen Räumen an der Connollystraße 31, wo der Überfall palästinensischer Terroristen auf die israelischen Sportler im September 1972 stattfand: "Alles außerhalb würde ich ablehnen."

Gegen den Standort im Olympiagelände führte Knobloch an, er werde "dem Gedenken nicht gerecht". Sie wisse, wo Angehörige und Zeitzeugen sich aufhalten wollten, um sich zu erinnern und zu trauern. An einer Stelle wie der ausgewählten sei das nicht möglich. An der Art, wie Fürstenfeldbruck der Ereignisse gedenke, was sie als Gegenbeispiel anführte, zeige sich eine "kluge und verantwortungsvolle Herangehensweise". Ohne das jahrelange Engagement der Bürger und der Soldaten des Fliegerhorstes wäre das jährliche Gedenken und die Planung des neuen Erinnerungsortes im ehemaligen Tower nicht möglich, sagte Knobloch. Dort war die Geiselnahme damals blutig zu Ende gegangen.

Spaenle verteidigte am Mittwoch seine Überlegungen, nicht in den Räumen an der Connollystraße, sondern an anderer Stelle einen neuen Gedenkort zu schaffen. "Ich werde auf die Frau Präsidentin zugehen und ihr das Konzept persönlich erläutern", kündigte der Minister an. Es gebe gute Gründe für einen anderen Standort. Man könne einen solchen Gedenkraum nicht in einem Wohngebiet einrichten, dagegen sprächen Sicherheitsbedenken, sagte Spaenle. Die Connollystraße sei und bleibe "ein Ort des individuellen Gedenkens", der neue Gedenkraum werde an einer Stelle errichtet, von wo man unter anderem die ehemaligen Unterkünfte der israelischen Sportler sehe. Dieser Platz liege nicht weit vom Gedenkstein mit den Namen der ermordeten Sportler und des getöteten Polizisten. Laut Spaenle haben seinem neuen Konzept neben einem Vertreter des israelischen Außenministeriums und dem Generalkonsul auch das Bundesinnenministerium und der Deutsche Olympische Sportbund zugestimmt.

Auch die Angehörigen der Opfer seien eingebunden worden, sagte Werner Karg, der stellvertretende Leiter der Landeszentrale für politische Bildungsarbeit. Er ist neben Bernhard Purin vom Jüdischen Museum München und Jörg Skriebeleit, Leiter der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg, einer der Autoren des Gedenkort-Konzepts für Fürstenfeldbruck und München. Karg beschrieb die "große Befriedigung und Zustimmung" der Hinterbliebenen, die bei den Treffen in Israel zu spüren gewesen sei. "Die Elf", wie die ermordeten Sportler in Israel genannt würden, seien Teil der Erinnerungskultur, der 5. September sei "ein fester Termin im Reflexionshaushalt dieses Staates".

Auch in diesem Punkt ist Knobloch völlig anderer Ansicht. Sie sei im September in Israel gewesen und von der Gedenkfeier zutiefst enttäuscht. "Die Aufmerksamkeit der Israelis zu dem Thema ist nicht vorhanden", stellte die Präsidentin der Kultusgemeinde fest. Das schreckliche Ereignis und das Gedenken daran werde in Deutschland viel höher bewertet als in Israel.