Gastwirte gegen Rechts Kein Platz für Nazis

Infoabend für Gastwirte: Der Rechtsextremismus in Neuhausen-Nymphenburger nimmt zu.

Immer häufiger nisten sich Rechtsextreme in Münchner Lokalen ein - nun wollen sich die Wirte wehren. Dass das Auftreten gegen Rechts Reaktionen auslöst, wird klar, als bei einem Treffen der Gastronomen NPDler vor der Tür demonstrieren.

Von Sonja Niesmann

Der gastgebende Wirt fackelte nicht lange. Kaum war die Aufklärungsveranstaltung für Gastronomen über rechtsextreme Gäste zu Ende, verließ Werner Stock, Pächter des Wirtshauses mit dem hübschen altdeutschen Namen "Teutonia" am Rande des Olympiaparks seinen Tresen und brachte einen signalroten Aufkleber am Eingang an: "Hier ist kein Platz für Nazis und Rassismus."

Genau das wollte der Bezirksausschuss (BA) Neuhausen-Nymphenburg ins Rollen bringen. Mit zunehmendem Verdruss haben die Stadtteilpolitiker registriert, dass sich rechtspopulistische, rechtsextreme oder islamfeindliche Gruppierungen in einigen Lokalen des Viertels einzunisten versuchen. Auch andere Stadtviertel haben mit diesem Problem zu kämpfen.

Mit der Diskussionsveranstaltung wollte der Neuhauser BA nun Wirte auf breiter Front für das Thema sensibilisieren - ein Versuch mit schwer kalkulierbarem Ergebnis. Doch die Stuhlreihen füllten sich, nicht nur Vertreter kleinerer Gaststätten waren gekommen, sondern auch einige große Wiesn-Wirte, zudem Abgesandte aus vier weiteren Bezirksausschüssen.

"Man erkennt sie nicht am Äußeren, sondern an Äußerungen"

"Die meisten Wirte in der Stadt wollen ja mit solchen Gästen nichts zu tun haben", betonte eingangs Miriam Heigl von der Fachstelle gegen Rechtsextremismus im Rathaus. Wie aber erkennt man die unwillkommenen Gäste, fragte ein Gastronom, "die tragen schließlich nicht alle Glatzen und Springerstiefel". In der Tat, pflichtete Marcus Buschmüller (Fachinformationsstelle gegen Rechtsextremismus) bei: "Man erkennt sie meist nicht am Äußeren, sondern an ihren Äußerungen."

Sich informieren, wer sich so in der Szene tummelt, nachhaken bei der Reservierung, sich absichern durch Klauseln im Mietvertrag, hinhören, was geredet wird am Tisch, vom Hausrecht Gebrauch machen, lauteten die Empfehlungen. Oder eindeutige Aufkleber und Aushänge am Eingang anbringen - wie etwa in Regensburg geschehen.

An 100 Gaststätten in Regensburg machen Aufkleber deutlich, dass Rassisten dort nicht bedient werden, berichtete Helga Hanusa, die die Initiative "Keine Bedienung für Nazis" gegründet hat.

"Von Hetzjagden halte ich nichts"

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Anlass war der Überfall auf einen Barkeeper, der einer schwarzen Frau zu Hilfe kam, weil diese unflätigst angepöbelt wurde. Zwei Wochen später wurde er in der Bar von "Sieg Heil" grölenden Neonazis niedergeprügelt. Hanusa hat Verständnis für die Bedenken von Wirten, sich einzeln zu exponieren, die Angst vor Racheakten: "Wirklicher Schutz muss eine gewisse Größe haben."

Das bestätigt Jorg Runte von "Gemeint sind wir alle", der Initiative aus dem Westend, die jene "Kein Platz für Nazis und Rassismus"-Aufkleber verteilt hat. "Ratskeller"-Chef Anton Winklhofer und Christian Schottenhammel, die den Hotel- und Gaststättenverband vertreten, sehen das genauso. Sie versprechen uneingeschränkte Unterstützung für eine breite Aufkleber-Aktion und wollen das Thema auch über den Verband mit seinen 1500 Mitgliedern weitertreiben: "Miteinander sind wir stark."

Draußen demonstrieren ein paar NPDler

Am Ende des Abends ist die Neuhauser BA-Vorsitzende Ingeborg Staudenmeyer (SPD) zuversichtlich: "Das wird ein Selbstläufer. Bald pappt Wirt um Wirt diese Aufkleber." Und zwar nicht nur in Neuhausen. Der BR-Journalist Thies Marsen, der die Veranstaltung moderierte, glaubt, dieser Abend könne eine "Initialzündung" sein - mit Wirkung für die ganze Stadt.

Dass konsequentes, solidarisches Auftreten gegen Rechts Reaktionen auslöst, wird natürlich auch an diesem Abend deutlich. Die NPD hatte eine Kundgebung gegen den "Psychoterror gegen Wirte" angemeldet - letztlich standen fünf NPDlern etwa zehn Mal so viele Gegendemonstranten gegenüber und noch mehr Polizisten dazwischen.

Der erste jedoch, der herbeieilte und sofort anfing, Gäste zu fotografieren, war Michael Stürzenberger, der Parteivorsitzende der "Freiheit". Dass die Veranstaltung störungsfrei ablaufen konnte, lag an der Polizei, die die Gegend um das "Wirtshaus Teutonia" abriegelte. Und der BA Neuhausen hatte extra einen privaten Sicherheitsdienst engagiert.