Soziales Weniger Asylberater, mehr Probleme

Die Caritas warnt vor einer Reduzierung der Helfer, wie sie geplant ist

Von Ariane Lindenbach, Fürstenfeldbruck

Wer soll all die Flüchtlinge beraten? Und sie damit auch ein Stück weit betreuen und integrieren. Das fragt man sich derzeit bei der Caritas in Fürstenfeldbruck. Denn inzwischen zeichnet sich ab, wovor die ehrenamtlichen Asylhelferkreise bereits vor einem Monat gewarnt haben: Mit der Zusammenlegung der Asyl- und Migrationsberatung gibt es eine neue Berechnungsgrundlage für den Personalbedarf. Und die wirkt sich im Landkreis Fürstenfeldbruck so aus, dass statt der bislang als notwendig erachteten mehr als 16 Beratungsstellen nur noch 9,43 übrig bleiben.

"Als Landkreis, der so eine Einrichtung hat wie den Fliegerhorst, sind wir trotzdem Spitzenreiter beim Abbau", unterstreicht Monika Grzesik. Sie leitet den Fachdienst Asyl und Migration bei der Caritas Fürstenfeldbruck. Wie ihr Kollege Willi Dräxler, Referent für Migration in München und BBV-Stadtrat in Fürstenfeldbruck, ergänzt, hat die neue Berechnungsgrundlage nicht nur zur Folge, dass in Gebieten mit einem hohen Anteil von Flüchtlingen bis zum Jahresende Beratungsstellen abgebaut werden müssen. Sondern auch, dass in Zentren die Anzahl der Beratungsstellen steigt. München etwa könnte demnach um 23 aufstocken, werde das aber mangels Bedarf nicht tun. Unterm Strich wird es nach Dräxlers Einschätzung aber weniger Berater geben.

Weiter verschärft wird die Situation dadurch, dass die neuen Bewohner der Erstaufnahmeeinrichtung in der Berechnung gar nicht berücksichtigt wurden. Der neue Personalschlüssel basiert laut Dräxler auf einer Belegung mit 400 Personen. Tatsächlich leben derzeit etwa 1100 Menschen, ein Großteil aus Nigeria, dort. Viele der etwa 400 bis 500 Frauen seien Opfer von Menschenhändlern; sie wurden oder werden zur Prostitution gezwungen.

Die Sozialpädagogen der Caritas möchten diesen Menschen mit ihren Beratungen helfen, sie über die Gesetze und Regeln in Deutschland aufklären sowie über ihre eigenen Rechte. Mit immer weniger Personal wird das aber zunehmend schwierig, denn eine hilfreiche Beratung benötigt Zeit. Und sie braucht eine halbwegs entspannte Atmosphäre, damit der Kern des Problems überhaupt erfasst werden kann.

All das ist aktuell schon nicht mehr möglich. "In der Erstaufnahmeeinrichtung ist es so, dass die Menschen dringende Bedarfe haben, die wir jetzt schon nicht mehr erfüllen können", etwa sich um Selbstmord gefährdete Bewohner zu kümmern, erläutert Grzesik. Dräxler erzählt, dass Flüchtlinge dort teils schon um fünf Uhr früh für eine Beratung anstehen. Zusammen mit der Enge ("zehn Menschen in einem Zimmer"), der Perspektivlosigkeit (die wenigsten dort haben Chancen auf eine Aufenthaltsgenehmigung) und dem Arbeitsverbot, "herrscht jetzt natürlich Frust". Und der entlade sich bisweilen auch in aggressiven Ausbrüchen. "Die Aggression ist selten gegen die Mitarbeiter gerichtet, aber man kann zwischen die Fronten geraten", sagt Dräxler und plädiert, auch im Namen der Caritas, für die Aufhebung des Arbeitsverbots. Jetzt hoffen beide auf einen Sinneswandel im verantwortlichen Sozialministerium. Denn sonst wird die Beratung laut Grzesik weiter reduziert.