Rücksichtslose Baustellenfahrzeuge Ein Biotop kommt unter die Räder

Der geschützte Trockenrasen ist auf Fahrzeugbreite komplett verschwunden. Die Stadt hat eine Prüfung der Vorkommnisse zugesagt.

(Foto: Bund Naturschutz)

Im Brucker Westen queren Betonmischer einen Trockenrasen - zum Ärger der Naturschützer

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Ein an das Baugrundstück der Stadtwerke angrenzendes Biotop ist beschädigt worden. Das sagt Thomas Brückner vom Bund Naturschutz (BN). Er macht eine Baufirma dafür verantwortlich. Er habe beobachtet, wie deren Fahrzeuge durch Lücken im Bauzaun Teile des 5000 Quadratmeter großen Trockenrasens befahren hätten. In dem Lebensraum von Distelfaltern, Heuschrecken oder Zikaden wachsen Pflanzen wie Natternkopf, Weidenröschen, Wiesensalbei und Karthäuser Nelke.

Eine Meldung an die Stadt blieb bislang unbeantwortet. Eine Mitarbeiterin der Bauverwaltung sagte eine Bearbeitung zu: "Wir werden der Sache schnellstmöglich nachgehen und uns anschließend mit Ihnen in Verbindung setzen", heißt es. Seitdem aber ist nichts passiert. Bemerkt hatte Brückner den unzulässigen Eingriff in die Blumenwiese westlich der Cerveteristraße eher zufällig vor gut einer Woche - bei einer Radweg-Befahrung, an der auch die Brucker Radverkehrsbeauftragte Claudia Gessner teilnahm. Man habe beobachten können, so Brückner, wie die weißen Betonmischer der Baufirma durch den geöffneten Bauzaun über die südlich angrenzende Biotopfläche fuhren. Gessner habe umgehend die Stadtverwaltung verständigt. Und Brückner telefonierte mit den Stadtwerken - beides bislang ohne sichtbare Wirkung. Bei einem erneuten Besuch zeigte sich, dass der Bauzaun zwar wieder verschlossen war, Teile davon aber bis zu acht Meter in die Biotopfläche hineinragten. Brückner: "Die Betonfüße und umgefallenen Bauzaunfelder zerstören die Biotopfläche. Und der gesamte Bauzaun steht nicht auf dem Baugrundstück, sondern zwei Meter hinter der durch rote Pflöcke markierten Grundstücksgrenze, also zwei Meter innerhalb der Biotopfläche." Der BN fordert, den Bauzaun aus dem Biotop zu entfernen sowie dauerhaft zu verschließen und die beschädigten Biotop-Bereiche "durch den Schadensverursacher" wieder ansäen zu lassen. Auf eine SZ-Anfrage am vergangenen Freitag hieß es bei der Stadt, man habe die Angelegenheit ans Bauamt weitergeleitet. Die Fachabteilung prüfe, "ob beziehungsweise welche Maßnahmen ergriffen werden".