Sparkassenfusion Bodenhaftung als Bedingung

Auch wenn sie betriebswirtschaftlich sinnvoll ist, eine Fusion der Sparkassen darf es nur geben, wenn ihre Kunden davon profitieren

Von Stefan Salger

Eine Fusion der Sparkassen Dachau, Fürstenfeldbruck und Landsberg-Dießen wird immer wahrscheinlicher - jedenfalls aus Sicht der Geldinstitute. Eine gerechte Zuweisung der Gewerbesteuerzahlungen an die Kommunen scheint machbar. Und durch den Verzicht auf einen einzigen Hauptsitz und die Verteilung der verbleibenden Vorstände sowie der wichtigen Abteilungen auf die drei Standorte ist Druck aus dem Kessel genommen worden. Von einem Dreierbund versprechen sich die Partner langfristig niedrigere Personalkosten sowie sinkende Belastungen bei der Risikoabsicherung großer Kredite. Daraus könnte im Idealfall sogar Spielraum erwachsen, um die eine oder andere Filiale in Kundennähe zu erhalten. Klingt schlüssig. Gleichwohl ist es eine Rechnung mit (noch zu) vielen Unbekannten. Darauf weisen Rainer Gottwald und Martin Runge völlig zu Recht hin. Der passionierte Sparkassenkritiker und der Grünen-Kreisrat sind bekannt dafür, sich profund in solch komplexe Themen einzuarbeiten.

Die Zahl der unabhängigen Experten ist freilich überschaubar: Der Verwaltungsrat ist nicht frei von Interessenskonflikten - würden seine Bezüge im Fall einer Fusion doch steigen. Vor allem aber darf bezweifelt werden, dass alle Mitglieder dieses überwiegend politisch besetzten Aufsichtsorgans über die erforderliche Fachkenntnis verfügen, um mögliche Defizite zu erkennen. Letztlich entscheiden müssen die ehrenamtlich arbeitenden Stadt- sowie Kreisräte. Um übers Abnicken hinauszukommen, benötigen sie unabhängige fachliche Unterstützung. Verwaltungsratsvorsitzender Thomas Karmasin und Sparkassenchef Klaus Knörr stehen im Wort, ihren Teil zur Transparenz beizutragen.

Über die reine Wirtschaftlichkeit hinaus ist sicherzustellen, dass ein Verbund nicht die Bodenhaftung verliert. Sparkassen haben einen gesellschaftlichen Auftrag bei der möglichst flächendeckenden Kreditversorgung des Mittelstands und im Dienste auch der weniger begüterten Privatkunden. Nicht aus dem Blick geraten darf im Zuge der Fusionsverhandlungen zudem die Sicherstellung einer Kontrolle unter Beteiligung auch der kleineren und erfahrungsgemäß besonders kritischen Parteien. Grünen-Politiker Martin Runge blickt denn auch sehr skeptisch auf die hinter verschlossenen Türen geführten Verhandlungen und stößt mit seinen Warnungen, hier könnten "die Totengräber des Sparkassenwesens" am Werk sein, bislang auf taube Ohren. Nur wenn nachweislich die Eigentümer der Sparkassen - letztlich also die Bürger - profitieren, darf es zu dem Dreierbund kommen. Dafür fehlt bislang der Beleg.