Germering Zocken auf der Leinwand

In Zoll wird da nicht mehr gemessen: Auf ganzen 12,5 Meter Diagonale können die Besucher hier ihre Lieblingsspiele erleben.

(Foto: Carmen Voxbrunner)

Angebot im Cineplex erfreut sich großer Beliebtheit

Von Johanna Kiermaier, Germering

Videospiele haben es in den vergangenen Jahren immer wieder ins Kino geschafft - als Verfilmungen, die der Qualität der Spiele aber nur eher selten gerecht wurden. Das Cineplex bietet nun die Möglichkeit, Videospiele quasi in Eigenregie auf der großen Leinwand zu erleben. Denn seit Dezember kann man dort jeden Samstagvormittag Kinosäle zum Spielen mieten. "Wir wollen Kino möglichst vielfältig präsentieren", so der Leiter Michael Riedlberger.

Es ist nicht das erste Kino im Münchner Umkreis, dass das Videospielen auf der großen Leinwand anbietet. Oftmals erkundigten sich Leute aus dem Publikum, ob so etwas im Kinosaal möglich sei. Riedlberger und sein Stellvertreter Berhan Caliskan sind selbst begeisterte Spieler. Regelmäßig haben sie nach den Spätvorstellungen eine Konsole in einem der Säle angeschlossen und gezockt. Technisch war das aber immer ein großer Aufwand. "Die Anfragen von Publikumsseite haben wir also dankbar angenommen, um das Gaming im Kino unkompliziert und bezahlbar zu ermöglichen", sagt Riedlberger.

Das Angebot richtet sich vorwiegend an junge Männer, zwischen 20 und 25 Jahren. "Wir glauben, dass nur Menschen kommen, die sowieso spielen und deshalb auch ihre eigene Konsole mitbringen können", sagt der Kinoleiter. Die Zielgruppe zwar eher Abendtermine bevorzugen. Allerdings sind da alle Säle mit dem Filmprogramm belegt, "das natürlich Vorrang vor den Videospielen hat", erzählt Riedlberger. Mit dem Filmverleih, von dem das Kino abhängig ist, konnte man sich aber auf den regelmäßigen Termin am Vormittag einigen. "Für 89 Euro kann man zwei Stunden buchen und für 149 Euro vier Stunden. Verdienen wollen wir mit dem Angebot nichts", erzählt Caliskan. Der Preis sei fair, wenn man bedenke, wie viel Eintritt ein Kinosaal bei einer Filmvorführung einbringt.

Um das Spielen zu ermöglichen, wurden die Kinosäle mit wenig Aufwand technisch nachgerüstet. Die Kunden müssen nur ihre eigene Konsole mitbringen. "Wir stellen den ganz großen Fernseher. Von Zoll brauchen wir da nicht mehr reden. Die Leinwand ist in der Diagonale 12,50 Meter lang", erklärt Berhan Caliskan. Grundsätzlich können alle Konsolen und Computer angeschlossen werden, die über einen HDMI-Eingang verfügen. Auch online kann gespielt werden - das Kino stellt eine kostenlose Internetverbindung. Nicht nur das große Bild, sondern auch das Soundsystem des Kinos bereichern dabei das Spielerlebnis. Aus technischer Sicht könnten alle modernen Kinos das Videospielen anbieten, so Riedlberger. Die Bildauflösung der aktuellen Konsolen auf der Leinwand ist optimal. Sicher könne man auch ältere Geräte anschließen, aber dann wäre das Ergebnis wohl nicht ganz so zufriedenstellend, sagt der Kinoleiter.

"Bisher läuft es sehr gut. Pro Woche gibt es mindestens eine Buchung", so Riedlberger. Die meisten Kunden spielen die Fußballsimulation "Fifa", aber auch ganz andere Spiele wie "GTA V" oder "Minecraft". Seitens der Theaterleitung ist die Anzahl der Teilnehmer nicht begrenzt. Den größten Saal könnten 233 Personen zum Spielen buchen. "Wenn man eine Halbzeit auf vier Minuten einstellt, könnte man in den vier Stunden doch ein ordentliches Fifa-Turnier spielen", schlägt Caliskan vor und lacht. Bisher kamen eher Gruppen mit zwei bis 20 Spielern. Bei Interesse müsse man sich zehn Tage vor dem gewünschten Termin beim Kino anmelden, so die Theaterleiter.